31.01.2020 - 14:29 Uhr
Sulzbach-RosenbergDeutschland & Welt

Nach umstrittenen Abschiebe-Versuch: Gute Nachrichten für Guliyevs

2020 hat für die von Abschiebung bedrohte Familie Guliyev aus Sulzbach-Rosenberg positiv begonnen. Am 6. Januar kam das vierte Kind, Töchterchen Viktoria, zur Welt. Und dann gab es auch noch Post von der bayerische Härtefallkommission.

Bei Familie Guliyev ist die Freude über den Familienzuwachs groß: Die Eltern Jafar und Elnara sowie ihre Söhne Cavanshir (rechts), Elnur (Mitte) und das zweijährige Töchterchen Veronika-Christiane sind ganz vernarrt in die am 6. Januar geborene Viktoria. Bild: Wolfgang Steinbacher
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Die Freude bei der aserbaidschanischen Familie Guliyev und den Betreuern, die Elnara Guliyeva (33), ihren Mann Jafar (36) und die Kinder Cavanshir (13) Elnur (11) und Veronika-Christiane (2) durch das Asylverfahren begleitet haben, ist unbeschreiblich. Elisabeth Schwemmer von der Imedana-Beratungsstelle für asylsuchende Frauen in Nürnberg ist eine der Betreuerinnen.

Wie sie erklärt, hat die bayerische Härtefallkommission, die erst prüft, wenn alle rechtlichen Wege ausgeschlossen sind, den Fall der Guliyevs am Dienstag vergangener Woche kurzfristig auf die Agenda gesetzt. Ein Tag später dann das Ergebnis: eine endgültige Entscheidung wird vertagt auf Februar 2021. Bis dahin bestehe Abschiebeschutz. "Das ist rechtlich bindend für die Zentrale Ausländerbehörde", so Elisabeth Schwemmer.

Amberg

Mitte November hatten die Behörden einen nächtlichen Abschiebeversuch unternommen, der für einige Kritik gesorgt hatte. Die Schilderungen zu jener Nacht gehen allerdings auseinander. Nun freuen sich die Unterstützer der Familie über die Perspektive, die die Guliyevs jetzt haben: "Das ist mega", sagt Schwemmer, setzt aber hinzu, dass sie nichts anderes erwartet habe.

Nicht unübliches Vorgehen

Entscheidungen der bayerischen Härtefallkommission dauern mitunter ein halbes Jahr bis ein Jahr. Dass jetzt eine vorläufige Entscheidung getroffen wurde, ist laut Schwemmer nicht unüblich. "Das passiert öfters", weiß Schwemmer. Froh ist sie, dass die Familie jetzt einen Aufenthaltstitel für ein Jahr hat (am Donnerstag ausgestellt für drei Monate, der aber dann verlängert wird) - und damit bevor der Mutterschutz von Elnara Guliyeva, die am 6. Januar entbunden hat, endet. "Sonst wäre die Familie ja wieder in heller Aufregung gewesen."

Regensburg

Ein Jahr lang haben die Guliyevs Zeit, ihre Integrationsleistung zu beweisen. "Es geht darum, dass die Härtefallkommission sagt: Dies und das wollen wir noch sehen." Wichtig sei jetzt, dass Familienvater Jafar wieder eine Arbeit findet. Sollte er eine Stelle in Aussicht haben, werde er eine Arbeitserlaubnis beantragen. Überglücklich über die positive Nachricht ist auch Christiane Rankl, eine große Unterstützerin der Guliyevs. "Ich habe geweint vor Freude", gesteht die Sulzbach-Rosenbergerin. Sie sei total berührt, könne "im Ansatz nachvollziehen, wie's der Familie geht."

Ein freudiges Ereignis zu Jahresbeginn war die Geburt von Töchterchen Viktoria, dem vierten Kind der Guliyevs. Wenige Tage nach der vorläufigen Entscheidung der Härtefallkommission sind Elnara Guliyeva und ihr Mann vor allem eines: dankbar. Am 21. Januar erfuhr sie, dass ihr Fall am nächsten Tag behandelt würde. "Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen", erinnert sie sich. Am 22. Januar mussten sie und ihr Mann wegen Passangelegenheiten nach Berlin. Den ganzen Vormittag über bangten die Eheleute. Um 14 Uhr erfuhren die Guliyevs dann vom vorläufigen Bleiberecht. "Wir waren so glücklich", sagt die 33-Jährige. "Ich habe es zuerst gar nicht glauben können."

"Tausendmal Dankeschön"

Sehr, sehr dankbar ist die vierfache Mutter allen Menschen, die sie während des Asylverfahrens unterstützten und ihnen im Kampf um ein Bleiberecht zur Seite standen. Jenen, die für die Familie eine Petition unterzeichneten. Jenen, die Briefe an die bayerische Härtefallkommission schrieben, darunter Mitschüler der Söhne. Jenen, die der Familie die Daumen drückten. "Ihnen allen sagen wir tausendmal Dankeschön", sagt Elnara Guliyeva.

Von all dem kriegt die kleine Viktoria noch nichts mit: Das Neugeborene schläft tief und fest im Babybett nebenan. "Viktoria", wiederholt Elnara Guliyeva andächtig den Vornamen ihrer jüngsten Tochter und hofft, er möge ein Zeichen für den Kampf um ein dauerhaftes Bleiberecht sein. Übersetzt heißt er: die Siegerin.

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