Die Polizei im Freistaat registrierte im vergangenen Jahr 3869 Straftaten je 100.000 Einwohner. Das sind knapp zehn Prozent weniger als im Vorjahr und rund ein Viertel weniger als der bisherige Höchststand im Jahr 2004 mit 5531. Auch in der Oberpfalz entspannte sich die Lage. Hier sank die Häufigkeitszahl je 100.000 Einwohner um 9,7 Prozent auf 3309. Im Oberfranken betrug der Rückgang 12,2 Prozent auf 3390. Die landesweite Aufklärungsquote lag mit 66,9 Prozent leicht über dem Vorjahreswert.
Bayernweit wurden 2021 nach der am Montag von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) vorgelegten Kriminalitätsstatistik 508 387 Straftaten verzeichnet. Das waren knapp 55.000 oder 9,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Rückgänge gab es vor allem bei den Wohnungseinbrüchen, deren Zahl um 44,5 Prozent auf 2322 sank, sowie bei Raub (-15,3 Prozent) und Körperverletzung (-13,6 Prozent). Herrmann erklärte dazu, dass ein Teil der Rückgänge auf Corona und die damit verbundenen Einschränkungen des öffentlichen Lebens zurückzuführen seien. "Wir dürfen uns nicht der Illusion hingeben, dass die Kriminalität nach der Pandemie nicht auch wieder steigen könnte", betonte er.
Mehr Kriminalität im Internet
Beschleunigt durch die Corona-Einschränkungen verlagerte sich die Kriminalität zunehmend ins Internet. Hier registrierte die Polizei eine Zunahme um 10,7 Prozent auf knapp 39.500 Fälle. Bei den meisten handelte es um Betrug. Sprunghaft noch oben ging aber vor allem die Verbreitung von Kinderpornographie im Netz. Hier wurden 5070 Fälle aktenkundig, 83,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Herrmann erklärte, man räume der Aufklärung dieser Fälle höchste Priorität ein. Er verwies dabei auf die hohe Aufklärungsquote von 87,6 Prozent bei Delikten gegen die sexuelle Selbstbestimmung sowie die Ermittlung von insgesamt 10.630 Tatverdächtigen.
Als erfreulich bewertete Herrmann den Rückgang bei der Gewalttaten um 13,5 Prozent auf knapp 17.000 Fälle. Anders als befürchtet hätten die coronabedingten Lockdowns auch nicht zu einer Zunahme der Fälle von häuslicher Gewalt geführt. Die Zahl der angezeigten Delikte ging im Vergleich zu den Vorjahren sogar zurück. Mit mehr als 106 000 Fällen war der Bereich der Vermögens- und Fälschungsdelikte neben den Diebstählen (knapp 110.000) der zahlenmäßig größte. Auch hier gab es aber einen Rückgang um 6,1 Prozent. Während weniger Betrugsfälle in Zusammenhang mit "falschen Polizisten" und dem "Enkeltrick" aktenkundig wurden, stieg die Zahl so genannter "Schockanrufe" deutlich an, bei denen die Opfer unter einem dramatischen Vorwand zur Herausgabe größerer Geldbeträge bedrängt werden.
255 Rauschgifttote
Bei der Rauschgiftkriminalität wurden mit 49.736 Fällen 8,6 Prozent weniger aufgedeckt als im Vorjahr. Auch hier wird ein Zusammenhang mit den Ausgangsbeschränkungen und den Schließungen in der Party-Gastronomie vermutet. Denn ungeachtet der niedrigeren Fallzahlen stieg die Zahl der Rauschgifttoten um sieben auf 255. Mit Blick auf alle Straftaten erneut rückläufig war die Zahl der tatverdächtigen Zuwanderer. Sie sank um zehn Prozent auf knapp 23.000. Auch in den Unterkünften für Asylbewerber ging es friedlicher zu. Hier musste die Polizei 2021 nur noch 3500 zu Einsätzen ausrücken, im Jahr davor war es dreimal so oft. Insgesamt aber liegt die Quote ausländischer Tatverdächtigter weiter deutlich über ihrem Bevölkerungsanteil.
Mehrarbeit durch Corona
- Versammlungen und Demos:Im Vergleich zu 2019 stieg die Zahl 2021 um 180 Prozent auf mehr als 10 000
- Corona-Kontrollen:seit Pandemiebeginn im März 2020 knapp 4,5 Millionen, 350 000 Verstöße festgestellt, davon 175 000 geahndet
- Fälschungen:3000 gefälschte Impf- und knapp 500 gefälschte Testnachweise festgestellt, vor allem im letzten Quartal 2021













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