Die seltsame Berufsauffassung zweier Altenpfleger aus dem Landkreis Tirschenreuth hat Wellen geschlagen. Die beiden jungen Männer sind am Dienstag vom Jugendschöffengericht in Weiden zu Bewährungsstrafen und hohen Geldauflagen wegen Misshandlung Schutzbefohlener verurteilt worden (wir berichteten). Ein 21-Jähriger hatte einer 90-jährigen dementen Dame eine dicke Schicht Creme ins Gesicht geschmiert und Haarspray in den Mund gesprüht. Der 20-jährige Kollege hatte amüsiert zugesehen.
Heftiges Kopfschütteln
Das Verhalten der beiden jungen Männer hat auch beim Kreisverband Tirschenreuth im Bayerischen Roten Kreuz heftiges Kopfschütteln ausgelöst. "Die Tat unserer ehemaligen Mitarbeiter trifft uns hart und stimmt uns sehr traurig.", sagt BRK-Kreisgeschäftsführer Holger Schedl in einer Pressemitteilung.
In Abstimmung mit der Polizei erfolgte durch den Träger der Einrichtung keinerlei öffentliche Information, um die Aufklärung nicht zu gefährden. Nun meldet sich der Kreisgeschäftsführer zu Wort. Einer der Mitarbeiter war bereits ausgeschieden, bevor die Polizei eingeschaltet wurde. Der andere war anschließend suspendiert worden.
Polizei unterstützt
"Die polizeilichen Ermittlungen wurden selbstverständlich unterstützt und das Vorgehen laufend mit der Polizei abgestimmt", sagt Schedl. Betroffene Angehörige und Bewohner sowie das Personal im Seniorenzentrum Haus Ziegelanger wurden zeitnah über den Vorgang informiert. Weitere Gespräche mit den Beteiligten haben stattgefunden, um das Geschehene aufzuarbeiten. "Die Betroffenen und Angehörigen haben wir, soweit es uns möglich war, nicht allein gelassen."
Der BRK-Kreisverband Tirschenreuth, der rund 550 Menschen beschäftigt, will unter anderem in der Ausbildung dafür sensibilisieren, dass sich solche Vorfälle keinesfalls wiederholen oder gegebenenfalls sofort gemeldet werden. "Der grausame Einzelfall darf nicht dazu führen, dass all unsere Mitarbeiter, die engagiert, professionell und menschlich tätig sind, unter Generalverdacht gestellt werden."
Das BRK lehne Gewalt in jeder Form strikt ab und stehe zudem für klare Werte und Grundsätze, betont Holger Schedl. "Die Bewohner sollen sich bei uns geborgen und gut versorgt fühlen." Derartige Handlungen seien nicht zu entschuldigen. "Wir vertrauen jedoch weiterhin unseren Mitarbeitern." Im BRK-Seniorenzentrum Tirschenreuth Haus Ziegelanger leben bis zu 99 alte Menschen, die von rund 100 Mitarbeitenden gepflegt werden.

















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