Einsam wegen Coronavirus: Immer mehr Anrufe bei der Telefonseelsorge

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Oberpfälzer fragen sich, was das Coronavirus konkret für ihr Leben bedeutet. Viele sind einsam, einige haben Angst. Manche wählen die Nummer der Telefonseelsorge Nordoberpfalz - und sprechen mit Friedrich Dechant. Der macht in diesen Tagen vor allem eines: Beruhigen.

Jederzeit ein offenes Ohr: Nadine Röckl-Wolfrum und Friedrich Dechant, Leiter der Telefonseelsorge Weiden.
von Maria Oberleitner Kontakt Profil

Friedrich Dechant, Leiter der Telefonseelsorge Nordoberpfalz beruhigt in den letzten Tagen vermehrt auch Anrufer, die sich mit ihrer Verunsicherung zum Thema Corona an die Seelsorge wenden. "Viele möchten über ihre Angst reden, möchten wissen, mit welchen Einschränkungen sie in den nächsten Tagen und Wochen zu rechnen haben", sagt Dechant.

Dechant versucht sie zu beruhigen: "Im Prinzip kann ich auch nichts anderes sagen als die Bundeskanzlerin: Ruhe bewahren."

Einsamkeit, Unsicherheit und Angst seien die beherrschenden Themen dieser Tage. Laut einer Statistik, auf die sich Dechant beruft, steigen die Anrufe, die sich um das Thema Corona drehen, bundesweit an. Während sich vor einer Woche noch rund fünf Prozent aller Anrufe um das neuartige Virus gedreht hätten, seien es inzwischen mehr als 25 Prozent. 104 Seelsorge-Dienststellen nehmen bundesweit täglich 2700 Gespräche entgegen - in rund 675 von ihnen geht es ums Thema Corona. Vor allem Frauen beschäftigt das Virus laut Statistik: 72 Prozent der Anrufer sind weiblich. Mit Ängsten hätten demnach eher Menschen zwischen 50 und 79 Jahren zu kämpfen, mit Einsamkeit eher die über 80- und auch die unter 40-Jährigen.

Tun, was Spaß macht

Was definitiv nicht gegen Einsamkeit hilft? "Alkohol und selbst verschriebene Beruhigungsmittel", sagt Dechant. Er empfiehlt Ablenkung: Etwas tun, an dem man Spaß hat, wobei man kreativ sein kann. Und: Kontakte pflegen. Allerdings besser, ohne sich dabei gegenüberzusitzen. Deshalb: Skypen, chatten, mailen oder telefonieren. "Niemand muss ganz auf soziale Kontakte verzichten - auch, wenn er in Quarantäne ist." Ohne soziale Kontakte sei auch der Weg in eine Depression kürzer. Unter den Nummern 0800/1110 111 oder 0800/1110 222 bietet die Telefon-Seelsorge Nordoberpfalz ein offenes Ohr für Probleme an - rund um die Uhr.

75 Ehrenamtliche

"Wir haben alle unsere Veranstaltungen bis zum Ende der Osterferien ausgesetzt", sagt Dechant. Vor allem, erklärt er, um die Seelsorger, die am Telefon oder per Mail Menschen betreuen, zu schützen. 75 Ehrenamtliche sind zuständig für die Seelsorge - auch diese wurden gebeten, ihre sozialen Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren.

Ruhe bewahren: Das empfiehlt Dechant auch für die nächsten Wochen. "Was uns erwartet, ist wie fünf Wochen Ferien." Das sei wie Sommerferien - nur ohne Ausflüge ins Kino und ins Schwimmbad. "Die nächste Zeit wird eine Herausforderung für Kinder und Eltern", vermutet Dechant.

Sie haben Kummer oder Angst? Greifen Sie zum Telefon.

Amberg
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