11.11.2020 - 17:48 Uhr
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Trockene Sommer machen dem Wald in der Oberpfalz zu schaffen

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Dem Wald im Norden Bayerns geht es so schlecht wie zuletzt vor fast 40 Jahren. Ursache ist diesmal nicht die Luftverschmutzung, sondern der Klimawandel.

Trockene Rinde und Kiefernnadeln liegen auf dem Boden in einem Kiefernwald.
von Jürgen UmlauftProfil

Die vergangenen Trockensommer haben dem Wald im Norden Bayerns stark zugesetzt. Besonders dramatisch ist die Situation in Oberfranken, wo der durchschnittliche Nadel- und Blattverlust in diesem Jahr bei 39,5 Prozent lag. Betroffen sind vor allem die Fichten und die Kiefern. Diese weisen die schlechtesten Werte seit Beginn der Waldzustandserhebung im Jahr 1983 auf, als in Bayern wegen der hohen Schadstoffbelastung in der Luft ein großflächiges Waldsterben drohte. Das teilte Forstministerin Michaela Kaniber (CSU) bei der Vorlage des neuen Waldberichts im Agrarausschuss des Landtags mit.

Schäden im Norden größer als im Süden

In der Oberpfalz ist die Lage mit einem durchschnittlichen Nadel- und Blattverlust von 23,5 Prozent vergleichsweise gut. Allerdings sind auch hier die Schäden im Norden größer als im Süden. Sorgen bereiten in der Oberpfalz weiter die Kiefernbestände, die wegen milder Winter und der zunehmenden Trockenheit der Böden anfällig für den Erreger des Diplodia-Triebsterbens werden. Nachdem in den Vorjahren nur einzelne Bäume betroffen waren, treffen die Schäden laut Waldbericht nun auch ganze Bestände. Für eine Region wie die Oberpfalz sei dies eine ungewöhnliche Entwicklung.

"Der Klimawandel schreitet unerbittlich voran, ganz besonders bekommen das bereits jetzt unsere bayerischen Wälder zu spüren", sagte Kaniber. Aufgrund der zuletzt warmen und trockenen Sommer komme das Ergebnis der Waldinventur nicht überraschend, sei in seinem Ausmaß aber "erschreckend". Während in Südbayern die Lage wegen der höheren Niederschlagsmenge insgesamt besser sei, treffe der Klimawandel den Norden des Freistaats besonders stark.

45 Prozent mit deutlichen Schäden

Bayernweit weisen nach der neuen Erhebung nur 18 Prozent aller Waldbäume keine Schäden auf, 45 Prozent dagegen mäßige bis deutliche Schäden. Kaniber kündigte die Beschleunigung des Waldumbaus in möglichst klimatolerante Forsten an. Neben dem Pflanzprogramm in den Staatsforsten stünden privaten Waldbesitzern allein in diesem Jahr mehr als 80 Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung. Die Nachfrage nach den Programmen sei hoch. Hilfen gebe es zudem für die Beseitigung von Schadholz, das mit dem Borkenkäfer befallen sei.

Der Forstexperte der Grünen, Hans Urban, sprach von einem "kritischen Zustand" in den bayerischen Wäldern. Um den Waldumbau voranzutreiben, müssten vor allem die privaten Waldbesitzer mit mehr Geld ausgestattet werden. "Über den Brennholzpreis lässt sich der Waldumbau nicht finanzieren", sagte Urban. Deshalb müsse Holz als Baustoff stärker gefördert werden. Auch Christoph Skutella (FDP) betonte, die Klimaschutzleistung der Wälder müsse besser honoriert werden. Martina Fehlner (SPD) forderte mehr Personal in den Forstämtern und -behörden. Die Beschäftigten dort arbeiteten wegen der wachsenden Herausforderungen zunehmend "am Limit".

Interview zum Waldsterben

Amberg
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