06.09.2018 - 11:54 Uhr
Sulzbach-RosenbergDeutschland & Welt

Lesung mit Oliver Bottini: "Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens"

Kaum erschienen, erhält Oliver Bottinis Kriminalroman "Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens" schon den deutschen Krimipreis 2018. Der Schriftsteller ist demnächst zu Gast im Literaturhaus Oberpfalz.

Der Autor Oliver Bottini hat für seinen neuen Krimi „Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens“ bereits zwei Preise erhalten. Am Dienstag, 18. September, präsentiert er das Buch in Sulzbach-Rosenberg.
von Anke SchäferProfil

Literaturkritiker Thomas Wörtche begrüßt am Dienstag, 18. September (19.30 Uhr), den Schriftsteller zur Krimi-Lesung im Literaturhaus Oberpfalz in Sulzbach-Rosenberg. Auf der Sonnenseite des Lebens stehen sie nicht, die Figuren in Bottinis neuem Werk, das inzwischen auch mit dem Politkrimipreis der Heinrich-Böll-Stiftung Baden-Württemberg ausgezeichnet wurde. Umso eindringlicher entfaltet sich die zwischen Rumänien und Mecklenburg-Vorpommern pendelnde Geschichte, die Fakten und Folgen der gewissenlosen Globalisierung der Landwirtschaft ins Licht der Öffentlichkeit rückt. Der Kulturredaktion hat der in Nürnberg geborene, mittlerweile in Frankfurt lebende Schriftsteller mehr dazu erzählt:

ONETZ: Wie haben Sie das Literarische Colloquium Berlin und die Robert-Bosch-Stiftung überzeugt, Ihre Recherche vor Ort in Rumänien mit einem "Grenzgänger-Stipendium" zu unterstützen?

Oliver Bottini: Auf dem üblichen Weg – ich habe einen Antrag geschrieben und das Projekt skizziert. Das klingt jetzt ein bisschen nüchtern ... Das Stipendium war natürlich schon sehr wichtig, so konnte ich die Recherchereise nach Rumänien finanzieren.

ONETZ: Wie sind Sie auf das Thema des internationalen Geschacheres um Land und Boden gestoßen?

Oliver Bottini: Ich habe vor Jahren davon in der Zeitung gelesen, da ging es um die Investments von Staaten und Agrarkonzernen in Afrika, vor allem Äthiopien. Schon damals fand ich das in der Summe hochproblematisch – denn natürlich profitieren in erster Linie die davon, die ohnehin schon gut leben, nicht aber die lokale Bevölkerung und die Kleinbauern. Es ist immer dasselbe Elend, wenn Regierungen nicht zum Wohle ihrer Bürger handeln, sondern im Eigeninteresse. Das ist in Rumänien nicht viel anders.

ONETZ: Angesichts dessen, was Sie in diesem Zusammenhang erlebt und in Erfahrung gebracht haben - überwiegt Wut oder Verzweiflung?

Oliver Bottini: Eher Fassungslosigkeit und Ratlosigkeit. Denn leider handeln Regierungen und Konzerne selten nach Vernunft, Fairness, Augenmaß. Allein der Gewinn zählt ja. Was mit den Einwohnern passiert, wenn Zehn- oder gar Hunderttausende Hektar besten Agrarlandes ausländischen Konzernen gehören, die sich nicht um ihr Wohl scheren, interessiert eben niemanden. Aber es sind nicht nur die "bösen" Konzerne – die EU beispielsweise schließt Freihandelsverträge mit afrikanischen Ländern, die die dortigen Märkte gnadenlos kaputt machen. Da muss sich keiner wundern, dass sich die Menschen auf der Suche nach Arbeit auf den Weg machen.

ONETZ: Sehen Sie das beliebte Genre "Krimi" auch als effektive Möglichkeit eine breitere Öffentlichkeit für solch verborgene Missstände zu sensibilisieren?

Oliver Bottini: Ja, unbedingt. Das ist unter anderem das Schöne am Genre – man kann unterhaltsam informieren.

ONETZ: Am Romanende bleiben nur Verlierer - wie sehr gehen Ihnen diese Schicksale selbst an die Nieren?

Oliver Bottini: Nur Verlierer? So sehe ich das überhaupt nicht. Bei vielen Figuren zeigt sich am Horizont Hoffnung, nehmen wir nur Ioan Cozma oder Maik Winter. Das alte Leben ist vorbei, aber ein neues deutet sich an. Vergangene Beziehungen sind wieder aktuell, neue im Entstehen begriffen. Mir gehen die einzelnen Schicksale meiner Figuren tatsächlich an die Nieren, auch ihre Vergangenheiten, ihr erlittenes Leid. Deshalb sorge ich, wo es möglich ist, dafür, dass am Ende des Tunnels ein Licht aufscheint.

ONETZ: Dominieren Krimis eigentlich auch Ihre private Unterhaltung oder haben Sie da andere Vorlieben?

Oliver Bottini: Ich lese sehr gemischt und eher weniger Krimis – gerade da habe ich aufgrund meines Berufs einfach zu spezielle Erwartungen. Im Moment lese ich den "Ernährungskompass" von Bas Kast, ist auch sehr spannend (lacht).

ONETZ: Ihre Lesung im Literaturhaus Oberpfalz wird moderiert von Literaturkritiker und Krimi-Kolumnist Thomas Wörtche - eine Premiere oder bewährte Zusammenarbeit?

Oliver Bottini: Ich glaube, es ist nach Berlin im Juli dieses Jahres erst meine zweite Lesung, die Thomas moderiert. Aber wir kennen uns schon lange, und ich schätze ihn sehr. Er verfügt über ein immenses literarisches Wissen, nicht nur, was Kriminalromane betrifft, und hat speziell für den Krimi und seine Akzeptanz in Deutschland unendlich viel getan.

ONETZ: Warum sollten die Oberpfälzer Literatur- und Krimifans diese Lesung auf keinen Fall verpassen?

Oliver Bottini: Thomas Wörtche live zu erleben, ist immer ein Ereignis.

Eine Reservierung von Tickets für die Lesung ist unter Telefon 09661/8159590 oder per E-Mail an info[at]literaturarchiv[dot]de möglich. Der Roman "Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens" ist im Dumont Buchverlag erschienen und kostet 22 Euro, als E-Book 17,99 Euro.

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