11.11.2021 - 10:46 Uhr
NittenauOberpfalz

Auf Geisterjagd nach der Weißen Frau

Die Weiße Frau ist ein Geist, der in ganz Europa zu Hause ist. Auch in der Oberpfalz ranken sich zahlreiche Sagen um sie. Das führt selbst Geisterjäger auf ihre Spur.

Die Weiße Frau von heute greift sogar gelegentlich auf eine Sehhilfe zurück. Bei einer Geisterwanderung des Kultur- und Festspielvereins Bärnau schlüpfte Jasmin Knott dieses Jahr in die Rolle der gruseligen Frauengestalt.
von Lucia Brunner Kontakt Profil
In der aktuellen Folge von "Es war einmal… in der Oberpfalz" sprechen Lucia Brunner und Wolfgang Ruppert über Sagen zur Weißen Frau aus der Oberpfalz.

Von Wolfgang Ruppert und Lucia Brunner

Auf der Burg Stockenfels bei Nittenau im Landkreis Schwandorf soll es spuken. Hier gibt es die Geschichte von der schönen Irmingard, die auf der Burg gelebt haben soll. Es heißt, dass ihre Schönheit von Minnesänger besungen wurde und jeder junge Ritter sich mit ihr verloben wollte. Die Freier mussten sich jedoch Mutproben stellen, die sie mit dem Leben bezahlten. So habe Irmingard die Ritter aufgefordert, samt schwerer Rüstung im Fluss Regen zu reiten, als dort Hochwasser war. Zudem mussten die Männer unbewaffnet gegen bewaffnete Knechte kämpfen.

Irmingard soll sich diese grausigen Spektakel angesehen und gar ihre Freier ausgelacht haben, wenn sie für sie starben. Schließlich wurde das Burgfräulein von einer Mutter der Ritter an dessen Sterbebett verflucht. Seither soll sie bei Nacht in der Burg und darum herum die Menschen als "Weiße Frau" heimsuchen. Die Burg Stockenfels ist ein sagenumwobenes Gemäuer. Ihre Erbauung wird im 13. Jahrhundert vermutet, ein genaues Datum ist bis heute nicht bekannt. Seit 1430 wechselten dort regelmäßig die Besitzer, die zum Teil berüchtigte Raubritter waren. Das könnte auch der Grund für den gruseligen Ruf der Burg sein. Auch das Ghosthunterteam Bavaria war schon öfters an der Burg Stockenfels, um Untersuchungen durchzuführen. "Es ist ein mystischer Ort", sagt Teamleiter Daniel Biersack, der aus Nittenau stammt.

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Elektromagnetische Ausschläge

Seit 20 Jahren ist er schon auf der Suche nach Geistern. Er kennt die Sagen, die von der Burg Stockenfels erzählt werden, ist damit aufgewachsen. Bei den Ermittlungen, die er und sein Team durchgeführt haben, habe er schon mehrere ungewöhnliche elektromagnetische Ausschläge erlebt. "Ein Körper ist eine Masse. Eine Seele ist Energie, die nach dem Tod frei wird", sagt Daniel Biersack. Diese Energie werde seiner Meinung nach im Elektromagnetfeld sichtbar, etwa durch Ausschläge. Während ihrer Ermittlungen fragen die Geisterjäger nicht direkt nach Geschöpfen wie der Weißen Frau. "Wir fragen eher allgemein, wie: 'Warum bist du noch hier?' oder 'Warum gehst du nicht ins Licht?'", erklärt Daniel Biersack. Manchmal gebe es darauf auch Antworten. Er berichtet von einer Kinderstimme auf einer Aufnahme, die nachts um 23.30 Uhr entstand. Erst nach den Ermittlungen war das Wort "Pudding" am Tonbandgerät deutlich zu hören. "Das ist nicht normal", meint er.

Mit ihrem Equipment führen die Geisterjäger aus der Oberpfalz in ganz Deutschland Messungen nach Geistern durch. Vor Kurzem waren sie auch in Irland und haben an drei Orten gearbeitet. Rund 6000 Euro kosten die Geräte, mit denen übernatürliche Phänomene aufgespürt werden sollen. Dazu gehören Drohne, Kameras, Tonaufnahmegeräte, Messgeräte für elektromagnetische Felder oder Thermometer, die es auch handelsüblich in Deutschland zu kaufen gibt. Über die USA besorgen sich die Geisterjäger etwa Paraskope, die über Farben elektromagnetische Veränderungen mitteilein oder Spirit-Boxen zur Kommunikation mit Geistern. Ein kostspieliges Hobby, das von einer Faszination für das Thema herrührt.

"Anhalterin aus dem Jenseits"

Die Weiße Frau ist ein gesellschaftliches Sinnbild für die Faszination für Geister. Die Geschichten über sie gibt es in ganz Europa. In modernen Versionen der Sagen taucht die geisterhafte weibliche Gestalt häufig dann auf, wenn Menschen im Auto unterwegs sind. In Folge dessen sollen gar tödliche Verkehrsunfälle geschehen. Bekannt ist die Weiße Frau daher auch als "Anhalterin aus dem Jenseits". Häufig erscheint sie am Straßenrand, bittet vorbeifahrende Menschen im Auto, sie mitzunehmen.

