16.08.2019 - 11:25 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Von der Seele geschrieben

Eigene Erfahrungen und Erlebnisse prägen Marianne Achs neuen Roman „Dieses schmale Stück Himmel über Paris“. Der Aufenthalt in der pulsierenden Stadt hilft der Hauptperson dabei, eine Entscheidung zu treffen.

Buchcover
von Anke SchäferProfil
Marianne Ach erzählt in ihrem aktuellen Buch eine nicht ganz alltägliche Liebesgeschichte: Eine Auszeit in Paris soll der Hauptperson Hannah helfen, über ihre Ehe nachzudenken.

Am Scheideweg einer schwierigen Ehe wagt Hannah, eine Frau in den besten Jahren, den Schritt in die Auszeit. Alte Freunde, neue Bekanntschaften und die beeindruckende Kulisse von Paris helfen auf der Suche nach tragfähigen Perspektiven. In ihrem neuen, im Frühjahr erschienenen Roman hat die aus Eslarn stammende Schriftstellerin Marianne Ach Autobiografisches und Fiktives zu einer Geschichte über die vielen Gesichter der Liebe verwoben. Die Kulturredaktion hat nachgefragt:

ONETZ: Frau Ach, wäre Ihr Weg in die Literatur auch ohne die Lebenserfahrungen als Nonne, Kindergärtnerin, Katechetin und Lehrerin denkbar gewesen?

Marianne Ach: Das auf jeden Fall. Möglichkeiten zum Schreiben finden sich immer, unabhängig davon, welches Leben einer führt. Ausschlaggebend ist die Leidenschaft für das Wort – die Sprache.
Ohne mein Leben im Kloster hätte ich sicher viel früher damit angefangen. Das Dasein hinter Klostermauern schränkt ein, verhindert allzu freies Denken. Erfahrungen sind begrenzt.

ONETZ: Ihr Œuvre umfasst mittlerweile acht Bücher. Finden Sie die jeweiligen Geschichten oder finden die Geschichten Sie?

Marianne Ach: Es sind meist Impulse von außen und die finde ich überall: In Büchern; wenn ich anderen zuhöre, die mir ihre Erlebnisse mitteilen; wenn in den Medien gute Filme gezeigt oder gute Beiträge gebracht werden.
Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht eine Idee aufnehme, die ich meinem Roman zuordnen kann.

ONETZ: Wenn der jeweilige Stoff gefunden ist, haben Sie eine feste Schreibroutine oder sind Sie dabei spontan?

Marianne Ach: Ich schreibe immer, zunächst sind es nur Gedanken, die in meinem Kopf kreisen, und wenn sie dringend und wichtig sind, notiere ich sie. Ich gehöre nicht zu den Schriftstellern, die stundenlang am Schreibtisch sitzen. Für mich eignet sich jeder Ort zum Schreiben, egal, wo ich mich gerade befinde.

ONETZ: Ihr neuer Roman macht Mut zum Ausbruch aus dem festgefahrenen Alltag und plädiert für mehr Achtsamkeit auch sich selbst gegenüber – ein wichtiger Impuls in unserer leistungsorientierten, selbstoptimierten und unsicheren Zeit?

Marianne Ach: In meinem neuen Roman nimmt sich die Hauptfigur Hannah eine Auszeit, um sich darüber klar zu werden, ob sie in der Ehe bleiben will oder nicht. Wenn der Alltag nur mehr Routine ist, dann ist es sicher wichtig, sich neu zu orientieren.

ONETZ: Im Nachwort nennen Sie Marguerite Duras als Inspirations-Quelle. Was verbindet Sie mit der Grande Dame der französischen Literatur?

Marianne Ach: Ich schätze bei Marguerite Duras vor allem die Sprache, sie ist sehr reich an Metaphern. Da bleibt nichts an der Oberfläche. Ihre Themen berühren mich. Duras war eine höchst zwiespältige Person (sie war Alkoholikerin), Menschen, die allzu glatt sind, interessieren mich wenig, sie verbergen meist das, was wesentlich ist.

ONETZ: Am 8.September startet Ihre Lesetour in Weiden, weitere Stationen sind München und Regensburg: Wie empfinden Sie den direkten Austausch mit dem Publikum?

Marianne Ach: Meine Zuhörer/innen fordern mich jedes Mal von Neuem heraus. Sie stellen sehr direkte Fragen, und darauf kann ich nur direkte, d.h. ehrliche Antworten geben.

ONETZ: Verraten Sie auch schon Ihre nächsten literarischen Pläne?

Marianne Ach: Ein Grundkonzept für meinen nächsten Roman existiert schon. Was letztlich daraus wird, weiß ich noch nicht. Ich muss mich von meinem Inneren leiten lassen.
Als Schriftstellerin halte ich mich an das Tabu, nicht über ein Werk zu reden, das noch im Entstehen ist.

Info:

Zur Person

Geboren in Eslarn, verließ Marianne Ach mit 13 Jahren ihr Elternhaus, ging ins Kloster und arbeitete als Kindergärtnerin und Katechetin. Später verlässt sie den Orden und wird Realschullehrerin für Deutsch und Religion. Nebenbei schrieb sie Erzählungen und widmet sich seit der Pensionierung ganz der Schriftstellerei. Ihr literarisches Debüt erfolgte 1998 mit der Erzählsammlung „Schlimme Wörter“. Marianne Ach lebt in München.

Info:

Service

Der Roman „Dieses schmale Stück Himmel über Paris“ ist in der edition lichtung erschienen und kostet 13,90 Euro. Lesungen: 8. September, 17 Uhr Café Le Père Weiden, 15. September, 11 Uhr Seidlvilla München, 10. Oktober 19.30 Uhr CVJM München Landwehrstraße 13, 17. Oktober 20 Uhr Kunstknoten Regensburg.

marianne-ach.de

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