04.12.2019 - 18:03 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Teichwirte in einer "existenziellen" Krise

Bei einer Anhörung von Experten im Landtag machen die Teichwirte ihrem Ärger Luft: Kormoran, Reiher und Fischotter sorgen für Verluste von bis zu 80 Prozent. Auch Experten aus der Oberpfalz schlagen Alarm.

Abfischen an einem Fischweiher im Kreis Schwandorf. Die Teichwirte beklagen eine aus ihrer Sicht mangelnde Unterstützung durch die Politik.
von Jürgen UmlauftProfil

Die bayerischen Teichwirte fordern von der Politik deutlich mehr Unterstützung beim Schutz ihrer Fischbestände gegen Fressfeinde wie Kormorane, Reiher und Fischotter sowie gegen die Zerstörung ihrer Teichanlagen durch Biber. "Wir müssen diese dringlichen Probleme zeitnah lösen", mahnte der Karpfenzüchter Thomas Beer aus Mitterteich (Kreis Tirschenreuth) bei einer Expertenanhörung im Landtag. Durch die Fraß- und Bauschäden verlören die Züchter "völlig die Planungssicherheit" und hätten erhebliche finanzielle Einbußen zu erleiden. Hans Klupp, Vorsitzender des Fischerzeugerrings Oberpfalz, sprach gar von einer "existenziellen Krise".

In Bayern gibt es derzeit noch rund 8000 Fischzuchtbetriebe, die zumeist im Nebenerwerb in insgesamt 40 000 Teichen Fische züchten und groß ziehen. Nach Angaben Klupps betragen die Fischverluste durch Fressfeinde jedes Jahr zwischen 50 und 80 Prozent. Beer betonte, dass die Fischzucht dank hoher Nachfrage eigentlich ein auskömmliches Gewerbe sein könnte: "Fische zu verkaufen, ist heute kein Problem, Fische zu halten dagegen schon", schilderte er die Lage. Der Vizepräsident des Berufsfischerverbandes, Günter Gabsteiger, warnte vor einem schleichenden Verschwinden der Teiche: "Wer nichts mehr verdient, hat keine Lust mehr, einen Teich zu bewirtschaften."

Nach einhelliger Meinung der Experten benötigen die Teichwirte auf drei Feldern mehr Unterstützung: bei der Förderung ihrer Leistungen für den Natur- und Artenschutz sowie dem Bau technischer Schutzmaßnahmen und bei der Abwehr der Fressfeinde. "Wir brauchen eine Förderung, die die Umweltdienstleistungen der Teichwirte einigermaßen fair honoriert", sagte Klupp. Der ökologische Wert der Uferstreifen mit einer hohen Artenvielfalt werde derzeit nicht ausreichend gewürdigt. Zudem müsse das Prädatoren-Management, also der Umgang mit Fressfeinden, professionalisiert werden. Dies betreffe die Fachberatung der Teichwirte genauso wie die effiziente Bestandsregelung durch Vergrämung oder Abschuss.

Nach Angaben des Umweltministeriums wurden 2018 bayernweit 1900 Biber aus der Natur "entnommen" und 7200 Kormorane sowie mehr als 6000 Reiher geschossen. Mehr sei rechtlich und vom Jagdaufwand her kaum möglich. Beim Fischotter wird laut Agrarministerium die Fallenjagd demnächst unter anderem in den Kreisen Tirschenreuth und Schwandorf in jenen Fällen erlaubt, in denen sich Teiche technisch nicht vor Beutezügen schützen lassen. Es gehe auch hier um Bestandsregulierung und Schadensminimierung, nicht um die Ausrottung der Arten. Beim Ausgleich der Interessen von Artenschutz und Teichwirtschaft sei der Landkreis Tirschenreuth bayernweit vorbildlich.

Einig waren sich die Experten, dass die Bejagung der Fressfeinde die Fischverluste in den Teichen deutlich reduzieren kann. Andreas von Lindeiner vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) warnte aber vor Pauschallösungen. Es habe sich gezeigt, dass eine gezielte und koordinierte Bejagung, die an die örtlichen Verhältnisse angepasst sei, trotz niedrigerer Abschusszahlen effektiver sei. LBV-Präsident Norbert Schäffer erklärte, sein Verband habe den "ernsten Willen" zur Lösung der Probleme der Teichwirte. Dies müsse aber unter Wahrung des Artenschutzes geschehen. "Wir sind bereit, bei der Entnahme von Tieren pragmatisch bis an die Schmerzgrenze zu gehen", sagte er zu.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.