Automatenraub: Wo ist die Beute?

Das kann doch nicht wahr sein: Die Beute ist weg. 25 000 Euro aus dem Trabitzer Bankautomaten hatte einer der Räuber in seinem Bad im Haus in Niedersachsen. Dann kam er in Haft. Und das Geld? Weg.

Die sichergestellte Beute aus Oberkotzau: über 224000 Euro. In Trabitz erbeuteten die Täter rund 64000, in Immenreuth 93000 Euro. Ein Großteil ist ausgegeben, ein Teil bleibt verschwunden.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Insgesamt 157 000 Euro haben die Automatenknacker zum Jahreswechsel 2018/2019 in Banken in der Oberpfalz und Oberfranken erbeutet. Die zwei Haupttäter (27 und 40) teilten fifty-fifty. Der 27-Jährige sagt, er habe erst durch die Akten erfahren, dass die Polizei sein Gelddepot bei der Durchsuchung gar nicht entdeckt habe. Das Geldbündel steckte nach seinen Angaben in einem Hohlraum beim Wasserboiler.

Daraufhin wurden seine Mutter und eine Freundin beim Vermieter vorstellig. Sie forderten Zugang zum Bad, wogegen sich der Bremer anfangs sträubte. Letztlich sei ihnen durch einen Vorwand der Zutritt gelungen. Nur: Die Damen fanden - nichts. Im Versteck unter den Fliesen war nichts mehr. Der Räuber vermutet nun, selbst beklaut worden zu sein.

Vermieter "weiß von nichts"

Und zwar vom Vermieter. Dieser könnte zufällig auf die in Plastik gewickelten Banknoten gestoßen sein. Nach dem überstürzten "Auszug" (der Festnahme in Bayern) musste der Wasserzähler abgelesen werden. Am Montag knöpft sich die 1. Strafkammer am Landgericht Weiden den Vermieter des 240-Quadratmeter-Anwesens im Bremer Hinterland vor. Der schwerhörige 57-Jährige ist ahnungslos. Vielleicht tut er auch nur so. Das bleibt sein Geheimnis. Er habe "keine Ahnung" dass "da irgendwo Geld liegen soll". "Ich habe nichts gefunden." Die Mutter seines Ex-Mieters habe mal im Bad herumgekramt. "Aber ich weiß von gar nichts." Den Wasserzähler habe ein Zwangsverwalter abgelesen: "Mir saß selbst die Bank im Nacken."

Das Gericht lässt ihn ziehen. Dafür geht es ansonsten zügig voran im Prozess gegen die Automatenknackerbande aus dem hohen Norden. Inzwischen sind alle drei Angeklagten geständig. Zwei Täter (27 und 40) waren nach Bayern gefahren, um gemeinschaftlich die Automaten zu plündern. Am Montag gibt nun auch der Dritte - der kleine Bruder (25) - zu, von den Coups gewusst zu haben: Er mietete für die Fahrten einen VW California oder verlieh den VW Golf seiner Freundin. Diese junge Frau, inzwischen seine Verlobte, sitzt jeden Verhandlungstag im Zuhörerraum des Landgerichts.

Zwei Freundinnen am Start

Das junge Glück wird am Montag kurz getrübt, als das Gericht eine weitere Freundin dieses Angeklagten vernimmt. Die Schülerin (heute 18) unterhielt über ein Jahr eine sexuelle Beziehung zu dem 25-Jährigen. Und zwar genau zu der Zeit, als dieser längst mit der Golf-Besitzerin zusammenwohnte. Das Mädchen, damals 16, hatte ihn über die lokale Dating-App "spotted" gefunden (Motto: "Flirt verpasst? Lerne Leute kennen, die dir über den Weg gelaufen sind"). Sie habe gewusst, dass der Angeklagte weitere Frauen hatte. Trotzdem war sie enttäuscht, als er sich Anfang 2019 urplötzlich nicht mehr meldete (die Festnahme in Bayern). Sie weiß im Prinzip nichts über die Lebensumstände ihres "Lovers".

Die Verlobte bleibt gelassen. In einer Pause gibt's Küsschen für den Untreuen. Dieser kann auf Bewährung hoffen. Das Gericht geht nach einem Verständigungsgespräch zwar weiter von einer bandenmäßigen Begehung aus, möglicherweise werden aber gescheiterte Aufbruchsversuche gestrichen. Für die Haupttäter bleibt es dicke: Der 40-jährige, mehrfach vorbestrafte Arber G. muss mit 6,5 bis 7 Jahren rechnen, sein Cousin mit 4,5 bis 5 Jahre. Das Duo war mit der gleichen Masche schon einmal in der Schweiz erwischt worden.

Wenn alles nach Plan läuft, kann womöglich noch vor Weihnachten plädiert werden.

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