20.09.2018 - 20:16 Uhr

Die SPD blickt in den Abgrund

Die Beförderung von Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen sorgt in der SPD für neuen Sprengstoff. Die Partei ist dabei, sich selbst zu zerlegen, findet Frank Werner.

Kommentar von Frank Werner
Andrea Nahles, SPD-Parteivorsitzende (links), und Natascha Kohnen, SPD-Landesvorsitzende in Bayern, verlassen die Pressekonferenz im Maximilianeum in München. Bild: Matthias Balk/dpa
Andrea Nahles, SPD-Parteivorsitzende (links), und Natascha Kohnen, SPD-Landesvorsitzende in Bayern, verlassen die Pressekonferenz im Maximilianeum in München.

Ab Montag steht der Regensburger Oberbürgermeister Joachim Wolbergs vor Gericht. Er galt als einer der Hoffnungsträger der SPD im Freistaat. Der Auftakt des Marathonprozesses spielt bei der Sozialdemokraten derzeit eine eher untergeordnete Rolle. Die Partei hat ganz andere Probleme. Sie ist im Begriff, sich selbst zu zerfleischen.

Am Montag wird weniger in den Gerichtssaal nach Regensburg geschaut als nach Berlin. Dort berät erst der Vorstand und dann die Fraktion, wie der von Parteichefin Andrea Nahles mit abgesegnete Aufstieg von Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen, zum Staatssekretär noch verhindert werden kann. Der Unmut über die Personalie ist so groß, dass es auch für Nahles eng werden kann.

Die Genossen in Bayern sehen ohnehin alle Felle davonschwimmen. Natascha Kohnen versucht sich als Speerspitze der Kritiker des Maaßen-Deals zu positionieren, geht sogar auf Konfrontation mit der eigenen Parteichefin. Das ist Harakiri. Diese Schlacht der SPD-Frauen kennt nur einen Verlierer - die Sozialdemokraten selbst.

Es ist nur noch die Angst vor der AfD, die diese Große Koalition zusammenhält. Das vorhersehbare Debakel für die CSU und die SPD am 14. Oktober wird die Diskussionen um das Aus der Polit-Partnerschaft der einst so großen Parteien massiv beschleunigen.

Zwischen 1998 und 2017 haben die Sozialdemokraten zehn Millionen Wähler verloren - eine unglaublich Menge. Die Union hat in dieser Zeit zwei Millionen Wähler eingebüßt, fast schon lächerlich wenig. Und dass es die Bayern-SPD nicht schafft, auch nur ein bisschen von der Krise der CSU zu profitieren, ist ja schon fast tragisch. Die SPD pulverisiert sich gerade selbst.

 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.