19.11.2021 - 10:39 Uhr
Deutschland & Welt

Der Teufel in der Oberpfalz: Übertölpelter Höllenfürst

Nicht nur als Gegenspieler zu Gott spielt der Teufel als Herrscher über die Hölle eine besondere Rolle in der Oberpfalz. Er gilt hier als Erfinder des Kartenspiels, der Wirtshäuser und lässt sich auch mal ordentlich reinlegen.

Die Teufel tanzen während der Teufelsparade für das jährliche "La Diablada"-Festival in Pillaro in Ecuador.
von Lucia Brunner Kontakt Profil

Von Wolfgang Ruppert und Lucia Brunner

Wenn in der Oberpfalz jemand in die Hölle kommt, wird das erstmal ordentlich gefeiert. Franz Xaver von Schönwerth beschreibt in seinem dritten Band der "Sitten und Sagen aus der Oberpfalz" genau, wie das Pendant zum Himmel aussehen soll. "Zur Hölle geht ein schöner, üppiger, von Bäumen beschatteter Weg abwärts. Viele Stellen auf der Erde führen hin, besonders in Wäldern, die mit dichtem Baumgestrüppe besetzten Felsenklüfte (...). Sie deckt ein großer Stein."

Tatsächlich gibt es in der Oberpfalz viele Orte, wo sagenumwobene Teufelssteine zu finden sind. Es gibt sie etwa bei Erbendorf (Landkreis Tirschenreuth) oder auch bei Hahnbach (Landkreis Amberg-Sulzbach). Die Steine und Felsen weisen meist besondere geologische Formen auf wie Schüsseln, Schalen, Rinnen und Höhlungen. Dort heißt es, soll sich die Pforte zur Hölle befunden haben oder Spuren des Teufels zu finden sein. Schönwerth beschreibt, wenn ein neuer Gast zum Eingang der Hölle kommt, finde zunächst ein großer Tanz auf der Wiese davor statt. In einem Wirtshaus wird dann gemeinsam mit dem Teufel gezecht und getrunken.

Qualen der Hölle

Doch in der Hölle selbst ist der Spaß für die Verstorbenen dann vorbei. Diese ist in drei verschiedene Bereiche untergliedert. "Vor den beyden ersten Thoren steht ein Teufel als Pförtner Wache, um den Ankommenden den Eingang zu öffnen. Zu dem dritten, grösseren Raume führt ein offenes, das dritte Thor, vor welchem der Höllenbube sitzt, der die Pflicht hat, die Hölle zu heizen." Im ersten Abteil sehen die Verdammten, wie die Folterwerkzeuge vorbereitet werden. In Raum zwei können sie beobachten, wie die anderen Toten malträtiert werden. Doch erst im dritten Raum geht es mit den Qualen los: "Da werden sie von den Teufeln in Oel gesotten und dann mit kaltem Wasser abgekühlt." Während die Teufel foltern, trinken sie Wein, sind fröhlich und unterhalten sich mit Karten- und Kegelspiel.

Luzifer, Diabolos, Satan, Beelzebub, Mephistopheles sind nur einige Bezeichnungen für den Teufel, die sich über die Jahrtausende hinweg etabliert haben. In der Oberpfalz heißt er auch der Böse, Guzigagl, Hollabirbou oder Drack. Wer ihn so nennt, müsse damit rechnen, dass der Teufel bald Macht über ihn hat. Der Teufel hat laut dem Kulturwissenschaftler Leander Petzold bereits in der altpersischen Religion eine Rolle gespielt. Die Figur wurde dann von dem Judentum und anderen Religionen übernommen und mit neuen Eigenschaften versehen. Stets soll auf diese Weise ein Gleichgewicht zwischen Gut und Böse hergestellt werden.

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Gefallener Engel im Christentum

Im Christentum ist der Teufel der gefallene Engel Luzifer, der im Himmel einen Krieg anzettelte und vom Erzengel Michael in die Hölle verbannt wurde. Im Buch Hiob bekommt der Teufel sogar die Erlaubnis Gottes, Menschen zu sündhaftem Verhalten zu verführen. Im Mittelalter nahm der Teufelsglaube verstärkt zu. Der sogenannte Pakt mit dem Teufel wurde gar mit dem Tode bestraft, etwa bei den Hexenprozessen.

Im Laufe der Zeit bekommt der Teufel immer mehr menschliche Züge in Sagen und Legenden. Er kann auch seine Gestalt verändern. Häufig taucht er in der Figur des Fuhrmanns, Kaminkehrers, Verführers oder Jägers auf. Meist lässt er sich aber an seinen Bocks- oder Pferdehufen erkennen, die er schlecht verstecken könne. Zudem soll er unangenehm nach Ziege oder Schwefel riechen. Manchmal sieht man auch zwei Hörner auf seinen Kopf, die er aber versucht, unter einem Hut zu verbergen. Aber er kann auch die Gestalt von Tieren wie schwarze Pudel, schwarze Hennen, Raben oder Dohlen annehmen.

