22.07.2021 - 13:19 Uhr
Deutschland & Welt

Sebastian Bezzel im Interview: „Der Eberhofer hat mein Leben verändert“

Schauspieler Sebastian Bezzel liebt die Rita-Falk-Verfilmungen – und die Rolle des niederbayerischen Provinzpolizisten Franz Eberhofer. Wir haben mit ihm ein Gespräch über schwarzen Humor und harten Rock geführt.

Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) in einer Szene der neuen Rita-Falk-Verfilmung "Kaiserschmarrndrama". Der Film läuft läuft ab 5. August im Kino.

Von Andrea Herdegen

ONETZ: Herr Bezzel, Sie sind nun seit zehn Jahren der Dorfpolizist Franz Eberhofer. Wie hat er Sie geprägt?

Sebastian Bezzel: Geprägt hat er mich nicht. Aber er hat mein Leben verändert. Ich werde jetzt viel öfter erkannt, auch über Bayern hinaus. Das Weiteste bisher war in Bangkok (lacht). Ich stand in einem buddhistischen Tempel und wurde von einem niederbayerischen Pärchen angehauen, ob „mer a Selfie machn kanntn“ (lacht).

ONETZ: Alle sieben Verfilmungen der Rita-Falk-Romane waren Kino-Hits. Was macht den Charme dieser Filme aus?

Sebastian Bezzel: Die wahnsinnig tollen Figuren, die ja auch den Erfolg der Roman-Reihe ausmachen. Und die Art und Weise, wie Ed Herzog das inszeniert. Wie er – unglaublich liebevoll bis ins letzte Detail – diesen ganz eigenen Kosmos erstellt hat. Wir erzählen Provinz, tiefste Provinz. Und die Filme trauen sich was, weil sie schwarzhumorig sind – und immer schwarzhumoriger werden. Das macht mir große Freude.

ONETZ: Die Musik, vor allem harter Rock statt Musikantenstadl, spielt eine wichtige Rolle, nicht nur als Klingelton vom Eberhofer-Handy. Lassen Sie es auf langen Autofahrten manchmal auch so richtig krachen?

Sebastian Bezzel: Ich höre teilweise auch harten Rock. Ich habe mir angewöhnt, immer wenn wir wieder anfangen, einen Eberhofer zu drehen, eine alte Rockplatte herunterzuladen oder mir eine Playlist zusammenzustellen mit harten Rock-Songs. Das ist dann mein persönlicher Soundtrack bei den Dreharbeiten.

ONETZ: Sie haben im Herbst 2019 gedreht, also noch vor Corona. Wie haben Sie die Pandemie-Zeit danach erlebt?

Sebastian Bezzel: Der erste Lockdown war zunächst ganz angenehm, weil es so ruhig war und man mal wieder voll Zeit für die Familie hatte. Den zweiten Lockdown im Herbst fand ich dann aber echt heftig. Richtig bedrückend. Ich hoffe, dass wir diesen Herbst nun mit nur noch leichten Einschränkungen hinkommen. Außerdem muss es wieder einen Fahrplan geben für Kinos, für Theater, für kulturelle Einrichtungen, für die Gastronomie. Damit die nicht alle vor die Hunde gehen.

Schauspieler Sebastian Bezzel.

ONETZ: Eberhofers Freundin Susi, gespielt von Lisa Maria Potthoff, hat’s nicht leicht mit ihrem Franz. Warum ist er für sie ein so schwieriger Lebensgefährte?

Sebastian Bezzel: Weil der Franz grundsätzlich nicht an irgendwelchen Veränderungen interessiert ist. Er hat den Ist-Zustand am liebsten. Auf Äußeres legt er wenig Wert, neue Dinge konsumiert er kaum. Die Susi dagegen möchte, dass sich das Leben weiterentwickelt, neigt aber schon auch dazu, die eine oder andere Spießer-Idylle leben zu wollen. Dagegen wehrt sich der Franz.

ONETZ: Wie viele der lustigen Szenen entstehen spontan am Set?

Sebastian Bezzel: Das ist gar nicht so spontan, denn grundsätzlich sind die Sachen von Stefan Betz und Ed Herzog einfach richtig super geschrieben. Es ist selten, dass man ein Drehbuch bekommt und schon beim Lesen wirklich lachen muss. Das macht Spaß.

ONETZ: Am nervigen Co-Ermittler Rudi reibt sich der Eberhofer ja, aber ein gutes Team sind die beiden allemal. Wie kommen Sie privat mit dem Rudi-Darsteller Simon Schwarz aus?

Sebastian Bezzel: Simon und ich sind sehr gute Freunde. Wir haben uns 2005 bei den Proben zu „Schwere Jungs“ kennengelernt. Es hat fünf Minuten gedauert, dann war klar, dass es zwischen uns zweien einfach passt.

ONETZ: Einer der vielen Sympathieträger der Filme war Familienhund Ludwig. Jetzt mussten Sie sich von ihm verabschieden, filmisch zumindest.

