03.02.2020 - 17:08 Uhr
KelheimDeutschland & Welt

Versuchter Mord mit Axt

Versuchter Mord, Körperverletzung, Angriff auf Vollstreckungsbeamte: Was einem Lageristen aus dem Kreis Kelheim vorgeworfen wird, hat es in sich. Nach dem Angeln soll er brutal einen Kontrolleur attackiert haben – mit Axt und Holzschläger.

Ein 59-Jähriger ist am Landgericht Regensburg angeklagt - er soll nach dem Angeln einen Fischereiaufseher mit einer Axt und einem Beil attackiert haben, um ihn zu töten.
von Autor AHSProfil

Seit Montag muss sich ein 59 Jahre alter Lagerist aus dem Landkreis Kelheim vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Regensburg unter Vorsitz von Richter Michael Hammer wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte verantworten. Kurz nach der Tat war er festgenommen worden. Ein am gleichen Tag ergangener Haftbefehl wegen gefährlicher Körperverletzung wurde gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt. Fünf Wochen später erfolgte die zweite Festnahme. Seit dem sitzt er in Untersuchungshaft.

Laut Anklage wollte ein Fischereiaufseher den in seinem VW-Bus sitzenden Angeklagten im Juli vergangenen Jahres in Höhe der Gronsdorfer Schleuse in Richtung Befreiungshalle kontrollieren. Hierzu ließ er sich das Fangbuch zeigen, in dem sich jedoch kein Eintrag befand. Ein Kollege des Geschädigten hatte beobachtet, wie der Angeklagte einen Fisch gefangen und eingetütet hatte. Deshalb forderte der Geschädigte ihn auf, seine im Fahrzeug befindlichen Plastiktüten zu öffnen.

Gerangel am Boden und Tritt in den Bauch

Statt dieser Aufforderung nachzukommen, holte der Angeklagte aus seinem Fahrzeug eine Axt mit einem zirka 40 Zentimeter langen Schaft und einer Klingenlänge von etwa zehn Zentimetern. Damit versuchte er, mindestens drei bis vier Mal auf den Kopf des Geschädigten einzuschlagen, was dieser jedoch verhindern konnte, indem er seine Unterarme hoch riss. Erst jetzt bemerkte der Angeklagte, dass er mit der flachen Seite zuschlug. Er drehte die Axt, packte den Geschädigten am Hemd und versuchte erneut, mehrmals auf ihn einzuschlagen. Es kam zu einem Gerangel, bei dem der Angeklagte den Geschädigten einen Tritt mit dem Knie in die Bauchgegend verpasste. Beide gingen zu Boden, wo sie sich wälzten. Der Geschädigte konnte sich in Besitz der Axt bringen und schwang diese in Richtung des Angeklagten, um diesen auf Abstand zu halten. Der Angeklagte ging daraufhin zu seinem Fahrzeug und kam mit einem etwa 80 Zentimeter langen Holzstock in der Form eines Baseballschlägers zurück. Erst als sich zwei Passanten zwischen sie stellten gab der Angeklagte auf.

Zur Tatzeit war der Angeklagte mit 1,44 bis 1,77 Promille alkoholisiert. Einem vorläufigen Gutachten zufolge jedoch weder in seiner Steuerungsfähigkeit, noch in der Fähigkeit, das Unrecht seiner Tat einzusehen, erheblich beeinträchtigt. Der Geschädigte trug eine Schwellung und Prellung am rechten Ohr, diverse Schnitt- und Schürfwunden, ein großes Hämatom am Bauch, eine Bisswunde an der rechten Schulter und eine aufgeplatzte blutende Lippe davon. Er war zunächst ein Vierteljahr krankgeschrieben und befindet sich in psychologischer Behandlung.

Aufseher sollte getötet werden

Der Angeklagte war bereits in der Vergangenheit durch mehrere Verstöße gegen die Vereinsordnung aufgefallen. Deshalb war ihm im Mai 2017 im Falle neuer Auffälligkeiten der Vereinsausschluss angedroht worden. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte den Aufseher töten wollte, um seine neuerlichen Verstöße zu vertuschen.

Nach Verlesen des Anklagesatzes gab Verteidiger Jörg Sodan für seinen Mandanten eine Erklärung ab. Danach seien die Aggressionen vom Kontrolleur ausgegangen. Etwa zwei Stunden vor der Auseinandersetzung sei er von einem anderen Aufseher kontrolliert worden. Dieser habe ihn lediglich aufgefordert, die beiden gefangenen Fische im Fangbuch einzutragen. Diese habe dann seine Ehefrau abgeholt. Als der Geschädigte auftauchte, habe er sofort nach den Fischen gefragt. Er habe ihn in schlechtem Deutsch geantwortet „Es sind keine da.“ Da habe der Geschädigte sofort damit angefangen, die im Auto liegenden Tüten zu durchsuchen und auf den Boden zu werfen. Davon wollte er ihn abhalten. Deshalb habe er die Axt aus dem Auto geholt und am Blatt gehalten. Der Geschädigte habe sofort „Hilfe, Hilfe“ geschrien und sei davongelaufen, er hinterher. Die Axt habe er dabei in der Hand haltend in Richtung Boden hängend geführt. Diese habe ihn sein Kontrahent abgenommen, wobei beide zu Boden stürzten. Sie hätten sich wieder aufgerappelt und er wollte zurück zu seinem VW-Bus, als eine etwa fünfköpfige Gruppe junger Burschen zusammen mit dem Geschädigten auf ihn zugingen. Dann sei schon die Polizei dagewesen. Sein Mandant habe immer wieder versichert, dass er niemand habe töten wollen.

Brutaler Angler in Untersuchungshaft

Deutschland & Welt

Zeuge sagt aus

Der Aufseher, der den Angeklagten als erster kontrollierte, bestätigte als Zeuge, dass er den Angeklagten aufgefordert hatte, die beiden Fische im Fangbuch nachzutragen. Er habe deshalb seinen Kollegen informiert und gebeten, Nachschau zu halten. Dieser konnte sich im Zeugenstand nicht mehr an alle Details erinnern, bestätigte aber den Geschehensablauf so wie er im Anlagesatz festgehalten wurde. Der Prozess wird fortgesetzt.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.