Fall Monika Frischholz: Polizeitaucher suchen Weiher ab

Wer dachte, das war's im Fall Monika Frischholz, der hat sich gehörig getäuscht. Die Suche nach der vermissten Monika Frischholz aus Flossenbürg geht weiter. Am Montag kontrollieren Polizeitaucher einen Weiher nördlich von Waldkirch.

von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Sieben Taucher suchen am Montag von 9 bis 17 Uhr einen Weiher nördlich von Waldkirch (Gemeinde Georgenberg, Kreis Neustadt/WN) nach Monika Frischholz ab. „Wir lassen keinen Stein auf dem anderen, jeder Hinweis wird überprüft“, sagt Polizeisprecher Florian Beck vor Ort. Die Mitglieder der Ermittlungsgruppe Froschau kontrollieren dort einen möglichen Ablageort der Leiche. Die zwölfjährige Monika Frischholz war am 25. Mai 1976 in Flossenbürg verschwunden. Seitdem fehlt jede Spur von ihr. Die Polizei geht von einem Tötungsdelikt aus, die Kripo Weiden hat die Ermittlungen im Dezember 2018 wieder aufgenommen.

In dem ehemaligen Granitsteinbruch bei Waldkirch, der laut Beck seit den 1970er Jahren nicht mehr betrieben wird, hat sich Regen- und Grundwasser gesammelt. Der Weiher ist sechs bis elf Meter tief, das hat das Sonar-Gerät gemessen. Vom Rand des Steinbruchs aus glitzert das Wasser dunkelgrün an der Oberfläche. In sechs Meter Tiefe sähen die Taucher nur eine Armlänge weit, berichtet Polizeihauptkommissar Beck.

Sieben Taucher in Einsatz

Den Weiher abzupumpen, wäre einfacher, aber das ist hier nicht möglich: Das Grundwasser würde nachlaufen. Deshalb müssen sieben Taucher der technischen Einsatzeinheit der Bereitschaftspolizei aus Nürnberg ran. Sie wechseln sich aus medizinischen Gründen mit dem Suchen unter Wasser ab: Zu langes Tauchen schadet dem Körper. Zusätzlich sind Tauchrettungssanitäter vor Ort, Polizisten mit Rettungsausbildung – „für alle Fälle“. Eine Trage hängt an einem Kran über der Wasseroberfläche bereit, falls die Polizeitaucher eine Leiche finden. Bei der Suche nach Monika geht es den Ermittlern auch darum, mögliche Ablageorte auszuschließen.

Der Steinbruch und sein Weiher, dessen Durchmesser Einsatzleiter Armin Bock auf etwa 20 Meter schätzt, liegen idyllisch auf einer Anhöhe etwa 550 Meter nördlich von Waldkirch. Der Steinbruch ist von Bäumen umsäumt. Eine Treppe führt den Felsen hinunter zum Wasser. Das Gelände ist in Privatbesitz. Darauf steht noch ein Holzhaus mit einer Holzbank davor. Es gibt auch ein Bienenhaus. Ein älterer Mann schaut dort nach dem Rechten.

Verdacht: Tötungsdelikt

Was hat 2018 die Gründung einer Ermittlungsgruppe bei der Kriminalpolizei Weiden ausgelöst? Die Ermittler bleiben zurückhaltend: „Die Kripo Weiden erhielt einen interessanten Zeugenhinweis, der den Verdacht eines Tötungsdelikts nahegelegt.“ Bis zu sieben Mann waren zeitgleich mit dem Fall betraut. Alle Akten seien noch einmal durchforstet worden. Zudem schaltete man Fallanalytiker (Profiler) aus München ein. Sie rieten zur neuerlichen Prüfung des Falls. Die Ermittlungsgruppe geht davon aus, dass Monika Frischholz am Nachmittag oder Abend des 25. Mai 1976 in unmittelbarer Nähe zu Flossenbürg auf ihren Mörder traf.

33 neue Hinweise

Seit der Gründung der Ermittlungsgruppe sind 80 Hinweise zum Verbleib von Monika Frischholz bei der Kripo Weiden eingegangen, allein 33 seit den Grabungen im April etwa einen Kilometer vom Steinbruch entfernt, berichtet der Polizeisprecher. Wieder bittet er die Bevölkerung um Mithilfe: Zeugen, die sich bis jetzt noch nicht gemeldet haben, sollen sich an die Kripo Weiden wenden, Telefon 0961/401291.