Sebastian Bezzel: Wenn man so eine emotionale Szene spielt, muss man sich schon ein bisschen zur Seite nehmen und seine Techniken anwenden, beispielsweise an Sachen denken, die man als sehr traurig empfindet.

ONETZ: Rita Falks zehnter Eberhofer-Fall, „Guglhupfgeschwader“, ist 2020 erschienen, der elfte, „Rehragout-Rendezvous“, kommt im September. Gibt‘s schon konkrete Pläne für die Verfilmungen?

Sebastian Bezzel: Wir werden dieses Jahr „Guglhupfgeschwader“ drehen.

ONETZ: Der dann nächstes Jahr ins Kino kommt?

Sebastian Bezzel: Es sei denn, irgendeine neue Pandemie kommt daher.

Szene aus "Kaiserschmarrndrama": Sebastian Bezzel als Franz Eberhofer (links) und Simon Schwarz als sein Co-Ermittler Rudi.

ONETZ: Was hält Rita Falk von Ihrer Version des Franz Eberhofer?

Sebastian Bezzel: Rita Falk ist sehr eng mit der Constantin Film und mit uns verbunden. Das betrifft aber eher die Vermarktung der Filme. In den Jahren vor der Pandemie haben wir immer eine große Kino-Tour durch Bayern und Österreich gemacht, in die sie voll integriert war, ein Bestandteil der Show. Dadurch kennen wir uns sehr gut und sind mittlerweile befreundet. Am Set macht sie nur ab und zu mal einen Besuch. Sie lässt uns machen, sie vertraut uns. Es ist ein schönes Miteinander.

ONETZ: Der Frontenhausener Kreisverkehr, der in jedem Film eine zentrale Rolle spielt, …

Sebastian Bezzel: Das ist der Hauptdarsteller!



ONETZ: … der heißt seit 2018 offiziell Franz-Eberhofer-Kreisel. Eine Ehre?

Sebastian Bezzel: Absolut! Ich find‘s wunderbar. Die Benennung dieses Franz-Eberhofer-Kreisverkehrs ist die größte Ehre, die dem Niederkaltenkirchener Kosmos bisher widerfahren ist. Es passt einfach gut. Der Kreisverkehr ist ein ganz tolles Thema. Irgendwann gab’s dafür mal Subventionen, und dann hat man halt aus der alten Kreuzung so einen komischen Kreisverkehr gemacht. Egal, was passiert oder wohin die Menschen aus dieser Provinz wollen: Sie müssen erst einmal eine Runde im Kreisverkehr drehen.

ONETZ:

Sebastian Bezzel:

ONETZ: Sie gehören zu den populärsten deutschen Schauspielern Ihrer Generation. Was bedeutet Ihnen Erfolg?

Sebastian Bezzel: Ich bin wahnsinnig dankbar und freue mich tierisch, dass ich Angebote und Jobs habe, dass ich gut arbeiten kann. Und dass ich in diesem Beruf, obwohl das weiß Gott nicht selbstverständlich ist, Fuß fassen konnte und mittlerweile so arbeiten darf, dass ich Rollen auch mal mitgestalten kann. Natürlich kann der Erfolg vom Eberhofer manchmal auch sehr anstrengend sein. Je weiter südlich man kommt in Deutschland, umso lauter und euphorischer wird es. Ein Aspekt des Erfolgs, der mir total gefällt, zeigt sich auch darin, mit welchen Kollegen ich mittlerweile arbeiten darf. Das ist schon super.

ONETZ: Wer wäre denn Ihr Traum-Partner in einem Filmprojekt?

Sebastian Bezzel: Simon Schwarz und Lisa Potthoff! Eva Mattes wäre auch okay (lacht).

ONETZ: Und international? Vielleicht in Hollywood?

Sebastian Bezzel: Es wäre schon toll, mal so ein Set mitzukriegen. Zu sehen, wie die arbeiten. Wie riesig das ist. Aber es ist nicht mein großes Ziel. War es nie. Ich würde schon gerne mal international drehen, aber es muss nicht Hollywood sein.

"Kaiserschmarrndrama" kostenlos im Amberger Cineplex – für Coronahelden

Amberg
Hintergrund:

Zur Person: Sebastian Bezzel

  • Sebastian Bezzel, geboren 1971 in Garmisch-Partenkirchen, wurde nach der Ausbildung an der Bayerischen Theaterakademie August Everding schon bald für Film und Fernsehen entdeckt.
  • Landesweit bekannt wurde vor allem zwischen 2003 und 2015 als Kommissar Kai Perlmann an der Seite von Eva Mattes im „Tatort“ aus Konstanz.
  • 2013 sorgte er in „Dampfnudelblues“ erstmals als Franz Eberhofer für Aufsehen.
  • Bezzel lebt mit seiner Frau, der Schauspielerin Johanna Christine Gehlen, und den beiden Kindern in Hamburg-Ottensen.
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