Ein Bild, das durchaus nötig war

Der Artikel trug den Titel "#Aufgeschreckt". Johannes D. aus München hat er tatsächlich aufgeschreckt. Er schrieb an uns.

Der Stein des Anstoßes: diese Porträtaufnahme des CSU-Landtagsabgeordneten Tobias Reiß.
von Jürgen Kandziora Kontakt Profil
  • Die E-Mail des Lesers:

"Als langjähriger Leser Ihrer Zeitung frage ich mich schon manchmal, ob die - bewusste oder unbewusste - Nähe Ihres Blattes zur CSU nicht (...) doch etwas zu sehr augenfällig wird. Beispiel heute, S. 5, Rubrik Landespolitik: Ein Bericht über die CSU-Kampagne ,ichbincsu' ist als solcher nicht zu kritisieren - aber ein Wahlkampffoto eines Landtagsabgeordneten, keine drei Monate vor der Landtagswahl, in Großformat abgedruckt, ist das wirklich nötig, um über die Kampagne zu berichten? Solche großformatigen Kampagnenfotos hätte ich eher im Bayernkurier erwartet. Gerne würde ich die Meinung der Redaktion bzw. den Entscheidungsgang für diese prominente Platzierung offengelegt wissen."

  • Antwort des Leseranwalts:

"Es ist für mich immer wieder hochinteressant, wie unser Blatt von den Lesern wahrgenommen wird. Dieser Tage wurde uns beispielsweise vorgeworfen, inzwischen zu ,linksliberal' zu sein und nur auf der CSU herumzuhacken. Sie erkennen eher das Gegenteil. Ich wage zu behaupten: Wie ein Leser eine Berichterstattung wahrnimmt, hängt zu einem nicht unbedeutenden Teil davon ab, welche individuelle Meinung er dazu hat. (...) Über das (...) angesprochene Foto kann man (...) geteilter Meinung sein. Dieser Artikel braucht freilich eine Bebilderung. Tobias Reiß ist auch stellvertretender Sprecher der CSU-Fraktion im Landtag und damit kein x-beliebiger Abgeordneter. Man hätte den Artikel natürlich auch mit einem Konterfei von Stephan Oetzinger, Alexander Flierl oder Harald Schwartz garnieren können. Für Reiß die Wahlkampf-Werbetrommel zu rühren (...) - nein, diesen Gedanken hat die Redaktion bei der Veröffentlichung bestimmt nicht im Hinterkopf gehabt.

Ich selbst halte das Reiß-Foto übrigens für ein schlechtes, verwendet wurde es wohl auch aus dem Grund, weil darauf optisch Bezug genommen wird auf die (...) Aktion ,#ichbincsu'. Wie es zu Beginn des Artikels heißt, posten CSU-Mitglieder hier Porträt-Bilder. Insofern war es aus meiner Sicht durchaus nahe liegend, eines dieser Porträtbilder zu veröffentlichen, damit sich der Leser darunter etwas vorstellen kann."

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

A. Schmigoner

Könnte die von Leserbriefschreiber Johannes D. festgestellte CSU-Nähe einiger Artikel auch am Artikelschreiber liegen? Nach meiner Beobachtung ist bei einigen NT-Kommentatoren eine kaum verdeckte Sympathie für die CSU zu erkennen. Andere Mitarbeiter bemühen sich um objektivere Standpunkte. Die Frage bleibt, ob es sich bei der CSU-Kampagne "ich bin CSU" um einen so wichtigen gesellschaftspolitischen Vorgang handelt, der mit Großbild ausstaffiert werden musste, oder um ein parteipolitisches Manöver, um der anhaltenden und in weiten Teilen berechtigten Kritik am Sprachgebrauch der CSU Spitzenleute zu begegnen. Der Verweis auf die wichtige Funktion von Herrn Reiß (kein x-beliebiger Abgeordneter) ist abwegig. Gleiches könnten z.B. Herr Grötsch und Frau Schieder für sich in Anspruch nehmen.

04.08.2018