Die neue Nüchternheit steht Horst Seehofer gut. Ebenso dem Aufregerthema insgesamt. Bei der Präsentation des neuen Migrationsberichtes geht es um sachliche Zahlen - wie 165 000 Zuwanderer oder 58 000 anhängige Asylverfahren. Zahlen, die Obergrenzen nicht überschreiten und erfolgreiche Maßnahmen seit der Krise 2015 sowie künftige Aufgaben aufzeigen.
Seehofer wäre aber nicht Seehofer, wenn er nicht doch einen Reizpunkt setzen würde. Denn den Spagat zwischen "Humanität gegenüber Schutzbedürftigen und Steuerung der Zuwanderung" auf "bemerkenswert gute Weise" geschafft zu haben, wie er stolz formuliert, ist dann doch eine etwas steile These. Angesichts ungelöster Flucht-ursachen, der gegenwärtig laut UNHCR höchsten Zahl an Flüchtlingen aller Zeiten und den vielen Toten im Mittelmeer.
Deutschland hat wie andere Nicht-Mittelmeer-Anrainer eine Lösung für sich gefunden. Das ist legitim. Viele Kanäle für den Migrationsstrom geschlossen zu haben, bedeutet aber nur, ihn umzuleiten. Nicht nur Italiens Populisten instrumentalisieren ihre Benachteiligung durch die Dublin-Regeln. Angesichts des bröckelnden Zusammenhalts kommen die EU-Staaten nicht um das Lösen des gordischen Knotens herum - ein gerechteres europäisches Asylrecht. Deutschland ist in der Momentaufnahme wieder im Soll. Damit uns das Problem aber nicht wieder auf die Füße fällt, ist ein größerer Spagat nötig.













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