13.09.2019 - 13:08 Uhr
VohenstraußDeutschland & Welt

Kein Freispruch für den "Leberkäsjunkie"

Da möcht‘ man glatt den "Dampfnudelblues" kriegen, bei dieser "Grießnockerlaffäre". Ein Vohenstraußer Postbote steht in Weiden vor Gericht. Er war beim Moosbacher Weiberfasching mit seinem Spezl als „Eberhofer und Birkenberger“ unterwegs.

Zum Verwechseln ähnlich: Markus Schmid und Andre Hilburger stellten ein Bild von Franz Eberhofer und Rudi Birkenberger nach.
von Christine Ascherl Kontakt Profil
Markus Schmid (Eberhofer) und Andre Hilburger (Birkenberger) damals am Moosbacher Weiberfasching - und heute vor Gericht.

Der Film-Polizist Franz Eberhofer ist zurzeit als „Leberkäsjunkie“ in den Kinos zu sehen. Normalerweise genehmigt sich Postbote Markus Schmid auch täglich eine Leberkässemmel. „Immer um 10.“ Daraus wird es am Freitag nichts. Um diese Zeit beginnt die erste und vielleicht einzige Gerichtsverhandlung seines Lebens mit ihm als Angeklagten: Der 24-Jährige muss sich vor dem Amtsgericht verantworten. Er ging beim Moosbacher Weiberfasching als „Eberhofer“ und trug dabei eine alte Polizei-Lederjacke mit Original-Schulterabzeichen und grünen Hoheitszeichen „Polizei“.

Das ist strafbar als Amtsanmaßung durch Titelmissbrauch. Oberstaatsanwalt Bernhard Voit bleibt dabei. Der Staat müsse eingreifen, wenn „falsche Polizisten herumlaufen“: „Nächstes Jahr sind es in Moosbach dann vielleicht 10 Prozent, und im übernächsten 20.“ Der Bürger müsse in Notsituationen, zu denen es bei einer Veranstaltung mit 5000 Gästen durchaus kommen kann, wissen, an wen er sich wendet. Der Staatsanwalt bietet zumindest einen von 1800 auf 450 Euro reduzierten Strafbefehl an, den Richter Dennis Herzog letztlich erlässt. Aus dem erhofften Freispruch wird es nichts.

Den hätten ihm zumindest all seine Spezl’n vergönnt, die – mit einer Schulklasse des Augustinus-Gymnasiums – den Gerichtssaal bis auf den letzten Platz besetzen. Wer genau hinsieht, kann in der zweiten Reihe den „Rudi Birkenberger“ erkennen. Im zivilen Leben ist er Beamter beim Wasserwirtschaftsamt und heißt Andre Hilburger. Er hat tatsächlich Ähnlichkeit mit dem Film-Vorbild und war sofort dabei, als Kumpel Markus die Idee zur Verkleidung hatte.

Die Idee sei schon 2018 auf dem Flohmarkt entstanden, erzählt Postzusteller Schmid dem Richter am Amtsgericht. Er habe in Weiden eine Lederjacke der Polizei mit den ausrangierten grünen Schulterklappen gesehen und gekauft, dazu zwei senfgelbe Hemden der alten Uniform. „Ich bin seit der ersten Ausgabe ein Fan von Eberhofer. Das ist genau mein Typ.“ Zum Fasching komplettierte er das Outfit mit Jeans und Turnschuhen. Die Polizei-Abzeichen habe er sicherheitshalber mit Panzertape abgeklebt, was Whatsapp-Bilder aus der Nacht belegen.

Das Duo schlug groß ein am „Naschen Pfinsta“ in „Moosba“. „Alle hielten das für ein geniales Kostüm“, erinnert sich der Postzusteller. „Und alle haben uns auch erkannt.“ Die Nacht war eigentlich schon gelaufen, als die Feiernden am frühen Morgen zur Bushaltestelle gingen. Traditionell werde in der Eisdiele in Vohenstrauß bis Mittag weitergefeiert.

Pech für den Postboten: An der Haltestelle fiel er einem Polizeibeamten (31) auf. Das Klebeband hatte sich gelöst. Der Beamte erkannte in der Menge die Polizeiabzeichen und stellte den „Kollegen“ zur Rede. Schmid konterte: „Wir sind Eberhofer und Birkenberger, des kennt ma doch.“ Betrunkene Umstehende ergriffen für ihn Partei. Am Ende musste der Angeklagte die Jacke ausziehen und das Hemd auf links drehen. Bei einer Vernehmung – wieder nüchtern – am Abend sei der Delinquent auch durchaus einsichtig gewesen. Sauer stieß dem Polizisten aber ein Bild auf, das ihm von unbekannt am nächsten Tag zugespielt wurde: Da war Schmid wieder beim Fasching zu sehen – diesmal als Gefangener.

Problematisch wird vor Gericht, dass die alte Lederjacke der Polizei eben nicht komplett ausrangiert ist. Polizeibeamte dürfen die Modelle weitertragen, wenn sie blaue Abzeichen aufnähen und die Schulterklappe austauschen. Eine gewisse Verwechslungsgefahr war also durchaus gegeben, meint Richter Herzog. Er wolle den Postboten keinesfalls so schwer wie möglich bestrafen, aber ein „vertretbares Ergebnis“ für alle erzielen.

Mit „Zähneknirschen“, so Verteidiger Marc Steinsdörfer, lässt sich der 24-Jährige schließlich auf die Beschränkung des Einspruchs auf die Rechtsfolge ein. Sprich: Er verabschiedet sich vom Wunsch auf einen Freispruch. Steinsdörfer hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. „Wir machen hier aus einer Mücke einen Elefanten. Wenn man bedenkt, wie viele Polizisten am Fasching herumlaufen, beginnend bei den Kindern.“ Da müsse man doch „die Kirche im Dorf lassen“.

Auch der Moosbacher Bürgermeister Hermann Ach ist zur Verhandlung gekommen. Er würde dem sympathischen Postboten prompt ein Büro im Rathaus anbieten. Die Gemeindeverwaltung genieße eine „Flatrate“ beim örtlichen Metzger, was Leberkässemmeln anbelangt. Er ist übrigens selbst großer Fan des Faschings. Seine letzte Verkleidung ist unverdächtig: „Ich war eine Parkscheibe.“

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