Abensberg
05.09.2022 - 16:58 Uhr

SPD, Grüne und FDP verspotten Markus Söder auf dem Gillamoos

Nach zwei Jahren Corona-Pause trifft sich die Polit-Prominenz wieder zum Schlagabtausch auf dem Gillamoos-Volksfest. Die Choreographie ist die gleiche wie früher, doch die Vorzeichen haben sich geändert: In Berlin regiert jetzt die Ampel.

Na dann Prost! Kevin Kühnert, Generalsekretär der SPD, nimmt als Redner am Politischen Frühschoppen seiner Partei auf dem Volksfest Gillamoos teil. Bild: Peter Kneffel
Na dann Prost! Kevin Kühnert, Generalsekretär der SPD, nimmt als Redner am Politischen Frühschoppen seiner Partei auf dem Volksfest Gillamoos teil.

Als einzige kommen die Redner der SPD beim traditionellen Politischen Gillamoos-Montag in Abensberg ohne Blasmusik um die Ecke. Während natürlich CSU-Chef Markus Söder mit großem Dschingdarassabumm über den Volksfestplatz zieht und sogar der eher volksmusikferne FDP-Landeschef Martin Hagen ein paar Blechbläser zur Seite hat, sind die Sozis einfach auf einmal da. Dafür werden Bundesgeneralsekretär Kevin Kühnert und Landeschef Florian von Brunn später im Festzelt die lautesten Töne spucken. Es geht den Repräsentanten der Kanzler-Partei darum, auch in Bayern die Deutungshoheit über die Politik der SPD-geführten Ampel zurückzugewinnen.

So spannt von Brunn einen gewaltigen historischen Bogen. "Olaf Scholz ist nach Konrad Adenauer der Bundeskanzler, der sein Amt in so schweren Zeiten angetreten hat", sagt er. Scholz liefere, die Ampel sei erfolgreich. Von Brunn verweist auf die inzwischen gut gefüllten Gasspeicher und die drei Entlastungspakete der Regierung. Gemeinsam arbeite die Ampel an Lösungen, "während andere Parteipolitik über das Gemeinwohl stellen". Er meint damit ausdrücklich Markus Söder. Dessen ständige Profilierungsversuche seien in der jetzigen Zeit "grundfalsch". Dass Söder lieber Volksfeste eröffne als an Landtagssitzungen teilzunehmen - nur bei drei von 21 sei Söder da gewesen - sei "Arbeitsverweigerung in einer historischen Krise".

Kühnert: CSU widerspricht sich

Damit ist der Ton für Kühnert gesetzt. Söder wie der gesamten Union fehle die Standhaftigkeit, diagnostiziert er. In ihrem oppositionellen Selbstfindungsprozess verhedderten sie sich laufend in Widersprüche. Erst stelle man sich in die Talkshows, um einen Gasboykott gegen den Kriegstreiber Russland zu fordern, um zwei Monate später die leeren Gasspeicher zu beklagen. Oder man agitiere gegen den höheren Mindestlohn, um nun die Anhebung des Wohngeldes für Geringverdiener auch noch als unwürdig zu diskreditieren. "Das ist so viel Widerspruch, da muss man schon von der CSU sein, um das aushalten zu können, ohne blöd zu werden", ereifert sich Kühnert. Mit ihrer Kritik am neuen Entlastungspaket für Bürger und Mittelstand stehe die Union in der Gerechtigkeitsfrage "auf der falschen Seite". Die SPD mache dagegen "die soziale Politik, für die wir vor einem Jahr gewählt worden sind".

Mia san Mia statt Mimimi

Ein Zelt weiter, beim Grünen Ampel-Partner, ist Fraktionschef Ludwig Hartmann im Angriffsmodus. "Wegducken, Verantwortung abschieben, auf andere schimpfen - das ist Söders Politikstil", poltert er. Dagegen versuche die Berliner Ampel die Versäumnisse der Staatsregierung zum Beispiel bei der Energiewende auszubügeln. Als Gast aus Berlin erinnert Toni Hofreiter an das "unglaubliche Desaster" in der Energie- und Verkehrspolitik, das die Ampel geerbt habe. Deren Vertreter sollten nun die Größe haben, auch mal einzugestehen, dass man Fehler gemacht habe. Das gelte besonders für die CSU, betont Hofreiter. Stattdessen gebe es nur Genörgel an dem, was die Ampel in einer schwierigen Zeit schon geschafft habe.

Abseits der großen Gillamoos-Bühnen hält Martin Hagen vor überschaubarer Kulisse das liberale Fähnchen der Ampel hoch. Er ärgert sich über das ständige Gejammere Söders über die angebliche Benachteiligung Bayerns durch die Bundesregierung. "Ich wünsche mir wieder mehr Mia san mia und weniger Mimimi", lässt er Söder wissen, zumal dessen Vorwürfe mit Fakten nicht zu belegen seien. Und auch Hagen thematisiert Söders mäßige Präsenz im Landtag, während er praktisch kein Volksfest auslasse. "Gut so", spottet Hagen, "im Bierzelt kann er deutlich weniger Schaden anrichten als auf der Regierungsbank im Maximilianeum."

 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.