Echter "Eberhofer" zahlt für falschen "Eberhofer"

Was ist echte Freundschaft? Wenn man den Spezl auch im Regen nicht stehen lässt. Der Vohenstraußer Postbote, der für sein Eberhofer-Kostüm eine Geldstrafe kassierte, bekommt Schützenhilfe von allen Seiten. Auch vom "echten" Eberhofer.

Der Angeklagte Markus Schmid (links) und Andre Hilburger bei ihrem Gerichtstermin.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Bei Markus Schmid klingelte am Montagvormittag um 11 Uhr das Telefon. Die Produktionsfirma Constantin aus München informierte ihn, dass eine Gruppe rund um Schauspieler Sebastian Bezzel und Bestsellerautorin Rita Falk die Geldstrafe von 450 Euro übernehmen wolle, dazu alle weiteren anfallenden Kosten. Gleichzeitig lädt das Filmteam den falschen „Eberhofer“ Markus Schmid und seinen Kumpel Andre Hilburger alias „Birkenberger“ zur Kinopremiere des kommenden Eberhofer-Films 2020 auf den roten Teppich ein. Titel: „Kaiserschmarr’ndrama“.

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Vohenstrauß

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Moosbach

Zusätzlich bekommen die beiden Kumpels Schützenhilfe aus dem Altlandkreis Vohenstrauß. Ein „Sympathisant“ hob noch am Freitagabend eine Facebook-Fundraising-Aktion aus der Taufe. Bis Montagmittag waren 185 Euro beisammen. Den Erlös würde Markus Schmid jetzt gern anderweitig verwenden: mit einem „Leberkasfestl“ in Moosbach für alle Unterstützer – „solange der Vorrat reicht“. Mit Bürgermeister Hermann Ach habe er schon gesprochen. Der Rathauschef war am Freitag auch zur Verhandlung beim Amtsgericht Weiden gekommen.

Wie berichtet hatte sich der 24-Jährige am Freitag vor dem Amtsgericht Weiden verantworten müssen, weil er als Filmfigur „Eberhofer“ – in einer alten Polizei-Lederjacke – beim Moosbacher Weiberfasching herumgelaufen war. Ein Polizeibeamter hatte ihn deshalb am frühen Morgen am Schlafittchen.

Der 24-Jährige kassierte in der Folge einen Strafbefehl über 60 Tagessätze à 30 Euro (1800 Euro) wegen Amtsanmaßung und Titelmissbrauch. Er legte Einspruch ein und hatte sich am Freitag vor dem Amtsrichter einen Freispruch erhofft. Daraus wurde nichts: Die Staatsanwaltschaft blieb hart, war mit einer Einstellung nicht einverstanden. Am Ende einigten sich die Parteien auf eine Beschränkung des Einspruchs auf den Rechtsfolgenausspruch. Es blieb beim Strafbefehl wegen Titelmissbrauchs, zumindest die Zahl der Tagessätze wurde von Richter Dennis Herzog auf 15 reduziert, also auf 450 Euro Strafe.

Mit Verfahrens- und Anwaltskosten dürften sich die „Ausgaben“ für den Postzusteller auf rund 1300 Euro summieren. Ein happiger Preis für eine Faschingsgaudi. Markus Schmid kann indessen längst wieder scherzen. „Inzwischen wäre es fast an der Zeit, mich bei dem Polizisten zu bedanken.“

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