Eine große Sorge im Oberpfälzer Handwerk bleibt

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Sie prägen auch die Wirtschaft der Oberpfalz - Handwerksbetriebe. Mit Kurzarbeit sind sie bisher gut durch die Krise gekommen. Das liegt auch am besonderen Verhältnis von Chefs und Mitarbeitern. Dennoch ist Vorsicht geboten.

Handwerksbetriebe prägen die Wirtschaft in der Oberpfalz. Die Coronakrise haben sie durch Kurzarbeit bisher gut überstanden. Dennoch ist auch Vorsicht geboten.
von Josef Maier Kontakt Profil

Klein, aber oho: Das trifft auf viele Handwerksbetriebe in der Oberpfalz zu. Natürlich haben sie auch einige Schrammen in Coronazeiten abbekommen, aber durch das Instrument der Kurzarbeit lassen sich möglich Einschränkungen während der Pandemie überbrücken. Genaue Zahlen gibt es noch nicht, aber in der Oberpfalz ist die Zahl der Kurzarbeiter sehr hoch, allerdings wird hier weniger schnell entlassen. Das belegen auch die neuesten Arbeitslosenzahlen. Einen signifikanten Anstieg hat es zuletzt nicht gegeben - und der ist, sagen Experten, auch nicht zu erwarten.

Andreas Keller, Bereichsleiter der Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz, sieht das ähnlich und verweist im Interview mit den Oberpfalz-Medien auch auf lange gewachsene Traditionen und besondere Verbindungen im regionalen Handwerk.

ONETZ: Wer sind die Gewinner, wer sind die Verlierer im Handwerk in der Coronakrise?

Andreas Keller: Von Gewinnern will ich nicht sprechen. Aber im Handwerk war es schon unterschiedlich durch die Lockdown-Vorschriften. Friseure und Kosmetiker beispielsweise mussten die Arbeit zeitweise komplett einstellen. Da ist viel Kurzarbeit gelaufen. In anderen Bereichen gab es wenig Einschränkungen. Es ist ja auch so, dass manche Betriebe vorsorglich Kurzarbeit angemeldet haben, nicht alle haben das durchgeführt.

ONETZ: Wie stark hat die Coronakrise das Handwerk in Ostbayern getroffen?

Andreas Keller: Wir hatten ja davor sehr lange eine sehr gute Konjunktur. In Konjunkturbarometern gab es Höchstwerte. Es gab in den vergangenen Jahren immer mal wieder lokale Beeinträchtigungen, etwa durch Hochwasser, aber in dieser Breite hatten wir Kurzarbeit noch nie.

ONETZ: Für viele Firmen war Kurzarbeit neues Terrain. Wie konnte die Handwerkskammer helfen?

Andreas Keller: Da war sehr viel los bei uns. In der heißen Phase von Mitte März bis zur letzten Mai-Woche hatten wir 30 Berater etwa 8000 Beratungen.

ONETZ: Anträge auf Kurzarbeit sind nicht ohne, da sind viele Angaben zu machen und Formulare auszufüllen ...

Andreas Keller: Die Inhaber der Handwerksbetriebe waren hier extrem eingespannt. Wir sind da als Handwerkskammer quasi ein verlängertes Büro.Wir können zwar die Anträge nicht selbst ausfüllen, haben aber viel informiert, auch Videoanleitungen ins Netz gestellt.

ONETZ: Ist es so, dass der Oberpfälzer Firmenchef lieber Kurzarbeit macht, bevor er entlässt?

Andreas Keller: Wir hatten das in etwa 2008 bei der Finanzkrise ähnlich erlebt. Auch damals sagten vor allem die Handwerksbetriebe, wir wollen die Leute halten, wir sind familiär geprägt. Das Ganze wird in heutigen Zeiten von der Fachkräftethematik noch verschärft. Es wird immer schwerer, gutes Personal zu bekommen. Und die Oberpfalz und Niederbayern sind einfach auch ein Handwerkerland. Fast jeder zweite Betrieb bis 50 Mitarbeiter ist ein Handwerksbetrieb.

ONETZ: Wo ist die Schmerzgrenze? Wann geht es nicht mehr ohne Entlassungen?

Andreas Keller: Bevor es so weit kommt, schraubt auch der Chef bei seinem eigenen Gehalt zurück, schnallt den Gürtel enger. Es ziehen aber beide Seiten an einem Strang. Auch die Mitarbeiter sind bereit, Einschränkungen hinzunehmen. Meistens wird in den Betrieben offen kommuniziert, warum man jetzt so handelt. Dieses Miteinander funktioniert in kleinen Betrieben relativ gut

ONETZ: Sie sehen also keine große Entlassungswelle im Handwerk?

Andreas Keller: Ich glaube, das wird sich in Grenzen halten, definitiv.

ONETZ: Wird auch die Kurzarbeit abnehmen, oder wird dieses Instrument noch länger gebraucht?

Andreas Keller: Eines macht uns da große Sorgen. Was ist mit den Monaten im Herbst und Winter? Es ist fraglich, ob sich die Auftragslage so aufrechterhalten Viele Firmen haben ja aus dem vergangenen Winter volle Auftragsbücher mitgenommen, haben dies jetzt trotz Einschränkungen abgearbeitet. Es kommen aber jetzt nicht mehr in dem Maße Aufträge nach, weil die Leute jetzt vorsichtiger sind. Deswegen wird das zweite Halbjahr sehr spannend werden. Derzeit haben wir nicht mehr so viel Kurzarbeit , aber das könnte wieder aufflammen.

ONETZ: Auch das Handwerk hat Schrammen abbekommen, steht aber noch robust da. Mit einem Handwerksberuf liegt man auch in Krisenzeiten richtig ...

Andreas Keller: In solchen Zeiten sieht man schon, wie schnelllebig ein Job in großen Unternehmen sein kann. Mit einer fundierten dualen Ausbildung fährt man immer sehr gut, ist bestens qualifiziert. Ein kleiner Betrieb mag manchmal Nachteile haben, weil er vielleicht nicht so gut bezahlt und die Arbeitszeiten auch schon mal länger sind. Aber dafür hat er große Vorteile, wenn es um Themen wie Arbeitsplatzsicherheit geht. Da ist man keine Nummer, sondern fast schon Teil der Familie.

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Andreas Keller von der Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz sieht die Betriebe nicht in großen Nöten, hat aber eine große Sorge.

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