17.05.2018 - 22:06 Uhr
Deutschland & Welt

Bierstreit endet mit Niederlage für Brauer: "Süffig" statt "bekömmlich"

Im Mittelalter galt es selbst für Kinder als zuträglich - heute ist es anders: Bier darf nach einem BGH-Urteil nicht als "bekömmlich" vermarktet werden. Das stößt nicht nur Brauern auf.

Brauer Gottfried Härle bleibt dabei: Sein Bier ist bekömmlich. Werben darf er mit dem Begriff nach dem BGH Urteil aber nicht mehr. Bild: Uli Deck/dpa
von Agentur DPAProfil

Karlsruhe/Leutkirch. Schlussstrich im jahrelangen Bierstreit: Brauer dürfen nicht mit "bekömmlichem" Bier werben, entschied in letzter Instanz der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe. Der Begriff "bekömmlich" sei eine gesundheitsbezogene Angabe, die nach EU-Recht bei alkoholischen Getränken über 1,2 Prozent weder auf dem Etikett noch in der Werbung benutzt werden darf, urteilte am Donnerstag der BGH (AZ.: I ZR 252/16).

Damit siegte ein Berliner Wettbewerbsverein über eine kleine Brauerei aus Leutkirch (Kreis Ravensburg), die drei Biere mit einem Alkoholgehalt zwischen 2,9 und 5,1 Prozent so beworben hatte.

Brauereichef Gottfried Härle reagierte enttäuscht: "Damit geht ein selbstverständlicher und traditioneller Begriff für die Beschreibung deutscher Biere verloren. Nicht nur wir sind davon betroffen, sondern die ganze deutsche Brauwirtschaft." Künftig muss er sein Bier mit "geschmackvoll" oder "süffig" beschreiben. Der Verband Sozialer Wettbewerb (VSW) aus Berlin hatte 2015 eine einstweilige Verfügung gegen die Allgäuer Familienbrauerei erwirkt und die Werbung mit dem Begriff untersagt. Härle, hatte das Wort daraufhin auf den Etiketten von rund 30 000 Bierflaschen von Hand streichen lassen - und sich zugleich durch drei Instanzen geklagt. "Schon mein Urgroßvater hat seine Biere als bekömmlich bezeichnet", argumentierte er. "Bier in Maßen genossen, ist durchaus bekömmlich."

Laut BGH liegt aber eine "gesundheitsbezogene Angabe" vor, wenn damit eine Verbesserung der Gesundheit versprochen und suggeriert werde, der Verzehr des Lebensmittels habe keine schädlichen Auswirkungen. Nach Feststellung des Berufungsgerichts werde "bekömmlich" mit "gesund", "zuträglich" und "leicht verdaulich" verbunden.

Der BGH hatte im Januar 2011 in einer EuGH-Vorlage zum "Gurktaler Kräuterlikör" den Begriff "bekömmlich" für zulässig gehalten und sich nur an "wohltuend" gestoßen. Ein Urteil zum Pfälzer Weintor des Europäischen Gerichtshofs verbot hingegen Pfälzer Winzern 2012, für "bekömmlichen" Wein unter Hinweis auf den geringen Säuregehalt zu werben. Dies sei eine gesundheitsbezogene Angabe, die die Gefahren beim Trinken von Alkohol verschweige.

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