Nach dem inflationären Vorsitzenden-Verschleiß der letzten Jahre, will es Deutschlands älteste Partei besonders gründlich machen. Doppelt hält besser, hoffen die Organisatoren des Verfahrens, die auf eine gemischte Doppelspitze setzen. Doch auch Solo ist möglich, wie Obersatiriker Jan Böhmermann beweist, der mit seiner ironischen Kandidatur das unübersichtliche Bewerberfeld erweitert.
#Neustart 19
Ironie kann auch Juso-Chef Kevin Kühnert, selbst nicht im Rennen um den schönsten Job nach Papst, der die Kampagne "#neustart19" des durchtriebenen Politclowns augenzwinkernd lobt: "Kluge Kampagne. Das CD sieht aus wie bei einem durchschnittlichen #SPD-Ortsverein. Es fehlen noch AWO-Tischdecke und IG Metall-Cap, dann könnten die ersten Unterbezirke weich werden."
Nicht zum Spaßen ist dem Oberpfälzer SPD-Bundestagsduo Marianne Schieder und Uli Grötsch angesichts der ernsten Lage zumute, in der sich ihre Partei befindet: "Es ist nicht mein Lebensziel bislang gewesen und wird's nicht mehr", begründet Schieder, warum sie für ein heimisches Spitzenpärchen nicht zur Verfügung steht."
"Mein Platz ist im Freistaat", witzelt Bayerns SPD-Generalsekretär Grötsch, immerhin mit einem Bein in Berlin. Aber schließlich hatte auch Vizekanzler Olaf Scholz vor seiner Kandidatur eine solche ausgeschlossen. Das sei mit dem Aufwand für seine Ämter nicht zu vereinbaren.
Eine Eigenschaft würde Schieder den bisher sieben Paarungen wünschen, die die notwendige Unterstützung einer Parteigliederung genießen: "Bodenständigkeit würde ich mitbringen", sagt die Schwarzembergerin, "aber das ist ein Wahnsinnsjob, da wundere mich schon über Bewerber ohne politische Führungserfahrung."
So ganz glücklich ist die Parlamentarische Geschäftsführerin mit dem aus dem Ruder gelaufenen Nominierungsverfahren nicht: "Man kann sagen, die Geister, die ich rief, werde ich nicht mehr los." Es sei damals ja noch ein geschickter Schachzug von Gabriel gewesen, die Mitglieder zum Koalitionsvertrag zu befragen. "Wenn man aber einmal damit anfängt. ..."
Turbulente Phase
Kollege Grötsch dementiert, mit dem aufwendigen Zirkus Zeit schinden zu wollen, um den Siegern das Schlamassel der Landtagswahlen im Osten zu ersparen: "Wir haben im Parteivorstand erwogen, dass uns das so ausgelegt werden könnte. Aber es war nicht anders einzutakten." Man habe in der turbulenten Phase nach dem überstürzten Rücktritt von Andrea Nahles keine andere Möglichkeit gehabt. "Was hätten alle gesagt, wenn sich einer hingestellt und getönt hätte, ,ich mach's'?"
Da der SPD derzeit eh alles negativ ausgelegt würde - Verbleiben in der Groko oder nicht, Vermögenssteuer oder keine - befürchten die Oberpfälzer Genossen davon keine allzu negativen Effekte: "Ich drücke die Daumen, dass wir in Brandenburg die Nase vor haben." In Sachsen gingen die Uhren anders: "Wir können keine Hausbesuche machen, weil unsere Kandidaten bedroht werden." Eine weiterer Einbruch der marginalisierten SPD dort wäre aber für den gelernten Polizisten aus Waidhaus ein weiterer Beleg dafür, "dass uns die Groko unsichtbar macht."
Schieder will über mögliche Konsequenzen nicht spekulieren: "Ich gehöre zu denen, die nicht wahrsagen können", sagt sie. "Es kann sein, dass die Groko ganz infrage gestellt wird, oder dass man erst recht zeigen will, dass etablierte Volksparteien etwas auf die Reihe bringen."
Mit Kebekus ein Traumschiff-Duo
Falls alles nichts hilft, könnten sich die Genossen doch noch auf Böhmermann besinnen. Wenn das TV-Schandmaul aus Köln Ehrenfeld das Kriegsbeil mit Komikerkollegin Carolin Kebekus begräbt, hätte der alte Tanker SPD zumindest ein Kapitänsduo, dass in puncto Unterhaltung dem Traumschiff weit überlegen wäre. Allerdings könnte es dann an Matrosen mangeln, die die Drecksarbeit erledigen.













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