Update 30.07.2018 - 18:46 Uhr
Weiden in der OberpfalzDeutschland & Welt

Freizeitspaß macht Arbeit

Bei 31 Grad im Schatten herrscht Hochbetrieb im Weidner Schätzlerbad. Kinder planschen und kreischen, Sportschwimmer und Aqua-Jogger ziehen ihre Bahnen. Auch der Badeweiher, der zur Anlage gehört, ist gut besucht.

An schönen Tagen besuchen in Stoßzeiten bis zu achttausend Menschen das Schätzlerbad in Weiden.
von Gabriele Weiß Kontakt Profil

"An solchen Tagen haben wir in Stoßzeiten sechs- bis achttausend Besucher", sagt Klaus Kunz, der Geschäftsführer und technische Leiter der Anlage. Nicht nur die Beckenaufsicht hat dann gut zu tun. Wenn um 9 Uhr die ersten Badegäste auf das Gelände kommen, sind die Mitarbeiter seit vier Stunden im Einsatz, haben geputzt, die Becken vorbereitet, Liegewiesen gepflegt, die Technik gecheckt. Enden wird der Arbeitstag gegen 21.30 Uhr. "Wir haben ein Zweischichtsystem", erklärt Kunz.

Was sich alles hinter den Kulissen eines Bäderbetriebs verbirgt, wissen nur Wenige. Über eine Wendeltreppe geht es in den Keller, wo die Technik für das Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken untergebracht ist - Filter, Pumpen, Wärmetauscher, Heizung. Es ist laut. Kanister sind säuberlich aufgereiht, Filter-Sand steht bereit, Kontroll-Lämpchen leuchten auf, "alles im grünen Bereich", stellt der Fachmann fest. Chlorgehalt, pH- und Redox-Wert sowie die Wasser-Temperatur werden vollautomatisch überwacht. Mehrmals täglich nimmt aber auch das Personal Wasserproben und gleicht die Werte ab. "Jeder Liter Wasser wird innerhalb von viereinhalb Stunden einmal aufbereitet", erklärt Kunz. "Wenn die Parameter nicht stimmen, wird das Becken nicht geöffnet."

Kommen viele Besucher, muss auch die Zugabe von Frischwasser angepasst werden. Fünf Prozent des Wassers würden über den Tag verdunsten, und auch die Badegäste tragen Wasser aus dem Becken. "Wenn wir in der Stoßzeit sechs- bis achttausend Leute hier haben, verbrauchen wir 200 bis 300 Kubikmeter", sagt Kunz. Mit den Menschen kommen auch Verunreinigungen: Pflaster, Haargummis, Hautschuppen, Rückstände von Shampoo, Duschgel und Sonnencreme, Schweiß, Urin, Talg, Haare, Fasern. Ein Bodensauger, verschiedene Filter sowie Chlor und weitere Stoffe gewährleisten, dass das Wasser sauber bleibt.

Ein Freibad zu betreiben ist noch teurer als der Unterhalt eines Hallenbades. Die Einnahmen decken laut Städte- und Gemeindebund im Schnitt nur knapp ein Drittel der Kosten. Das Schätzlerbad in Weiden umfasst vier Becken mit 2500 Quadratmetern Wasserfläche sowie 50 000 Quadratmeter Naturgewässer. 15 Personen zählt das Team inklusive Kasse und Hausmeister. Jeder Einzelne arbeitet von Mitte Mai bis Mitte September an sechs Tagen die Woche in Zehn-Stundenschichten. Urlaub gibt es nur von Oktober bis Februar. Im März beginnen die Vorarbeiten und nach Saisonende wird die Anlage bis Oktober winterfest gemacht.

Kein Wunder, dass in vielen Bädern Personal fehlt. Nach Angaben der Agentur für Arbeit blieben bis Mai 2018 von 117 Ausbildungsstellen für Fachangestellte für Bäderbetriebe 41 unbesetzt, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Meister Klaus Kunz, der sich überwiegend um die Betriebsführung kümmert, stehen zwei Techniker zur Seite. "Natürlich wäre es ideal, wenn man die Kombination von Angestellten für Bäderbetriebe und Rettungsschwimmern beschäftigen könnte, das ist aber auch ein Kostenfaktor." Ausgebildete Rettungsschwimmer sind die Mitarbeiter jedoch in jedem Fall.

