18.05.2020 - 19:10 Uhr
TirschenreuthDeutschland & Welt

Ärztin kontra Demonstranten: Katastrophe knapp verhindert

Die Ärztliche Direktorin der Kliniken Nordoberpfalz AG, Elisabeth Eißner, spricht über das Coronavirus und "Hygienedemos". Sie appelliert, den bisherigen Erfolg im Kampf gegen das Coronavirus nun nicht kaputt zu machen.

Elisabeth Eißner
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

"Wenn ich sehe, was vergangene Woche in München auf dem Marienplatz passiert ist, dann schüttele ich heftig den Kopf": Elisabeth Eißner hat eine klare Haltung zu den sogenannten "Hygienedemos" im ganzen Land. Wobei die Ärztliche Direktorin der Kliniken Nordoberpfalz AG im selben Atemzug betont, dass ihr die Grundrechte sehr wichtig sind, gerade das Demonstrationsrecht. Verständnis könne sie für die Sorgen um die Erziehung der Kinder oder die wirtschaftliche Existenz aufbringen. "Aber wenn alle Abstandsregeln völlig ignoriert werden, frage ich mich, warum diese Menschen alles riskieren, was wir gemeinsam erreicht haben."

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Weiden in der Oberpfalz

Für Eißner steht außer Frage, dass ohne die Einschränkungen die Covid-Folgen katastrophal gewesen wären, gerade in der Nordoberpfalz. "Wir hatten uns gedanklich auf das Schlimmste eingestellt", sagt sie über die Tage Ende März, als absehbar schien, dass Intensivbetten und Beatmungsgeräte in Weiden und Tirschenreuth nicht mehr ausreichen würden. Es sei unter anderem den Mitarbeitern der Kliniken, Krisenstäben und der Disziplin der Menschen zu verdanken, dass es nicht so weit kam.

Sehr viel Quatsch auf einem Schild: Ärzte an der Kliniken AG fehlt das Verständnis für derartige Aussagen und Demos ohne Masken mit vielen Menschen auf engen Raum.

Das macht ratlos

Das Ausbleiben der Katastrophe nun aber als Beleg zu sehen, dass es doch "gar nicht so schlimm" gewesen sei, mache sie ratlos, gibt Elisabeth Eißner zu. Das gilt auch für jene Menschen, die immer noch behaupten, das Virus wäre nicht schlimmer als eine Grippe: "Ich habe genug schlimme Fälle gesehen, Covid ist sehr gefährlich."

Möglicherweise fehle vielen Menschen diese direkte Erfahrung, um die Gefahr einschätzen zu können. Informationen über das Coronavirus sind leicht zugänglich, noch nie sei über eine Krankheit so ausführlich informiert worden. Und doch stellt Eißner fest, dass es einen Unterschied macht, ob in der eigenen Familie oder im Freundeskreis Menschen schwer erkrankt sind. Ist das nicht der Fall, neigen die Menschen eher zum Unterschätzen der Krankheit.

Und noch eine Ursache kann Eißner benennen, weshalb Ärzten und Wissenschaftlern nicht immer vertraut wird. "Es ist ja richtig, dass Experten ihre Aussagen in den vergangenen Wochen mehrfach angepasst haben." Das liege daran, dass das Virus neu und immer noch relativ wenig erforscht ist. Viele Forscher arbeiten daran, ihre Erkenntnisse verändern den Umgang mit der Krankheit und führen zu besserer Therapie und Diagnostik. Gleichzeitig verunsichert dieser Prozess aber wohl viele Menschen.

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Trotzdem sieht Eißner die Entwicklung der letzten Tage und Wochen, auch die Öffnungen, weiter positiv. Wichtig bleibe, die Neuinfektionen genau im Blick zu behalten.

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Sollten sich diese Zahlen negativ entwickeln, müsse man reagieren. "Wir liegen in Führung. Diesen Vorsprung sollten wir nicht durch Unvorsichtigkeit aufs Spiel setzen."

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Kommentare

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papa joe

Hallo Ma Bo, mir ging und geht es keinesfalls darum, Covid-19 zu verharmlosen, aber man muss bei allem immer die Verhältnismäßigkeit betrachten und die scheint, mir zu mindestens, schon lange nicht mehr gegeben. Übrigens habe ich Verwandtschaft in Zentralasien und dieser Teil der Familie hatte schon im letzten Jahr eine Krankheit, die nach Beschreibung der Symptome zu Covid-19 passt. Meine Schwiegermutter mit über 70 hat es stärker erwischt und sie musste eine Zeit das Bett hüten, die jüngeren waren nicht so stark betroffen. Eine Schwester arbeitet als Oberschwester in einer Klinik und sie hat uns bestätigt, dass schon Anfang Oktober gehäuft Fälle einer Krankheit auftraten, die sie zuerst für Influenza gehalten haben. Alle Tests waren aber negativ und sie haben sich dann so gut wie möglich damit arrangiert. Sie meinte übrigens, dass ihnen die gehäuften Magen- und Darminfektionen auf Grund der desolaten Trinkwasserversorgung wesentlich mehr Sorgen bereitet und sie deshalb oft an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Die „neuartige“ Pneumonie war ihrer Meinung nach nicht extrem problematisch. Da ich beruflich viel im Ausland bin weiß ich um die Probleme der Armen und Ärmsten und was eine Ausgangssperre für diese Menschen bedeutet und das macht mich sehr wütend. Und was dieses Schüren von Angst mit unserer Gesellschaft anstellen wird mag ich mir nicht auszumalen. Da wird in vielen Medien, fast schon wie bei Olympia der Medaillenspiegel, eine „Live-Übersicht“ unter anderem der an Covid-19 verstorbenen permanent ins Blickfeld gerückt. Dazu fällt mir nur eins ein: schämt euch, alle!

