Intensivstationen stoßen an Grenzen: "Die Luft wird immer dünner"

In einigen Regionen Bayerns werden allmählich die Intensivbetten knapp. Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) nennt dabei auch die nördliche Oberpfalz. Ein Arzt ordnet die Lage ein.

Die Zahlen an Corona-Neuinfektionen sind unvermindert hoch. Das bringt die Intensivstationen in Bayern an ihre Belastungsgrenze. Regional drohen Engpässe.
von Jürgen UmlauftProfil

Wegen der unvermindert hohen Zahl an Corona-Neuinfektionen spitzt sich laut Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) die Lage in den bayerischen Krankenhäusern zu. In manchen Regionen kämen die Intensivstationen an ihre Belastungsgrenze, sagte Huml am Donnerstag bei der Corona-Fragestunde im Landtag. Ausdrücklich nannte Huml dabei die Kliniken Nordoberpfalz AG, die am Mittwoch angezeigt habe, nur noch wenige freie Intensivbetten zu haben. "Es kommen ja nicht nur Covid-Patienten mit der Notwendigkeit einer intensivmedizinischen Behandlung in die Krankenhäuser."

Tatsächlich weist das deutsche Intensivregister für den Landkreis Tirschenreuth aus, dass dort 50 Prozent der Intensivkapazität, 8 von 16 Intensivbetten, mit Corona-Patienten belegt sei. Der Ärztliche Direktor der Region Süd, Professor Christian Paetzel, bestätigt den Ernst der Lage. Allerdings dürfe man die Krankenhäuser Tirschenreuth und Kemnath nicht gelöst von der Situation im Klinikum Weiden betrachten. Dort sind derzeit 7 von 55 Intensivplätzen mit Covid-Patienten belegt.

Ähnlich wie im Frühjahr

Dennoch ist klar: "Die Luft wird immer dünner", sagt Paetzel. Die Situation lasse sich inzwischen mit der im Frühjahr vergleichen. Insgesamt müsse zwar ein geringerer Anteil der Infizierten ins Krankenhaus, auch deshalb, weil der Altersdurchschnitt der Infizierten derzeit noch niedriger ist, als er im Frühjahr war. Allerdings ist die Zahl der Infektionen derzeit deutlich höher.

Noch gelinge es, die volle Versorgung aufrechtzuerhalten. Für neue Corona-Patienten stehen immer zwei freie Intensivbetten bereit, versichert Paetzel. Dies sei aber nur möglich, weil andere Behandlungen derzeit wieder aufgeschoben werden. Dies sei jedoch nur für eine gewisse Zeit möglich und verantwortbar. "Man kann gewisse Operationen für drei Wochen verschieben", sagt Paetzel. Für drei Monate sei dies aber nicht möglich, ohne Nachteile für den Patienten zu riskieren. "Deshalb muss bald eine Trendwende her."

Fast 5000 neue Fälle

Von einer solchen ist nach einem erneuten Corona-Rekord am Donnerstag mit fast 4983 neuen Fällen im Freistaat bisher nichts zu bemerken. Laut Ministerin Huml befinden sich aktuell mehr als 3100 Corona-Erkrankte zur stationären Behandlung in bayerischen Kliniken. 670 davon werden intensivmedizinisch betreut, vor einem Monat seien es erst knapp 400 gewesen. Abgesehen von regionalen Engpässen gebe es noch ausreichend freie Plätze.

Man sei daher bemüht, an den besonders betroffenen Krankenhäusern für Entlastung zu sorgen und Patienten in andere Kliniken zu verlegen. Um eine Überlastung des gesamten Gesundheitssystems zu verhindern, appellierte Huml an die Bürger, sich konsequent an die geltenden Kontaktbeschränkungen zu halten.

Weil dies alleine wohl nicht reicht, deutet sich immer mehr ein harter Lockdown für die Zeit nach Weihnachten an. Einen solchen fordert unter anderem Ministerpräsident Markus Söder von Weihnachten bis mindestens 10. Januar bundesweit: "Ausgangsbeschränkungen, nächtliche Ausgangssperren in Hotspots, Geschäftsschließungen, Betriebsferien und überall verlängerte Schulferien." "Wir müssen das öffentliche Leben runterfahren", sagte er. "Das heißt, auch alle Geschäfte zu, abgesehen von denen des alltäglichen Bedarfs wie Lebensmittel."

So steht es in Amberg um die Intensivstationen

Amberg

Corona in Zahlen

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