AfD wittert Betrug: Anhänger sollen Stimmauszählung überwachen

Arbeiten Bayerns Wahlhelfer nach der Methode Stalin? Die AfD fordert ihre Anhänger jedenfalls auf, bei der Auszählung zuzuschauen, um Betrug zu verhindern. Man habe bestimme Erfahrungen gemacht.

Die AfD fordert ihre Anhänger auf, beim Auszählen dabei zu sein.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Geht bei Wahlen in Deutschland alles mit rechten Dingen zu? Die Oberpfälzer AfD meldet Zweifel an und fordert Anhänger per Facebook auf, am Sonntag ab 18 Uhr den ehrenamtlichen Wahlhelfern auf die Finger zu schauen: "Josef Stalin sagte einst: 'Nicht die Stimmen auf den Wahlzetteln sind entscheidend, sondern derjenige, der sie auszählt.'" Und die AfD sieht "Sympathisanten dieses Tyrannen" wohl auch bei der Landtagswahl am Werk.

Zwar stellt der Beitrag auch fest, die "allermeisten ehrenamtlichen Helfer arbeiten selbstverständlich absolut korrekt und gewissenhaft, und leisten mit der vielen Arbeit gerade bei einer Landtagswahl einen wertvollen Dienst an der Demokratie." Vergangene Wahlen hätten aber immer wieder gezeigt, dass "in Wahllokalen auffällig viele ungültige Stimmen und stattdessen unterdurchschnittlich viele AfD-Stimmen gewertet wurden".

Wo das passiert sein soll, kann AfD-Bezirksvorsitzender Christian Paulwitz am Mittwoch am Telefon aus dem Stegreif nicht benennen. "Googeln Sie doch selbst." Allerdings verweist er auf andere Bundesländer. In Sachsen-Anhalt wich 2015 etwa das endgültige Wahlergebnis leicht vom vorläufigen ab. Solch kleinere Änderungen sind nicht ungewöhnlich - damals brachte die Korrektur der AfD tatsächlich einen zusätzlichen Landtagssitz. Für Paulwitz ist der Vorfall jedoch kein Beleg, dass das deutsche Wahlsystem mit seinen Kontrollmechanismen funktioniert - sondern ein Anlass, einen Verdacht in dem Raum zu stellen. Auch aus Bayern seien ihm Ungereimtheiten bekannt, bei denen die AfD hätte benachteiligt werden sollen. Wo dies passiert sein soll und weshalb die Fälle nicht der Polizei gemeldet worden sind, kann er dann aber nicht schlüssig erklären.

Nicht nur in der Stadt Amberg fehlt das Verständnis für solche Verdächtigungen und Vergleiche mit sowjetischen Diktatoren. Es sei selbstverständlich, dass Wahlen öffentlich ausgezählt werden, erklärt Sprecherin Susanne Schwab. Die Möglichkeit werde von Bürgern auch wahrgenommen. Weshalb die AfD in den Raum stellt, Wahlhelfer würden Wahlen manipulieren, sei nicht nachzuvollziehen. Leichter ließe sich für korrekte Wahlen ohnehin sorgen, wenn man sich als Wahlhelfer einbringt. Die Bereitschaft zu dem Ehrenamt gehe zurück, die Verantwortlichen in den Rathäusern wären froh, wenn sich Freiwillige finden würden, sagt Schwab. Tatsächlich habe der stellvertretende Wahlleiter in Amberg einen AfD-Funktionär hierauf auch hingewiesen. Gemeldet habe sich niemand aus der Partei.

Angemerkt:

Ein Facebook-Post beispielhaft für das Problem der AfD: Vielsagend fordert die Partei Anhänger auf, am Sonntag die Auszählung der Landtagswahl zu überwachen. Schließlich habe schon Stalin gewusst, wie sich dabei eine Wahl noch umbiegen lässt. Darauf angesprochen beteuert der AfD-Bezirkschef, dass Bayern durch den Beitrag nicht mit der Sowjetunion gleichgesetzt werden soll. Und es werde auch keine ehrenamtlichen Wahlhelfer pauschal verdächtigt.

Dabei weiß er genau, dass der Eintrag beides sehr wohl tut, daran ändert der halbherzige Dank an „die vielen ehrlichen Wahlhelfer“ nichts. Liegt ein konkreter Verdacht vor, muss die AfD die Polizei einschalten. Andernfalls sind solche Beiträge nichts anderes als Verschwörungstheorie, die die bald 70 Jahre alten Fundamente dieses Landes untergraben, das der AfD angeblich doch so wichtig ist.

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Kommentare

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Joachim Schmidt

"Googeln Sie doch selbst."
Exakt, der mündige Bürger kann dies heute selbst prüfen! Wobei statt Google lieber auch andere Suchmaschinen empfohlen sind, da die Suchergebenisse stark manipuliert werden - was Google auch zugibt (Google Bias EXPOSED in Leaked Video).

Jeder kann und sollte selbst die Unstimmigkeiten bei der Briefwahl 2017 (stets zu Lasten der AfD) selbst mal kurz im Internet recherchieren und er merkt, dass es eben nicht nur "Verschwörungstheorien" sind.

Zur Verwendung des Begriffs Verschwörungstheorie sei nur auf folgende Erklärung von Mausfeld verwiesen, der Verwender enlarvt sich nämlich stets selbst:

Der politische Kampfbegriff der Verschwörungstheorie lässt sich noch kürzer abhandeln. Er ist jenseits einiger oberflächlich-deskriptiver Aspekte ohne jede ernsthafte intellektuelle Substanz und erschöpft sich weitgehend in seiner ideologischen Verwendung als Diffamierungsbegriff. Das hat freilich den Vorteil, dass sich die intellektuellen und journalistischen Bannwarte der Macht leicht daran erkennen lassen, dass sie großzügigen Gebrauch von ihm und anderem staatlich anerkannten Diffamierungsvokabular machen.

11.10.2018
Volker Hendl

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! Die großen Parteien haben ja wirklich riesen Angst das die AFD zu viele Stimmen bekommt.

11.10.2018
Tobias Punzmann

Muss schon schlimm sein, in einem Land voller Wahlfälscher, Messerstecher, Vergewaltiger, Lügenpresse und Muselmanen zu leben! Das macht wohl paranoid!
Oder bauen sie schon vor, falls sie wider ihr eigenes Erwarten am Sonntag nicht die 50+X schaffen, das selbsernannte "Volk"?
Grad in Neustadt haben sie auch nicht unbedingt wie die Mehrheit ausgeschaut. Aber immer noch zu viel - jeder einzelne.

10.10.2018

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