Angriff auf Geldautomaten: Sprengstoff statt EC-Karte

Wer auf die Schnelle Geld braucht, geht zum Geldautomaten. Immer häufiger tun das auch Kriminelle. Oft machen die Täter viel Schaden, aber keine Beute.

Brand in einer Sparkasse in Regensburg. Unbekannte wollten einen Geldautomaten sprengen.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Der Trend geht zur Sprengung: Immer häufiger setzen Kriminelle auf rohe Gewalt, um schnell ans große Geld zu kommen. Erst am vergangenen Freitag explodierte in Bayreuth ein Geldautomat, die Täter flohen ohne Bargeld, die Schadenshöhe war zunächst noch unbekannt.

Auch in der Oberpfalz hatten es die Ermittler im vergangenen Jahr mehrfach mit ähnlichen Fällen zu tun. Sechs Vorfälle sind seit März 2018 in der Polizeistatistik vermerkt, bei denen es die Täter auf Geldautomaten abgesehen hatten. Dreimal wurde dabei gesprengt, zweimal gespreizt und einmal der Automat mit einem Schneidbrenner bearbeitet (siehe Infokasten). Eine weitere beliebte Methode kam in der Oberpfalz bisher nicht vor: Oft werde der Automat mit Stahlseil und Auto aus der Verankerung gerissen, erklärt der Sprecher der Oberpfälzer Polizei, Florian Beck.

Auffällig: Die Methoden sind nicht besonders erfolgversprechend, sorgen aber fast immer für hohen Schaden. Nur bei zwei der sechs Vorfälle konnten die Täter tatsächlich mit Geld fliehen. Lange Freude hatten die Automatenknacker von Immenreuth (Landkreis Tirschenreuth) und Trabitz (Landkreis Neustadt) aber nicht. Bei einem weiteren Einbruch in Oberfranken nahm die Polizei eine Gruppe aus dem Kosovo fest, der die Beamten auch diese beiden Taten nachweisen konnten.

Dagegen fehlt bei den vier anderen Vorfällen noch jede Spur von den Tätern. Das gilt auch für den spektakulärsten Fall: Am 13. September 2018 leiteten Unbekannte Gas in einen Automaten in einer Regensburger Sparkassenfiliale. Als sie das Gas zur Zündung brachten, explodierte nicht nur der Automat - das halbe Haus flog in die Luft. Auf 1,6 Millionen Euro schätzte die Polizei damals den Schaden, zwei Bewohner verletzen sich leicht, weil sie Rauchgas vom folgenden Brand einatmeten.

"Den Tätern fehlt oft die nötige Erfahrung. Das macht diese Vorfälle besonders gefährlich für Unbeteiligte", sagt Polizeisprecher Beck zu den offensichtlichen Schwierigkeiten bei der Dosierung in diesem Fall. Auch bei einem Vorfall in Gebenbach (Landkreis Amberg-Sulzbach) gefährden die Täter Unbeteiligte. Beim Versuch, einen Automaten mit dem Schweißbrenner zu öffnen, entfachen sie einen Brand. Die Feuerwehr muss anrücken, es entstehen 50 000 Euro Schaden. Auch hier verschwinden die Täter ohne Beute.

Die Erfahrung aus dem Bundesgebiet zeige, dass die Täter oft aus dem Ausland einreisen, sagt Beck. Und man könne sogar die Vorgehensweise räumlich zuordnen: Wenn gesprengt wird, seien meist "Tätergruppen aus den Niederlanden (Herkunft vorrangig aus den Maghreb-Staaten), polnische sowie auch moldawische Täter verantwortlich", erklärt Beck in einer schriftlichen Antwort. "Im Zusammenhang mit dem Modus Hebeln bzw. Spreizen sind insbesondere Tatverdächtige albanischer bzw. kosovarischer Herkunft stark vertreten."

1,6 Millionen Euro Schaden

Zu möglichen Zusammenhängen zwischen den Taten lasse sich pauschal kaum etwas sagen, erklärt Beck weiter. Aber der Fall von Immenreuth und Trabitz zeige, dass es immer wieder Serien gebe, hinter denen die selben Banden stecken. Abwägend gibt sich Beck auch bei der Frage, ob es sich bei den Tätern um Spezialisten und Experten handelt. Für den richtigen Umgang mit Sprengstoff "ist grundsätzlich schon ein gewisses Fachwissen erforderlich". Allerdings zeigen die sechs Fälle in der Oberpfalz, dass manche Kriminelle versuchen, dieses Wissen durch "rücksichtslose Gewalt" zu ersetzen. "Dies ist auch an den angerichteten Schäden an den jeweiligen Tatorten erkennbar", erklärt Florian Beck weiter.

Pure Gewalt

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.