Auch Eltern streiken für das Klima

Da rockt eine Generation Politik, Medien und Gesellschaft, und die Alten schauen zu? Dabei wollen es die "Parents for Future" nicht bewenden lassen. Zum großen Klimatag am Freitag rufen sie nicht nur Eltern zum Protest auf.

„Fridays for Future“-Aktivisten Tim Ramm (links) und Lukas Prölß (vorne rechts) bekommen Unterstützung durch die „Parents for Future“ mit Magdalena Becher (Mitte) und Anna Süß (rechts).
von Jürgen Herda Kontakt Profil

"Ich bin ja nicht nur Mutter," sagt Anna Süß, "sondern auch mehrfache Oma." Und sie ist stolz auf die jungen Leute, die es in kurzer Zeit geschafft hätten, den Klimaschutz zum politischen Thema Nummer 1 zu machen. "Da kommt jetzt keine Partei mehr dran vorbei", freut sich die Weidenerin, "und ich finde, dass wir Älteren endlich mal zeigen sollten, dass wir hinter ihren Forderungen stehen." Schließlich stehe deren Zukunft auf dem Spiel.

Noch keine Mutter, aber gestandene Akademikerin ist Magdalena Becher. "Ich habe nach einer Whats-App-Gruppe für ,Parents for Future' gesucht und immerhin eine in der Oberpfalz gefunden." An die 20 Mitglieder habe die. Die Slawistin versucht jetzt, ein größeres Netzwerk zu knüpfen: "Wir haben uns mit Ali Zant von Greenpeace zusammengesetzt, der uns sein Büro für Treffen zur Verfügung stellt." Auch Herbert Schmidt unterstütze die klimabewegten Erwachsenen mit seinen vielfältigen Kontakten zu Oberpfälzer Initiativen wie "Weiden ist bunt". Er half auch, Gelder für Plakate zu beantragen.

Wasser bis zum Hals

Bei einer Aktion im Weidener Schätzlerbad habe die muntere Seniorengruppe schon medienwirksam eine Welle ausgelöst: "Uns steht das Wasser bis zum Hals" haben die findigen Freitagseltern ins Bild gesetzt. "Die Idee war, dass sich die Eltern der Schüler solidarisch zeigen", sagt Becher lachend, "aber natürlich sind wir für alle offen, Großeltern, Onkel, Tanten und Schwippschwager." Und wer am 20. September partout nicht könne, dürfe sich trotzdem melden: "Wir haben ja noch viel vor."

"Das finden wir super, dass jetzt auch Ältere mitmachen", freut sich der Weidener FOS-Schüler Lukas Prölß. "Oberbürgermeister Kurt Seggewiß hat versprochen, dass er kommt, wenn die Veranstaltung nicht am Vormittag ist." Den Vorwurf, dass das Klima nur Vorwand fürs Schuleschwänzen sei, hält Kepler-Gymnasiast Tim Rammfür absurd: "Die letzte Demo war auch schon nach der Schule um 13 Uhr, und trotzdem gab's die gleichen Vorwürfe." Prompt hätten sich außerdem die Befürchtungen der Veranstalter bewahrheitet: "Es gab weniger Presse, weil es nachmittags war."

"Krieg mit der Umwelt"

Die Hoffnung der Schüler: "Diesmal hat ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis - vom ADFC bis zur Welthungerhilfe - zum Klimastreik aufgerufen: "Wir hoffen, dass viele Arbeitgeber in der Region ihren Mitarbeitern freigeben", sagt Anna Süß, "und wenn nicht, kann man an diesem Tag Überstunden abbauen oder sich freinehmen." Dass die Weidener Jugendlichen keine Freizeit für ihr Anliegen opfern würden, kann man ihnen jedenfalls nicht nachsagen: "Wir haben die gesamten Sommerferien über geplant", erzählt Lukas Prölß, "Banner gemalt, uns wöchentlich zum Organisieren getroffen."

Und zu tun gebe es noch genug, um diesen "Krieg mit der Umwelt" endlich zu beenden. "Die Parteien wanzen sich zwar an uns ran, aber gemacht haben sie bisher nicht wirklich etwas." Die Bewegung möchte weiter überparteilich bleiben, um möglichst viele Erwachsene zu überzeugen, die den Vorteil hätten, wählen zu dürfen. "Schließt euch uns an und seid Vorbild", appelliert Prölß, "man kann öfter aufs Auto verzichten, den ÖPNV nutzen, Plastik weglassen und sich mit unseren Zielen beschäftigen."

Fünfmal wurde auch in Amberg schon zum Klimastreik gerufen, am Freitag, 20. September, demonstriert "Fridays for Future" erneut. Auch dort sind Erwachsene als Teilnehmer ausdrücklich willkommen.

Weiden protestiert und singt am Freitag, 13 Uhr:

Appell ans Klimakabinett

Am kommenden Freitag sollen auch Arbeitnehmer weltweit fürs Klima streiken, gemeinsam mit den Schülern, die das schon seit Monaten jede Woche tun. Deutschlandweit sind für den 20. September bereits 300 Demonstrationen angemeldet – und das ist auch der Tag, an dem in Berlin das Klimakabinett seine Beschlüsse vorlegen will. „Wir hoffen, dass wir auch in Weiden die bisher größte Kundgebung auf die Beine stellen“, sagt Anna Süß, eine Mutter und Großmutter für die Zukunft. „350 waren bei der bisher größten, es wäre toll, wenn wir mit Unterstützung aller Initiativen diesmal 3000 Oberpfälzer vors Podium bekämen.“

Außer Redebeiträgen der Organisatoren bekommen die Teilnehmer auch Songs von Andrea Biebl (Wonderful World) und einem Überraschungsgast zu hören – ein Rapper, der nicht genannt werden will.

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