Corona in Afrika: Wie ein Einkauf in der Region helfen kann

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In Deutschland gibt es ein Hilfspaket, das sogenannte Corona-Schutzschild. Nicht so in Afrika. Auf Hilfe vom Staat können etwa die Menschen in Kenia nicht zählen. Ein Blick dorthin zeigt, wie auch da Hilfe aus der Oberpfalz ankommen kann.

Annette Rösel vom Weltladen in Weiden.
von Susanne Forster Kontakt Profil

"Wir haben ja die Rettungsschirme. Die Menschen in den Produktionsländern haben keine", sagt Annette Rösel vom Weltladen Weiden. Sie erwähnt die Hilfspakete, die es in Deutschland für Unternehmen zur Bewältigung der Coronakrise gibt. Ganz im Gegensatz zu Afrika. Dort, meint Rösel, werde die coronabedingte Situation kein Rettungsschirm lösen.

"In der Woche, in der wir den Lockdown hatten, war auch einer in Afrika", erinnert sich Rösel. Teilweise seien Lieferketten ins Stocken geraten, weil Ware nicht mehr abgeholt und nicht verschickt wurde. Doch, so Rösel, einige Firmen konnte ihre Produktion umstellen und Ware liefern. Etwa ein Betrieb in Kenia, der Solidaritäts-Masken für Deutschland produziert (Hintergrund). Teilweise seien afrikanische Firmen eingeschränkt wieder geöffnet worden. In den Betriebsräumen, sagt sie, arbeiten Menschen normalerweise "eng an eng".

Weiden bekommt einen Unverpackt-Laden

Weiden in der Oberpfalz

Deshalb könne dort nicht jeder wieder an seinen Arbeitsplatz zurückkehren. "Das geht jetzt wegen der Hygienemaßnahmen nicht mehr." Das Einkommen vieler Familien falle deshalb weg. Nun fiele es schwer, jeden Familienangehörigen zu ernähren. "Die Protagonisten im fairen Handel sehen, zusätzlich zu Corona, auch ein Hunger-Problem", sagt Annette Rösel.

Situation in Kenia

"Kenia steht vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen", sagt Markus Huber, stellvertretender Abteilungsleiter International an der IHK Regensburg. Spricht aber auch davon, die Situation in ganz Afrika differenziert zu betrachten: "Jedes Land in Afrika geht anders mit Corona um." Laut einem Bericht der German Trade and Invest (GTAI), der Außenwirtschaftsagentur der Bundesrepublik Deutschland, die etwa ausländische Unternehmen bei ihrer Ansiedlung in Deutschland unterstützt, dauere der Lockdown in Kenia wegen des Virus noch bis Juli. Auch von Arbeitsplatzverlust in Kenia ist die Rede.

Der GTAI zufolge befinden sich Absatzmärkte für kenianische Exportgüter wie Schnittblumen, Tee und Kaffee in einer Krise. Auch für die Bekämpfung der Corona-Pandemie würden in Afrika neben Beatmungsgeräten vor allem etwa Masken, Schutzanzüge, Laborchemikalien und Handschuhe fehlen. Am 17. Juni meldet die World Health Organization insgesamt 3860 bestätigte Covid-19-Fälle in Kenia. Laut einer Auswertung von "statista" liegt die Gesamtbevölkerung Kenias im Jahr 2020 bei rund 50 Millionen Personen.

"Hilfe, die konkret ankommt"

Am gestrigen Freitagnachmittag waren in Kenia laut Johns-Hopkins-Universität 4257 Corona-Fälle bekannt. Laut einem Bericht von "ZDF heute" gibt es in Afrika die meisten Fälle in der Hauptstadt Nairobi, im Stadtteil Kibera, dem größten Slum des Landes. Aus dem Bericht geht hervor, dass die Afrikanische Union (ein Zusammenschluss afrikanischer Staaten) angekündigt habe, in den nächsten Monaten eine große Zahl an Tests durchzuführen - eine Herausforderung seien oftmals schlecht ausgestattete Gesundheitssysteme. "Eine massive Ausbreitung der Pandemie träfe Kenias Gesundheitssektor unvorbereitet", meint die GTAI. Zudem fehlen Mittel für Konjunkturprogramme."Hilfe, die konkret ankommt"

"Mit dem Geld, das ich ausgebe, besteht die Möglichkeit, etwas Positives zu bewirken", sagt Annette Rösel. "Hilfe, die konkret ankommt", das könne etwa der Kauf von Fairtrade-Produkten leisten, meint sie. Die Händler, die fairen Handel betreiben und dafür zertifiziert sind, gewähren den Produzenten, etwa in Afrika, Lohnvorauszahlungen oder Kredite, erklärt sie. "Um Aufbauhilfe zu leisten. Gerade auch jetzt in so einer Krisensituation wie Corona." Es sei für die Menschen in den Produktionsländern "eine Garantie, dass es nach der Krise weitergeht".

Bernd Wohlgut aus Pressath war schon mehrmals in Äthiopien in Afrika – zuletzt im Februar. Im Interview erzählt er davon:

Pressath
Hintergrund:

Fairtrade-Waren

Mit einer "1 + 1 = Solidarität"-Maske, die in Kenia unter fairen Bedingungen produziert wurde, kauft man nicht nur ein Exemplar für sich selbst: "Für jede produzierte Maske wird eine weitere an eine bedürftige Person in Nairobi verschenkt", erklärt Annette Rösel.

Im Supermarkt erhältliche, fair gehandelte Waren erkennt man etwa am Fairtrade-Siegel. Das ähnelt dem "Yin und Yang"-Zeichen. Dieses grün-blaue Siegel auf schwarzem Hintergrund sei "sehr glaubwürdig", sagt Rösel in Bezug etwa auf die Arbeitsbedingungen oder die Bezahlung der Menschen. "Fairtrade Deutschland" nennt als Beispiele für fair gehandelte Produkte etwa Kaffee, Tee, Kakao, Blumen, Kosmetik oder Textilien. Fair gehandelte Produkte gibt es auch in Eine-Welt-Läden. Die gibt es etwa in Tirschenreuth am Maximilianplatz 28, in Weiden in der Türlgasse 16, in Amberg in der Ziegelgasse 3, in Nabburg am Oberen Markt 34 oder in Sulzbach-Rosenberg am Luitpoldplatz 6.

Kommentar:

Fair – ist gar nicht schwer

Es ist eigentlich ganz einfach, beim Gang durch den Supermarkt darauf zu achten, was auf der Verpackung der Waren steht. Es könnte helfen, sich beim Einkauf folgende Dinge bewusst zu machen: Wo kommen die Waren eigentlich her? Wo und unter welchen Bedingungen wurden die Produkte hergestellt? Denn das, was ich kaufe, landet später etwa auch auf meinem Teller.
Klar darf man einkaufen, was das Herz begehrt. Doch wer die Auswahl hat, trägt auch Verantwortung. Mit meiner Entscheidung nehme ich Einfluss. Das hat mir der Geschäftsführer einer Oberpfälzer Firma erklärt. Sein Unternehmen wertet aus, was eingekauft wird. Dadurch bestimmt Nachfrage das Angebot.
Jeder kann sich bei seinem Einkauf also entscheiden. Etwa, zu regionalen Produkten oder Waren aus gerechtem Handel zu greifen. Denn jeder kann etwas bewirken.

Susanne Forster

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