Der Teufel ist in der Oberpfalz zudem Erfinder des Kartenspiels. Nach Schönwerth hat er es erfunden, da die Bibel immer Menschen zum Christentum bekehrte. Er habe den Menschen gezeigt, wie man gewinnen kann und sogar selbst mit ihnen gespielt. Zusätzlich habe er die Wirtshäuser erschaffen, damit die Familienväter am Abend nicht mehr bei ihren Familien zu Hause sitzen und beten, sondern dort Haus und Hof verspielen.

Geprellter Teufel

Doch nicht immer kommt der Teufel als das reine Böse daher. In vielen Sagen ist er auch ein geprellter Höllenfürst. Oft gibt es einen Kräftevergleich zwischen Mensch und Teufel oder der Teufel ist der Verlierer, da er sich täuschen lässt. So gibt es oft einen Pakt mit dem Teufel, wo dieser von seinem Vertragspartner reingelegt wird. Das ist auch der Fall in einer Sage aus Ebnath mit dem Titel "Der Schmied und der Teufel". Hier geht es um einen Schmied, der von einem Gesellen Hilfe bekam, damit sein Geschäft florierte. Als dieser gehen wollte, hatte der Schmied drei Wünsche frei. Da Bauern dem Schmied ständig Nägel aus seinem Säckchen klauten, wollte er, wenn dort jemand hineinfasst, dass jener seine Hand nicht mehr rausbekommt. "Dann weißt du, daß die Bauern immer an meinen Kühlstein hinanpissen. Ich will, daß jeder, der sich hinstellt, nicht mehr weg kann, sondern stehen bleiben muss." Zusätzlich bedienten sich Diebe an den Früchten des Apfelbaums im Garten. "Ich will daher, wer auf den Apfelbaum hinaufsteigt, nicht mehr herunter kann."

Der Geselle erfüllte ihm diese Wünsche, als er jedoch gegangen war, brachen die Aufträge und Kunden für den Schmied weg. Als er über eine Lösung für dieses Problem nachdachte, taucht ein kleines grünes Männchen auf. "Wenn du mir in dieses Buch hineinschreibst, was du zu Hause nicht weißt, so gebe ich dir Geld, so viel du brauchst; in sieben Jahren hole ich mein Theil." Der Schmied bekam das Geld und berichtete seiner Frau von seinem Glück. Diese brach in Tränen aus und erzählte, dass sie ein Kind erwarte. Sieben Jahre später forderte der Teufel sein Pfand. Der Schmied aber wollte sein Kind nicht hergeben und wollte selbst mitgehen. Der Teufel ließ ihn gewähren. Der gewiefte Schmied bittet den Teufel, in sein Säckchen zu fassen und ihm Nägel zu holen. Als der Teufel das macht, bringt er seine Hand nicht mehr hinaus. Zusammen mit seinen Gesellen prügelt der Schmied auf den Teufel ein, bis dieser aufgibt und alleine in die Hölle zurückkehrt.

Dort berichtet der Teufel dem Obersten der Teufel, der dann noch zwei weitere seiner Gehilfen auf die Erde schickt, die ein ähnliches Schicksal wie der erste Teufel erleiden sollen. Auch der Höllenfürst selbst muss satte Prügel einstecken, so dass es der Schmied schafft, auf der Erde zu bleiben. Als er letztlich doch irgendwann starb, ließ ihn Petrus nicht die Pforte zum Himmel passieren: "Du hast dich ja dem Teufel verschrieben; du gehörst nicht in den Himmel sondern in die Hölle." Also macht sich der Schmied dort hin, doch dort wird ihm nur die Türe vor der Nase zugeschlagen.

Auch um die Weiße Frau ranken sich in der Oberpfalz zahlreiche Sagen

Nittenau

Hier geht es zu den Sagen um die Drud

Oberpfalz
In der aktuellen Folge von "Es war einmal… in der Oberpfalz" sprechen Lucia Brunner und Wolfi Ruppert über den Teufel und wie die Hölle in der Oberpfalz aussieht.
Hintergrund:

Eigenschaften des Teufels

  • Wer den Teufel bei seinem Namen nennt, muss damit rechnen, dass er Macht über einen gewinnt.
  • In der Oberpfalz heißt der Teufel auch Guzigagl, Drack oder auch Hollabirbou.
  • Er kann in Gestalt eines Jägers, Kaminkehrers, Verführers oder Fuhrmanns erscheinen. Der Teufel kann sich aber auch in Tiere wie Schlangen, Raben, Dohlen, einen schwarzen Pudel oder eine schwarze Henne verwandeln.
  • Er zeigt sich auf Kreuzwegen, dichten Wäldern, Friedhöfen, alten Türmen, Burgruinen oder Felsenhöhlen.
  • In den Oberpfälzer Sagen ist der Teufel nicht per se böse, sondern wird auch oft vom Menschen getäuscht.
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