Heiße Ware Heu

Der trockene Sommer macht schlichtes Heu zum Spekulationsobjekt. Besonders die Pferdehöfe und -besitzer in der Oberpfalz trifft es heftig. Aber auch Milchbauern sind wenig begeistert.

Noch hat Jürgen Pschierer Heu für seine Pferde. Wie lange die Vorräte reichen, weiß der Landwirt aus Latsch nicht.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

(wüw) Stecknadeln in Heuhaufen sind derzeit leicht zu finden - wegen der Trockenheit sind die Haufen in diesem Jahr ungewöhnlich klein. Vor allem Pferdehalter machen sich Sorgen. "Wir wissen noch nicht, wie wir über den Winter kommen", sagt Uli Reber. Er führt den Lipperthof im Püchersreuther Ortsteil Wurz. 200 Islandpferde leben dort. Wie genau er sie die nächsten Monate versorgen soll, wisse er nicht, sagt Reber.

Schuld ist das Wetter. Nach einer vergleichsweise guten Heuernte im Mai sind wegen fehlenden Regens zwei Grasschnitte ausgefallen, erklärt Johannes Schrems vom Landwirtschaftsamt in Tirschenreuth. Deshalb ist der Futterstoff nun knapp. "Es gibt in der Oberpfalz kein Heu zu kaufen", berichtet Jürgen Pschierer. Auf seinem Hof in Latsch bei Weiden stehen 19 Pferde, und auch er weiß nicht, woher in den nächsten Monaten das Futter kommen soll. Etwas mehr als die Hälfte des Üblichen habe die Ernte ergeben. "180 Ballen haben wir eingelagert", sagt Pschierer. Benötigen wird er für das kommende Jahr wohl 320. Der Landwirt geht davon aus, dass er tief wird in die Tasche greifen müssen, um die Differenz abzudecken. 35 Euro seien ein normaler Preis für einen großen Ballen Heu. "Aus Oberbayern habe ich vor kurzem ein Angebot über 60 Euro bekommen", sagt Pschierer.

Tatsächlich sei die Ernte südlich der Donau besser ausgefallen. "Dort lief das Jahr vergleichsweise normal", sagt Schrems. Weil sich die Trockenheit in Bayern vor allem auf die Oberpfalz und Teile Frankes beschränkt, seien die Auswirkungen noch nicht überall spürbar. Der Marktbericht des Bayerischen Bauernverbandes weise keine übermäßigen Preisanstiege aus. Allerdings sind Bauern auf ihren eigenen Lieferantenkreis angewiesen. "Es kann schon sein, dass in bestimmten Regionen die Preise anziehen", sagt Schrems.

Uli Reber hat die Erfahrung gemacht, dass es in der Oberpfalz gar keinen Preis mehr gibt - weil niemand Heu verkauft. "Wer welches hat, lagert es ein und spekuliert auf steigende Preise." Ihm fehlen etwa 400 Ballen zu den 1000, die er für ein Jahr benötigt. Um nicht im Winter aus einer Notlage heraus jeden Preis zahlen zu müssen, hat er nun Silo-Mais aus Niederbayern zugekauft.

Klepper zum Schlachter?

Das klingt aufwendig. Weil Reber in der Island-Pferde-Szene international vernetzt ist, weiß er von wesentlich längeren Lieferwegen. "Ich bekomme Anfragen von Züchtern aus Norwegen und Dänemark, die Futter brauchen." In Skandinavien war die Ernte so schlecht, dass Heu per Schiff aus Island importiert wird.

Der Aufwand hängt auch damit zusammen, dass es für Pferdehalter keine Option ist, ihre Tiere zum Schlachthof zu bringen. "Fleischpreise wiegen nicht im Ansatz den Wert eines Reitpferdes auf", erklärt Reber den Unterschied zu Rindern. Dazu komme die persönliche Bindung. "Für viele ist das Pferd ein Kinderersatz", sagt Pschierer über die Pferdebesitzer, die ihre Tiere bei ihm eingestellt haben. Keiner käme auf die Idee, das Pferd zum Schlachter zu bringen, weil das Heu knapp wird.

Tatsächlich macht dies auch kein Milchviehhalter gerne, versichert Peter Beer. Aber auch der BBV-Kreisobmann im Landkreis Amberg-Sulzbach weiß, dass manchem Bauern wohl keine Wahl bleibt. "Die Schlachtviehpreise sind schon um zwei Euro gesunken", weiß Beer, der in Geiselhof bei Freudenberg einen Milchviehhof im Vollerwerb führt.

Weil er bei der Fütterung verstärkt auf Mais setzt, ist er zuversichtlich, den Engpass überbrücken zu können. Wo die Vorräte nicht reichen und der Zukauf nicht funktioniert, ist der Schlachthof die letzte Alternative

Hilfe beim Heu-kauf:

Hilfe gegen den Engpass organisiert der Maschinenring in Bayern. Im Internet hat er eine Futterbörse eingerichtet. Dort können Landwirte mit Überschuss und solche mit Futterbedarf zusammenfinden, erklärt Johannes Schrems vom Tirschenreuther AELF. Außerdem hat die Staatsregierung ein Förderprogramm beschlossen. Landwirte in besonders betroffenen Gebieten erhalten 50 Prozent Zuschuss für den Futterzukauf. Laut Schrems gibt es zwei Einschränkungen: Der Zuschuss wird nur für Grundfutter wie Heu und Silage bezahlt. Außerdem werden nur Raufutterfresser bezuschusst (Kühe, Pferde, Ziegen, Schafe). (wüw)

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