Sinnerklärer Peter Sloterdijk charakterisiert die Gegenwart als Ära rasender Ungeduld - Ernst Blochs "Prinzip Hoffnung" wurde durch das "Prinzip Sofort" abgelöst. Selbst wenn die neue Parteiführung wissen würde, was sie tun sollte: Die Ergebnisse kämen zu spät. Klare Kante beim Klima? Bis die SPD auch nur ein Gramm CO2 zusätzlich aus der Luft verhandelt, hätte sich bereits eine Abordnung von Extinction Rebellion vor Norbert Walter-Borjans Dienstwagen geworfen.
Abschaffung von Hartz-IV? Ehe die Union auch nur ein Jota nachgibt, hätten die Jusos Saskia Esken bereits Hochverrat vorgeworfen. Besteuerung der US-Internetmultis? Ehe man auf europäischer Ebene auch nur drei Staaten auf seiner Seite hat, hätte Finanzminister Olaf Scholz bereits die Reißleine gezogen - die Angst vor Trumps Vergeltungsmaßnahmen gegen die deutsche Autoindustrie verfängt auch bei SPD-Linken.
Auch selber Schuld, Genossen!
Ist die SPD an ihrer Talfahrt also gar nicht selbst schuld? Nicht nur, aber auch. Zum verheerenden Bild, das die Partei, die einst Hitlers Ermächtigungsgesetz als einzige mutig widersprach, abgibt, trägt Gerd Schröder bei. Er degenerierte vom Genossen der Bosse zum Hofnarren Putins. Sozialdemokratische Länderregierungen waren und sind Teil des korrupten Autolobby-Systems. Und durch die Bank sprechen Spitzen-Sozis wie ein Scholzomat, die Karikatur des Parteisprechs.
Von der Popularität des unprätentiösen Robert Habeck oder des entideologisierten Markus Söder kann man ablesen: Mobilisieren nach innen und Gehör finden außerhalb der Partei funktioniert auch, ohne sich in jedem zweiten Satz als Heilsbringer für Arme zu loben. Was die SPD jetzt braucht? Eine uneitle, dialogfähige Führung und geduldige Genossen.













Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.