Söders Krisenmanagement ist eine Bewerbung für das Kanzleramt

Im Kampf gegen das Coronavirus profiliert sich Markus Söder bundesweit als Krisenmanager mit Führungsstärke – und stärkt damit seine Chancen auf eine Kanzlerkandidatur. Ein Vergleich mit Helmut Schmidt drängt sich auf.

Ministerpräsident Markus Söder (Dritter von rechts, CSU) schreitet voran und zeigt Führungsstärke: Nicht nur wie hier im Bild mit Ministern aus seinem Kabinett, sondern auch auch bei der Bekämpfung des Coronavirus auf Bundesebene.
von Tobias Gräf Kontakt Profil
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Während die Corona-Krise Deutschland in beispielloser Weise lahmlegt, ist der Politikbetrieb zu Hochtouren aufgelaufen. An vorderster Front der Krisenmanager hat sich Markus Söder positioniert. Der bayerische Ministerpräsident gibt im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus den tonangebenden Vorreiter - und beansprucht für den Freistaat zugleich eine Extrawurst.

Nach dem Beschluss von Bund und Ländern am Sonntag, ein deutschlandweites Kontaktverbot zu erlassen, das Ansammlungen von mehr als zwei Personen verbietet, blieb Bayern bei seiner eigenen, schärferen Regel. Die ist bereits seit Freitag gültig. Söder orientiert sich in seinem Krisenmanagement offenbar stärker an Österreich als an den anderen deutschen Ländern und arbeitet somit an seinem Image als verantwortungsbewusster Landesvater. Seine Botschaft: Entschiedenes Handeln ohne Zeit zu verlieren, ist das Gebot der Stunde.

Söders Agieren im Kampf gegen das Virus und seine mediale Omnipräsenz kommen - gewollt oder nicht - einer Bewerbung um höhere Ämter gleich. Im CDU-internen Machtkampf wird der CSU-Chef gleichwohl neben Armin Laschet und Friedrich Merz längst als Anwärter für die Kanzlerkandidatur gehandelt. Dass Söder einschlägige Ambitionen bislang von sich wies, ist irrelevant. Gerade Krisenzeiten bieten für politisches Spitzenpersonal die Möglichkeit, sich zu profilieren und für höhere Ämter zu empfehlen. Das zeigt der historische Verweis auf die Hamburger Flutkatastrophe von 1962: Der damalige Innensenator der Hansestadt, Helmut Schmidt, zog zwar wegen seines forschen Agierens Kritik auf sich. Doch sein entschiedenes und letztlich erfolgreiches Katastrophenmanagement begründete seinen Ruf als Macher, der ihn später auch ins Kanzleramt hob.

Für den Machtpolitiker Söder wird entscheidend sein, ob der Ruf nach ihm als Kanzlerkandidat auch außerhalb Bayerns stärker wird. Ob er sich den Rufen dann noch immer wird verweigern können, ist fraglich. Sein Ego jedenfalls wäre groß genug.

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