23.11.2020 - 16:47 Uhr
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BLLV fordert mutige Ansagen vom Kultusministerium

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Katja Meidenbauer, Vorsitzende des Oberpfälzer Lehrer- und Lehrerinnenverbandes, erklärt, wo es derzeit hapert: Das Ministerium versuche die Corona-Krise zu schultern, aber den Schulen fehlt oft Personal und Ausstattung.

Katja Meidenbauer, Vorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) in der Oberpfalz.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Den guten Willen will Katja Meidenbauer, Vorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) in der Oberpfalz, niemandem absprechen. "Auch im Ministerium wird viel gearbeitet und manche Entscheidung ist auch nicht so einfach zu treffen", sagt sie. "Manchmal müsse aber auch mal eine mutige Ansage kommen - und zwar nicht erst am Freitagnachmittag um 16.30 Uhr, wenn sie bis Montag um 8 Uhr umgesetzt sein muss."

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Dass steter Tropfen den Stein höhlt, sehe man an der wiederholten Anforderung von FFP2-Masken: "Jetzt kam auch die Zusage." Im Gesundheitsschutz müsse man noch an Tempo gewinnen.

Schnell noch eine Ex vor den Shutdown

Eine gewisse Zuspitzung durch vermehrte Prüfungen erklärt Meidenbauer mit der Verunsicherung mancher Lehrer: "Man schaut auf die Zahl der steigenden Infektionen, die dem roten Bereich immer näher kommen - da werden einige Lehrer gesagt haben, schreiben wir noch eine Ex, denn wir wissen nicht, ob nicht bald wieder Wechsel- oder Distanzunterricht kommt."

Um solche Überreaktionen zu vermeiden, fordert die BLLV-Vertreterin schnell Klarheit: "Wir haben keine Informationen, wie der Übertritt funktioniert, und wie esmit Abschlussprüfungen aussieht."

Neuer Leistungsbegriff notwendig

Die generelle Kritik daran, dass von den Schülern zu viel verlangt werde, will sie nicht nur auf die Corona-Situation reduzieren: "Wir brauchen einen anderen Lern- und Leistungsbegriff", sagt Meidenbauer. "Abrufbares Wissen kann Alexa schneller aufsagen, die Kinder sollen sich selbst etwas erarbeiten." Kreativität, Flexibilität und Problemlösungsverhalten könnten aber nicht so einfach in einer Probe abgefragt werden. "Es geht darum zu lernen, wie man ein Referat aufbaut, selbst entwickelt, Kompetenzen erwirbt, wo man Informationen recherchiert - da darf man dann nicht nur die zehn Minuten Vortrag bewerten."

Die Angebote, versäumten Stoff nachzulernen, seien von Schule zu Schule sehr unterschiedlich und hingen von den Kapazitäten vor Ort ab: "Lernstandserhebung und Brückenangebote wurden im Juni und Juli angekündigt - da stand dann etwa, Förderlehrer dürften das machen." Einige Schulleiter hätten dann wohl gedacht: "Die habe ich nicht." Es fehle das Personal. "Wir haben nicht erst seit der Pandemie-Krise einen eklatanten Lehrermangel, deswegen können wir vieles nicht umsetzen."

Mebis nur bedingt einsatzbereit

Der Distanzunterricht während der ersten Corona-Welle habe alle vor große Herausforderungen gestellt: "Wir wurden da reingeworfen, an manchen Orten, wo Ausstattung und Know-how schon gut waren, hat das perfekt geklappt, andere brauchten länger." Einige datenschutzrechtliche Fragen seien immer noch nicht geklärt: "Darf ich die Schüler im Video sehen und wenn nicht, sind sie noch da?" Große Anerkennung zollt sie den Kollegen, von denen sich bereits 15.000 in Dillingen zu Online-Fortbildungen angemeldet hätten.

Technisch hapere es mancherorts am schnellen Internet, andernorts sei die zentrale Lernsoftware Mebis (Medien, Bildung, Service des Landesmedienzentrums Bayern) nur bedingt einsatzbereit: "Server brachen zusammen, Schüler mussten vor dem Unterricht zugreifen, weil man ab 9 Uhr stellenweise nicht mehr rein kam." Deshalb haben man sich nicht selten mit anderen Systemen beholfen. Hier sei eine Klärung vonnöten.

Lüften oder Filter

In puncto Lüften oder Filter bekomme man unterschiedliche Aussagen: "Man hört, dass auch solche Anlagen das Lüften nicht überflüssig machten." Die Schüler würden am liebsten mehr Abstand einhalten: "Mit einem Wechselmodell wäre das möglich und der Mehrheit lieber, als komplett auf Distanzunterricht umzusteigen."

Auch von vollen Bussen und Gedränge an den Haltestellen hört sie vereinzelt: "Das Geld für Zusatzbusse wurde bewilligt, aber das heißt nicht, dass die Busunternehmer dann auch immer Fahrzeuge und Fahrer zur Verfügung haben."

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