Bäder dienen nicht nur Freizeit und Erholung: Hier lernen Kinder das Schwimmen. Wer Bäder schließt, nimmt in Kauf, dass weniger Menschen sich sicher im Wasser aufhalten können. Laut einer Umfrage der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) sind 59 Prozent der Zehnjährigen keine sicheren Schwimmer. Kunz kennt das Problem, hat er doch über 40 Jahre lang Buben und Mädchen unterrichtet. "Im Prinzip gibt es genügend Kurse", sagt er. "Aber wenn die Bewegung erlernt ist, muss sie gefestigt werden." Dazu müssten die Kinder weitere sechs bis acht Wochen mindestens ein- bis zweimal wöchentlich üben. Das sparten sich viele Eltern jedoch, "wahrscheinlich aus Zeitgründen".


Zehnstunden-Schichten

Ein Bub mit Schwimmreifen läuft zum Nichtschwimmerbecken, Teenager necken sich auf der Liegewiese, einige ältere Herren zieht es zum Weiher. Bäder sind wie "Schmelztiegel", hier treffen sich Menschen aller Altersgruppen und Schichten. Klaus Kunz erzählt von 90-jährigen Badegästen, die zu den Gründungsmitgliedern des Weidener Schwimmvereins gehören: "Die kommen täglich." Allen Besuchern gleichermaßen recht könne man es natürlich nicht machen, sagt er, aber die Kritik halte sich in Grenzen. "Wir müssen mit der Zeit gehen." Hintergrund

Man muss immer dranbleiben. Sonst ist irgendwann der Abriss günstiger als die Sanierung.

Klaus Kunz, Meister für Bäderbetriebe und technischer Leiter des Weidener Schätzlerbades

Mit der Zeit gehen

Hintergrund:

Bloß kein Chaos

Klaus Kunz war vor 45 Jahren das erste Mal als Badegast im Weidener Schätzlerbad. Seitdem hat sich viel geändert. "Früher gab es keine Freizeitbäder", erinnert sich der Meister für Bäderbetriebe, den die meisten Menschen fälschlicherweise als "Bademeister" bezeichnen. Kunz und seine Kollegen sehen sich als Dienstleister, trotzdem bleiben Konflikte mit Besuchern manchmal nicht aus. "Das ist dann aber keine Schikane von uns. Wir müssen die Haus- und Badeordnung durchsetzen, sonst hätten wir irgendwann nur noch ein großes Chaos." Die meisten Gäste würden das auch einsehen. (m)

Hintergrund:

Weniger Freibäder

Sommer und Freibad gehört für viele Deutsche zusammen. Man erinnert sich noch Jahrzehnte später an den strengen „Bademeister“, die Portion Pommes oder das Eis auf der Liegewiese, den ersten Sprung vom Dreier, vielleicht sogar den ersten Kuss. Doch das Idyll der Kindheit und Jugend ist in Gefahr: Allein 2017 wurden in Deutschland 175 Schwimmbäder geschlossen, darunter 62 Freibäder, und zwar vor allem in Bayern und Nordrhein-Westfalen. Ursache waren meist die Kosten.

„Ein Bad ist immer ein Draufzahlgeschäft, das weiß man“, sagt Klaus Kunz, der nicht nur für das Schätzlerbad, sondern auch für die Weidener Thermenwelt verantwortlich ist. Kleineren Kommunen fehle aber häufig das Geld für den Erhalt der Anlagen. Schwierig werde es, wenn die Bäder in die Jahre kommen. „Man muss dranbleiben. Sonst ist irgendwann der Abriss günstiger als die Sanierung.“ Obwohl es der Sommer 2018 gut mit der Oberpfalz meint, schlägt sich das bislang noch nicht in den Besucherzahlen nieder. „Wir sind im Durchschnitt“, sagt er und setzt seine Hoffnung auf die Schulferien in Bayern.

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