20.05.2020
Ma Bo

@papa Joe
Danke, daß Sie sich die Zeit genommen und die Mühe gemacht haben, einen so guten und ausführlichen Kommentar zu verfassen.
Danke auch für den Verweis auf die Studie vom März.
Sie sprechen sicher sehr vielen Menschen aus der Seele.

Es ist schon sehr befremdlich aus einer persönlichen Betroffenheit durch den Krankheitserreger tatsächlich generelle Aussagen über die Gefährlichkeit eines Erregers ziehen zu wollen. Das aus dem Munde eines Mediziners.

Auch bezüglich der Darstellung / bzw. "Verharmlosung" des Grippeviruses kann ich Ihnen nur beipflichten.

Endlich sind wieder hochqualifizierte und vernünftige Kommentare zu den bis vor Kurzem einseitigen und sehr suggestiven Veröffentlichungen in der Tagespresse erlaubt.
Danke für Ihren Kommentar!

20.05.2020
papa joe

Sehr geehrte Frau Eißner, Was viele Menschen stört ist doch nicht, dass in einer Notsituation reagiert wurde sondern wie insgesamt damit umgegangen wird. Weder wird eine ehrliche und offene Diskussion über alle Bereiche der Wissenschaft geführt noch haben sich die vielen „Experten“ mit Pauschalisierungen in ständig wechselndem Ausmaß zurückgehalten. Einem Herrn Drosten oder auch Kekule et al möchte ich doch nahelegen, genau das zu tun, wofür sie bezahlt werden und das ist forschen, forschen, forschen. So viel Zeit, wie diese Herren anscheinend haben, um in diversen Talk Shows aufzutreten und Interviews zu geben, suggeriert doch, dass es ja so schlimm nicht sein kann. Dazu kommt, das ihre oft wenig fundierten Aussagen eine bestenfalls mittlere Halbwertszeit haben! Ist es denn so schwer zu verstehen, dass man dadurch bei vielen Menschen Angst und Panik auslöst. Und einen wissenschaftlichen Diskurs, der natürlich permanent von Irrtümern geprägt ist, sollte man unter Wissenschaftlern führen und nicht mit medizinischen Laien im Talk Shows. In diesem Land gibt es viele Intelligente Bürger, die auch ohne medizinische Ausbildung einen Sachverhalt im Prinzip reflektieren und verstehen können und genau die schütteln gerade nur noch mit dem Kopf. Man bekommt leider den Eindruck, dass der Bürger eher wie ein Kleinkind behandelt wird, was man nur durch Verbote erziehen muss. Aber weder Verbote noch Angst werden Sars-Cov2 „besiegen“ (auch die Arte der Wortwahl ist suggestiv) sondern eine breite Zustimmung zu sinnvollen und nötigen Maßnahmen. Warum durfte man in Zeiten mit einer offiziell hohen Zahl an Infizierten ohne Maske in den Supermarkt und jetzt, trotz wesentlich niedrigeren Zahlen soll man eine Maske aufsetzen? Warum reicht dann selbst ein Schal, ein alter Socken oder was auch immer? Der kleine Teil der Beratungsresistenten wird das eh immer bleiben, macht aber keinen signifikanten Unterschied, wenn man es schafft, die Mehrheit mit zu nehmen. Das sie die Influenza jetzt verharmlosen finde ich geradezu fahrlässig. Oder werden in Zukunft alle verstorbenen nur noch auf Corona-Viren getestet, damit man die Zahlen und damit die Angst schön weiter halten kann? Das z. B. viele die Grippe mit Covid-19 gleichsetzen liegt doch an dem Fakt, dass bisher bei jeder schlimmeren Grippewelle viele tausende verstarben und darum kaum Aufhebens gemacht wurde. Erst nach der Grippesaison 2017/18 mit sehr vielen Grippetoten wurde der 4-fach Impfstoff von den Krankenkassen übernommen. Bis dahin musste der 3-fach Impfstoff ausreichen und das hatte mit Sicherheit auch viele unnötige Tote zur Folge. Hat bloß kaum jemanden gekümmert! Eine Bekannte arbeitet hier im Ort in einem Altenheim und sie sagte wörtlich „Während der letzten Grippewelle sind uns die alten Leute weggestorben wie die Fliegen, hat aber keinen interessiert!“ Und wenn, wie sie sagen, die Kapazitätsgrenze im März auf Grund vieler Covid-19 Fälle erreicht wurde, erklären Sie mir doch, warum die Häuser in Waldsassen und Vohenstrauß dann geschlossen werden? Übrigens gibt es eine Studie französischer Wissenschaftler zur Gefährlichkeit von Sars-Cov2 mit folgendem Ergebnis: In OECD countries. the mortality rate for SARS-CoV-2 (1.3%) is not significantly different from that for common coronaviruses identified in public hospitals of Marseille, France (0.8%; P=0.11). Veröffentlicht hier: International Journal of Antimicrobial Agents, Available online 19 March 2020, 105947
Zum Schluss muss ich noch erwähnen, das es viele weitere Möglichkeiten gäbe, um den „Kampf“ gegen Sars-Cov2 erfolgreich zu führen. Ein BMI von >30 kann die Sterblichkeit um 400% erhöhen, ein BMI >40 sogar um bis zu 600%. Rauchen ist ebenso wenig hilfreich und wenn man alle dazu bringen könnte, ihren Fleischkonsum auf die Hälfte zu reduzieren hätte man etwas für die Gesundheit getan und weniger Infektionen in den großen Schlachthöfen. Aber dazu müsste man ehrlich zu den Menschen sein und sie aus ihrer Komfortzone aufwecken...

19.05.2020