Wer sich weigert, müsse damit rechnen, dass die Frau irgendwann im Rückspiegel aufblitzt oder sogar im Fahrzeug sitzt und die Fahrer so erschreckt, dass sie einen schweren Unfall bauen. Auch diese Geschichten reichen bis in die Oberpfalz. In diesen modernen Erzählungen tritt die Weiße Frau nicht zwangsläufig in weißen Gewändern auf. Unter diese Bezeichnung fallen auch Berichte zu geheimnisvollen Erscheinungen oder dem Verschwinden von Frauen. Damit werden auch bürgerliche Schicksalsschläge verknüpft wie Vergewaltigung, Kindsmord oder andere schwere Verbrechen.

Älteste Quelle von 1220

Dabei hat die Gestalt eine historische Transformation erfahren. Im Unterschied zu den modernen Sagen ist die Weiße Frau in historischen Geschichten oft auf Burgen und in Bezug zu Adelsfamilien zu finden. So wurden auch die Hohenzollern schon seit dem 15. Jahrhundert auf der Plassenburg in Kulmbach von ihr heimgesucht. Die wohl älteste Quelle nennt Volkskundler Leander Petzold in seinem "Lexikon der Dämonen und Elementargeister" aus dem Jahr 1220. Hier schrieb der Zisterziensermönch Caesarius von Heisterbach eine mündliche Überlieferung in seinem Werk "Dialogus miraculorum" auf.

Petzold schreibt, dass es sich bei der zukunftweisenden Ahnfrau, wie die Weiße Frau auch genannt wird, um Frauen handelt, die eines unnatürlichen Todes, also durch Mord oder Selbstmord, gestorben sein sollen. Die Gestalt nimmt in diesen Geschichten die Rolle des Hausgeistes ein, lobt und straft die Menschen. In bäuerlichen Sagen wird die Weiße Frau oft als Schatzhüterin, Schlüsselfrau oder als erlösungsbedürftig dargestellt. In manchen Geschichten ist die Frau aber auch noch zum Teil in Schwarz gekleidet. Das bedeutet wiederum, dass die Frau noch nicht vollständig erlöst ist.

Gemälde, Schauspiel, Augenzeugen

Eine der bekanntesten Sagen in der Oberpfalz spielt auf der Burg Wolfsegg im Landkreis Regensburg. Entstanden ist sie Mitte des 20. Jahrhunderts. In einer Version der Geschichte soll sich die Burgherrin in Abwesenheit ihres Mannes an den Burgherrn in der benachbarten Herrschaft gewandt haben. Sie wollte Unterstützung bei der Verwaltung. Als ihr Mann zurückkehrte, war er jedoch eifersüchtig und ließ die Frau ermorden. Das erste schriftliche Zeugnis von der Weißen Frau auf der Burg Wolfsegg stammt von 1952. Der damalige Burgbesitzer Georg Rauchenberger brachte die Gestalt fantasievoll mit einem Gemälde in Verbindung, das sein Vater gemalt hatte und in der Burg ausgestellt wurde. Das Bild zeigte eine Frau in einem spätmittelalterlichen Kostüm. Im darauffolgenden Jahr gab es ein Schauspiel zur Weißen Frau, das direkt auf der Burg aufgeführt wurde. Die Sage wurde auch mit Augenzeugenberichten von angeblichen Lichterscheinungen in den Räumen der Burg und im Burghof gefüttert.

Überregionale Aufmerksamkeit bekam die Sage durch mediale Verbreitung in den 1960er Jahren. Dabei wurde auch der New Yorker Parapsychologe Hans Holzer auf die Burg Wolfsegg aufmerksam. 1968 besuchte er zusammen mit einer Frau die Burg, die als Medium arbeitete. Sie berichtete bei einem Rundgang von einem Mord, der sich in einer der Kammern zugetragen haben soll. Das Opfer sei eine junge Frau gewesen. Unter den Tätern soll der Ehemann gewesen sein. In der Folgezeit bestätigten weitere Medien die Anwesenheit eines paranormalen Phänomens und zum Teil auch den Mord an einer Frau. Seitdem ist die Weiße Frau von Wolfsegg ein fester Bestandteil der regionalen und auch überregionalen Berichterstattung.

Hier geht es zu den Sagen um die Drud in der Oberpfalz

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Das ist der Podcast "Es war einmal... in der Oberpfalz"

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Oberpfalz-Medien-Redakteur Wolfgang Ruppert (rechts) im Podcast-Gespräch mit Daniel Biersack, dem Teamleiter des Ghosthunterteams Bavaria.
Info:

Die Weiße Frau

  • Die älteste Überlieferung einer Sage von der Weißen Frau stammt aus dem Jahr 1220 von Caesarius von Heisterbach im "Dialogus miracolurum".
  • In historischen Sagen wird die Gestalt häufig mit Adelsfamilien in Zusammenhang gebracht.
  • Die geisterhafte Gestalt ist meistens eines unnatürlichen Todes gestorben.
  • Bäuerliche Volkssagen berichten von der Weißen Frau als Schlüsselfrau, Schatzhüterin oder stellen sie als erlösungsbedürftig dar.
  • In modernen Sagen wird sie häufig als "Anhalterin aus dem Jenseits" bezeichnet und ist schuld an schweren Verkehrsunfällen.

 

 

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