31.07.2020 - 18:43 Uhr
VilseckDeutschland & Welt

Bund und Land stellen Hilfe für Vilseck nach US-Truppenabzug in Aussicht

Der geplante Abzug Tausender US-Soldaten aus Vilseck und Grafenwöhr wird auch wirtschaftliche Folgen für die Orte haben, doch aus Bundes- und Landespolitik werden Hilfen in Aussicht gestellt.

Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) und Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) stellten am Freitag Unterstützung für Vilseck in Aussicht.
von Agentur DPAProfil

Die vom angekündigten Abzug Tausender US-Soldaten betroffene Kleinstadt Vilseck am Truppenübungsplatz Grafenwöhr kann sich Hoffnung auf Hilfen von Land und Bund machen. Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) und Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) stellten am Freitag Unterstützung in Aussicht. Die USA wollen rund ein Drittel ihrer 36 000 Soldaten in Deutschland abziehen. Dabei sollen auch zwischen 4500 und 4900 Vilseck verlassen.

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Grafenwöhr

„Natürlich werden wir die Standorte nicht alleine lassen“, sagte Aiwanger. „Wir können sie beispielsweise mit Hilfe der Regional- beziehungsweise Konversionsmanagementförderung unterstützen.“ Allerdings betonte der Politiker, dass auch „große Projekte“ nötig seien, um die Region zu stützen. Er bedauere die Absicht, die Soldaten abzuziehen, sagte Aiwanger. „Sollte dieser Plan wirklich umgesetzt werden, hinterlassen die Soldaten, die hier immer herzlich aufgenommen wurden, eine Lücke. Nicht nur wirtschaftlich, sondern auch mit Blick auf die traditionsreiche deutsch-amerikanische Freundschaft.“

Treffen der Ministerpräsidenten

Auch aus Berlin könnte Unterstützung kommen. Kramp-Karrenbauer kündigte an, zu Beginn der Sitzungsperiode nach dem Sommer die Ministerpräsidenten der betroffenen Länder einzuladen, „um zu besprechen, wie die Bundeswehr die betroffenen Regionen unterstützen kann“.

Neben Vilseck sind noch zwei weitere Standorte in anderen Bundesländern betroffen: der Luftwaffenstützpunkt im rheinland-pfälzischen Spangdahlem und die beiden Kommandozentralen für Europa und Afrika in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart.

Bundesinnenminister Horst Seehofer sieht den Teilabzug der US-Truppen aus Deutschland mit Besorgnis. „Das ist ein unschöner Vorgang für die deutsch-amerikanischen Beziehungen. Aber wir werden damit umgehen“, sagte der CSU-Politiker der „Passauer Neuen Presse“ (Freitag). Trotz allem bleibe die deutsch-amerikanische Freundschaft und das transatlantische Verhältnis stabil, betonte Seehofer. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte zu den US-Plänen: „Es wäre besser, die Amerikaner würden ihre Atomwaffen aus Deutschland und Europa abziehen als ihre Soldaten.“ Der Truppenabzug sei weder im Interesse der Nato noch der USA.

Kujat: Nicht mehr Frontstaat

Der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, wies auf eine neue Situation hin. „Die geostrategische Lage Deutschlands hat sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs verändert. Wir sind jetzt nicht mehr Frontstaat, sondern Verbindungszone“, sagte er der „Rhein-Neckar-Zeitung“ (Freitag). Amerikanische Streitkräfte könnten in Polen und in den baltischen Staaten die Verteidigung des Bündnisses besser wahrnehmen als in Süddeutschland.

Der Vorsitzende der Atlantik-Brücke, Sigmar Gabriel, geht davon aus, dass ein Teilabzug unvermeidlich sein wird – auch mit einem neuen US-Präsidenten. „Nicht erst seit Donald Trump, sondern schon seit Obama wollen die USA sich aus ihrem weltweiten militärischen Engagement zurückziehen. Die US-Bevölkerung ist kriegsmüde.“

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