Die Staatsregierung schätzt die aktuelle Corona-Lage in Bayern als "zunehmend besorgniserregend" ein. Das sagte Staatskanzleiminister Florian Herrmann (CSU) nach einer Sitzung des Ministerrats in München. Mit Blick auf die weiter steigende Zahl an Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen gebe es die "Gefahr einer Überlastung der Krankenhausstrukturen". Nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit waren am Montag 352 Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt, 91 oder 34,9 Prozent mehr als in der Vorwoche. Der Warnwert von 600, ab dem wieder Einschränkungen im täglichen Leben greifen, rückt damit näher. Die Entwicklung verdiene laut Herrmann "höchste Aufmerksamkeit".
Welche Maßnahmen konkret zur Eindämmung des Infektionsgeschehens ergriffen werden sollen, ließ Herrmann offen. Er sprach von regional abgestuften Maßnahmen sowie mehr Kontrollen zur Einhaltung der 3G-Regel. "Keiner will ein neuen Lockdown, auch nicht für Ungeimpfte", sagte er. Ausgangsbeschränkungen nur für Ungeimpfte wären schwer zu kontrollieren. Es dürfe andererseits aber auch keine Benachteiligung für Geimpfte geben, da diese ihren Beitrag zur Eindämmung der Pandemie geleistet hätten. Nötig sei ein "schlüssiges Gesamtkonzept" auf der Basis einer bundesgesetzlichen Regelung.
Gegen Aufhebung der epidemischen Lage
Herrmann sprach sich in diesem Zusammenhang gegen die Aufhebung der "epidemischen Lage" am 26. November aus. Die aktuelle Entwicklung spreche dem entgegen. "Man kann auch nicht bei einer Schneekatastrophe am zweiten Tag das Schaufeln aufhören, obwohl es weiter schneit", zog Herrmann einen Vergleich. Zur neu aufgeflammten Debatte um eine Maskenpflicht im Schulunterricht sagte Herrmann, man wolle die Entwicklung bis nach den Herbstferien abwarten. Ein mögliches Szenario wäre aber, wie schon nach den Sommerferien zumindest die ersten Tage nach Schulstart wieder mit Maskenpflicht zu beginnen.
Den entscheidenden Beitrag zur Entspannung der Lage sah Herrmann in einer höheren Impfquote. "Es gibt einen Zusammenhang zwischen niedriger Impfquote und hoher Inzidenz", erklärte er mit Blick auf die Hochinzidenzregionen im Südosten Bayerns. Ganz oben steht der Landkreis Mühldorf mit einer Inzidenz von 593,2. Nach Angaben von Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) ist es beim Impfen "leider zäh geworden". Zur Pandemiebekämpfung sei Impfen aber "wie ein Elfmeter aufs leere Tor". Er wiederholte zudem seine Empfehlung an ältere und gesundheitlich vorbelastete Menschen, eine Auffrischungsimpfung vorzunehmen.
Impfung aus Respekt vor Pflegekräften
Um die landesweite Versorgung mit Intensivbetten sicherzustellen, reaktivierte Holetschek die ärztlichen Koordinatoren in den Rettungsleitstellen. Ein Problem sei, dass die Zahl der belegbaren Intensivbetten im Vergleich zum Vorjahr um rund 20 Prozent gesunken sei, weil das Pflegepersonal fehle. Viele Mitarbeiter in der Intensivpflege hätten den Job wegen der hohen Belastung aufgegeben. Aktuell hätten die Intensivpfleger Schwierigkeiten, Verständnis dafür aufzubringen, dass sie fast ausschließlich ungeimpfte Corona-Patienten betreuen müssten. "Da sagt man sich schon, der Patient wäre jetzt nicht da, wenn er geimpft wäre", berichtete Holetschek. Nicht zuletzt aus Respekt vor den Pflegekräften sollte sich deshalb jeder überlegen, ob er sich nicht doch impfen lasse.















Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.