20.09.2021 - 19:07 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Wahlkampf-Endspurt: Söder setzt weiter auf Angst vor "Linksrutsch"

Die letzten Tage vor der Bundestagswahl verengt die CSU ihre Kampagne auf die Warnung vor einem "Linksrutsch" und den möglichen Folgen für Bayern. Parteichef Söder erwartet ein "Wimpernschlagfinale".

Markus Söder, CSU-Parteivorsitzender und Ministerpräsident von Bayern, nimmt im Anschluss an die Konstituierende Sitzung des CSU-Vorstands an einer Pressekonferenz teil.
von Jürgen UmlauftProfil

"Es ist die Woche der Entscheidung. Die Talfahrt der letzten Wochen ist gestoppt, es geht wieder leicht nach oben. Es wird knapp, aber alles ist drin. Es wird ein Wimpernschlagfinale." Diese Sätze stammen von keinem Fußball-Trainer, der nach durchwachsenen Wochen und einem knappen Heimsieg doch noch am letzten Spieltag auf die Meisterschale hofft. Es ist Markus Söder, der nach einer CSU-Vorstandssitzung den Wahlkampfendspurt einläutet. Sein Ziel ist "klar der erste Platz" vor der SPD. Ein Trainer würde jetzt sagen, man müsse im direkten Vergleich die nötigen Punkte holen.

In der Politik geht es aber nicht um Punkte, sondern um Prozente. Die will Söder in den letzten Tagen vor der Bundestagswahl mit einer Angstkampagne erstreiten. Er sagt das zwar nicht so, aber wie anders ist es zu verstehen, wenn er vor einem "massiven Linksrutsch" warnt und aus seiner Sicht die Nachteile für Bayern und fast jeden seiner gut 13 Millionen Einwohner auflistet, für die ein theoretisch mögliches Regierungsbündnis von SPD, Grünen und Linken eventuell sorgen könnte. Industriearbeitsplätze seien in Gefahr, ebenso die Altersvorsorge für Beamte und Mini-Jobs als Zuverdienstmöglichkeit. Ehegatten, Mittelständlern und Erben drohten höhere Steuern.

Doch damit nicht genug. Ohne Regierungsbeteiligung der CSU werde es für Bayern wieder "Steine statt Brot" geben, mahnt Söder und verweist auf ein entsprechendes Zitat des bislang letzten SPD-Kanzlers Gerhard Schröder. Der bisherige "Bayern-Bonus" würde wegfallen. Deshalb kündigt CSU-Generalsekretär Markus Blume für die verbleibenden Tage vor der Wahl eine "Bayern-Offensive" an. Was schon wieder schwer nach Fußball klingt und außerhalb des Freistaats wohl als Drohung empfunden werden und eher nicht zur Wahl der dort antretenden Schwesterpartei CDU animieren dürfte - auf deren gutes Abschneiden man aber zum Weiterregieren angewiesen ist.

Auf die Frage eines Journalisten, ob die Schlusskampagne der CSU nicht etwas sehr viel "Schreckgespenst" sei und ein bisschen wenig Werben für die eigenen Pläne, streckt Söder erstmal den Rücken durch. Man wolle kurz vor der Wahl noch einmal "darauf hinweisen, was drohen kann". Aber natürlich habe man ein eigenes Programm mit vielen Verbesserungen. Söder nennt mehr Wohngeld und mehr Wohnungsbau, niedrigere Steuern für die Wirtschaft, mehr Unterstützung für Alleinerziehende und noch manch andere Wohltat. Allerdings erneut ohne Hinweis darauf, wie diese finanziert werden sollen.

Auf den letzten Metern versucht die CSU also, unentschlossene Stammwähler wieder an sich zu binden. Söder setzt dabei auch auf seine guten Zustimmungswerte, obwohl er selbst nicht zur Wahl steht: "Wer meine Arbeit gut findet, der sollte auch CSU wählen", sagt er unter Verweis auf seine Tätigkeit als CSU-Chef in einem künftigen Koalitionsausschuss. Er präferiert dabei offenbar einen neuen Anlauf für ein "Jamaika"-Bündnis aus Union, Grünen und FDP. Wobei er die Liberalen schon in Richtung rot-gelb-grüner "Ampel" wähnt und den Grünen einige "Giftzähne" ziehen will, was die wiederum bestimmt nicht freiwillig über sich ergehen lassen. Am Schluss lehnt sich Söder dann doch an einen klassischen Trainerspruch an, weil er Rot-Grün schon für zu siegessicher hält: "Wer in der 80. Minute glaubt, er hat schon gewonnen, erlebt manchmal sein schwarzes Wunder." Wie heißt es unter Fußballern so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Markus Söder zum Redaktionsgespräch bei Oberpfalz-Medien

Weiden in der Oberpfalz

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