Zwei Boote haben die Beamten derweil zu Wasser gelassen. Wie viele Polizisten im Einsatz sind, will Beck nicht sagen. Etwa 15 dürften es sein. Eines der Boote ist mit dem Sonar ausgestattet, das andere mit den Tauchern und weiteren Helfern. Ist einer der Polizeitaucher im Wasser, hält er mit einer Leine und einer Kommunikationsleitung Kontakt zur Mannschaft im Boot. „Systematisch, zum Teil in Halbkreisen tasten sie den Untergrund ab“, sagt Beck. „Dann wird man sehen, ob wir neue Erkenntnisse gewinnen oder nicht.“ Die Taucher stoßen auf Felsen, Bäume und Schlamm. Eine Leiche finden die Beamten am Montag nicht.

Monika Frischholz vor 43 Jahren verschwunden:

Das fast 13-jährige Mädchen ist vor 43 Jahren in seinem Heimatort Flossenbürg an der Abzweigung nach Waldkirch zuletzt gesehen worden. Monika Frischholz trug eine dunkelgrüne Hose, rot-schwarze Weste, einen gelben Kurzarm-Pullover, gelbe Kniestrümpfe und braune Halbschuhe. Außerdem hatte die Schülerin eine Geldbörse dabei und trug eine Schweizer Armbanduhr. Von dieser Uhr wird in einer "Aktenzeichen XY"-Sendung von 1977 (über Youtube abrufbar) ein Bild gezeigt.

Die Ermittlungen waren nach dem Verschwinden im Mai 1976 durch Zeugenaussagen zunächst in ganz andere Richtungen gelenkt worden. So gab es den Hinweis einer älteren Dame aus Floß, die angab, das Mädchen sei in Floß in ein gelbes Auto mit auswärtigem Kennzeichen gestiegen. Das kann inzwischen ausgeschlossen werden. Auf eine falsche Fährte führte auch ein anonymer Anrufer, der im Juni 1976 der Polizeistation Weiden berichtete, er habe nahe des Gaisweihers die Unterwäsche des Mädchens gefunden. Eine Suchaktion blieb ergebnislos ("Der neue Tag", Juli 1976).

Was hat 2018 die Gründung einer Ermittlungsgruppe bei der Kriminalpolizei Weiden ausgelöst? Die Kripo bleibt in dieser Frage zurückhaltend: "Die Kripo Weiden erhielt einen interessanten Zeugenhinweis, der den Verdacht eines Tötungsdelikts nahegelegt." Bis zu sieben Mann waren 2018 zeitgleich mit dem Fall Frischholz betraut. Alle Akten in allen Einzelheiten seien noch einmal durchforstet worden. Zudem schaltete man Fallanalytiker (Profiler) aus München ein. Sie rieten zur neuerlichen Prüfung des Falls. Am 14. Dezember 2018 ging die Kripo an die Öffentlichkeit. Die Ermittlungsgruppe geht davon aus, dass Monika Frischholz am Nachmittag oder Abend in unmittelbarer Ortsnähe auf ihren Mörder traf.

Es gingen überraschend viele Hinweise ein. Bei der Suche im Weiher sprach Polizeisprecher Florian Beck von etwa 80 Hinweisen, die bei er Kripo Weiden zu dem Fall eingegangen sind. Allein 33 Hinweise erhielten die Beamten nach Beginn der Grabungen ab 8. April 2019. Die Kripo hat mit über 50 Männern und Frauen gesprochen, manche hatten früher schon ausgesagt, manche wurden erstmals befragt.

Polizeisprecher Beck weist daraufhin, dass die vom Bayerischen Landeskriminalamt ausgesetzte Belohnung für Mitteilungen, die zur Aufklärung der Tat oder zur Ergreifung des Täters führen, in Höhe von 10000 Euro nach wie vor gilt.

Die Belohnung wird nur unter Ausschluss des Rechtsweges zuerkannt und verteilt. Sie ist ausschließlich für Privatpersonen und nicht für Beamte, zu deren Berufspflicht die Verfolgung strafbarer Handlungen gehört, bestimmt.

Zeugen, die sich bis jetzt noch nicht bei der Polizei gemeldet haben, werden um sachdienliche Hinweise zur Aufklärung des Mordes unter der Rufnummer 0961/401-291 gebeten. Jeglicher noch so kleine Hinweis kann weiterhin für die Ermittler von großer Bedeutung sein. (ca)

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