Digitaler Neustart mit Hanf-Riegel

OTH-Professor Patrick Sassmannshausen warnt vor einem Ende der fetten Jahre: Mit der Digitalen Gründerinitiative will er neue Impulse in der Oberpfalz setzen.

Jakob Graf, Isabella Voit und Matthias Coufal (von links) vom Regensburger Start-up Hans Brainfood.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Sind die fetten Jahre vorbei? Professor Patrick Sassmannshausen warnt bei der Vorstellung der Digitalen Gründerinitiative Oberpfalz (DGO) im Weidener E-House: "Bei den Arbeitsmarktdaten der Region Weiden stellen wir einen überraschend deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit auf über 4 Prozent fest."

Doch Sassmannshausen, Professor für Betriebswirtschaft und Entrepreneurship an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg, kam nicht zum gemeinsamen Themenabend der Akademie Ostbayern-Böhmen und der OTH Amberg-Weiden, um unter den rund 30 Gästen Zukunftsangst zu verbreiten: "Wegen der starken Dominanz der Automobil- und Zulieferindustrie, die schwächelt, muss die Oberpfalz diese Herausforderung annehmen."

Nahrung fürs Hirn

Im Rahmen der Vortragsreihe "Unsere Region im Wandel" fordert der im irischen Wexford geborene Betriebswirt: "Wir müssen die Kostenstrukturen verbessern." Angesichts der staatlich massiv geförderten E-Mobilität, die Sassmannshausen kritisch sieht, müsse die Region neue Wege beschreiten. Deshalb unterstützt die Digitale Gründerinitiative Oberpfalz (DGO) mit Gründerzentren in Regensburg, Amberg und Weiden, Gründer mit digitalen Erfolgsmodellen.

Eines davon, das sich vor allem des elektronischen Handels bedient, ist auf den ersten Blick alles andere als digital: "Ich habe hier einen Proteinriegel aus den Samen der Hanfpflanze", zeigt Sassmannshauen seine proteinreiche Gehirnnahrung: "Hans der Riegel als Markenname wurde wegen Haribo abgelehnt", sagt er süffisant. Die zwei ehemaligen Regensburger Studenten Matthias Coufal und Jakob Graf einigten sich dann auf Hans Brainfood und stellten die mentale Doping-Schnitte auf der Food & Life in München vor. Das Superfood aus der Oberpfalz soll laut Erfindern die Konzentration unterstützen. "Und das ohne Zusatzstoffe, sondern komplett auf natürlicher Basis", erklärt Coufal. "Wir greifen auf Hanfsamen zurück, weil sie sehr hohe Mengen an Omega-3-Fettsäuren, Eisen, Magnesium und so einige Vitamine enthalten", ergänzt Graf, "die wichtigsten Nährstoffe für das Gehirn."

Zugegeben, räumt Förderer Sassmannshausen ein, der Anbau der verdächtigen Pflanze auf dem Bio-Hof von Bruder Josef Coufal, habe anfangs etwas für Irritationen gesorgt: "Das ist praktisch THC-freier Hanf, aber es gibt immer wieder welche, die das rauchen, und die Polizei kontrolliert regelmäßig, dass keine Rauschmittel gepflanzt wurden." Solche Hürden müsse man im ländlichen Raum halt überspringen: Dafür steht am Ende des jahrelangen Entwicklungsprozess ein regionales Bio-Produkt, das im E-Commerce reüssiert.

Professor Patrick Sassmannshausen fordert eine neue Gründerzeit.

Gegner der "Journalmania"

Sassmannshausen, Chef des Start-up centers in Regensburg, freut sich auf jede Idee seiner Studenten. Aber er rät auch zu Realismus: "Es fällt mir nicht leicht, einem begeisterten Gründer in spe ehrlich zu sagen, dass sein Ansatz Mist ist", sagt der 47-Jährige. "Aber besser gleich zu Beginn, als erst dann, wenn er das Projekt an die Wand gefahren hat." Der Wissenschaftler in ihm ist übrigens gar kein so großer Fan der unbedingten Vewertungsmentalität: "Die Grundlagenforschung ist zurückgegangen." Der Staat lenke die Mittel dahin, wo er meint, dort müsse die Zukunftslösung sein.

"Hätte man eine halbe Milliarde Euro in die Brennzelle investiert anstatt in die E-Mobilität, wäre das vielleicht die Lösung geworden." Die "Hybris der Vernunft" nennt er so etwas nach Wilhelm Röpke: "Das führt zum Verlust akademischer Unabhängigkeit." Die Wissenschaftler von heute würden immer stärker in eine "Journalmania" getrieben: "Vor lauter Kurzbeiträgen in Fachzeitschriften, mit denen sie sich profilieren, komme die theoretisch-konzeptionelle Arbeit zu kurz.

Gründerinitiative Oberpfalz :

Doping für Start-ups in Amberg und Weiden

Philipp Hermannsdorfer, Chef der digitalen Gründerzentren in Amberg und Weiden, ist Ansprechpartner für digitale Unternehmer von morgen. 30 Gründer und Gründungswillige kamen in 2018 zur DGO. „In diesem Jahr hatten wir bis jetzt schon 50“, sagt Hermannsdörfer.

„Wir bieten Gründern einen Coworking Space für 100 Euro im Monat Nebenkostenpauschale“, lädt er ein. „In Amberg sind noch drei Plätze frei, in Weiden vier.“ Neben dem praktischen Nutzen, biete der Anschluss an andere Gründer weitere Vorteile: „Erhebungen zeigen, dass die Überlebenschancen der Start-ups in Netzwerken größer sind.“

www.digitale-oberpfalz.de

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