Kaum mangelhafte Corona-Schutzmasken in der Oberpfalz

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Hunderte deutsche Arztpraxen haben mangelhafte Schutzmasken geliefert bekommen. Laut Kassenärztlicher Vereinigung (KVB) scheint Bayern davon kaum betroffen zu sein.

Ein Apotheker mit FFP2-Atemschutzmaske mit Ventil: Sie schützt den Träger, weniger das Umfeld.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

„Fälle aus der Oberpfalz sind uns nicht bekannt“, sagt Pressesprecher Martin Eulitz. „Angesichts von rund 5 Millionen FFP2-Masken, die die KVB bislang den Vertragsärzten und -psychotherapeuten in Bayern überwiegend auf der Basis eigener Beschaffungen zur Verfügung gestellt hat, ist der Anteil an qualitativ minderwertigen Masken gering und liegt bei rund 0,2 Prozent“, teilt die KVB auf Anfrage von Oberpfalz-Medien mit.

KVB besorgte eigene Masken

Bei der qualitativ mangelhaften Charge von Schutzmasken, die auch an Arztpraxen in Bayern ausgeliefert worden seien, habe es sich nur um eine Teillieferung vom Bundesgesundheitsministerium georderter Masken gehandelt. „Als die KVB von der mangelhaften Qualität zweier bestimmter Maskentypen erfahren hat, wurde sofort ein Warnhinweis auf der Internetseite der KVB aufgenommen.“ Ärzte, die FFP2-Masken eines der beiden Typen erhalten hätten, konnten diese bei der KVB umtauschen.

„Der eklatante Mangel an Schutzausrüstung in den Praxen hat die Patientenversorgung erheblich erschwert“, heißt es dazu in einer Erklärung des KVB-Vorstands mit Dr. Wolfgang Krombholz, Dr. Pedro Schmelz und Dr. Claudia Ritter-Rupp. „Deshalb haben wir von Beginn an auf die qualitätsgesicherte Eigenbeschaffung von Schutzausrüstung wie Masken, Kitteln und Handschuhen gesetzt und damit 90 Prozent des Bedarfs der Praxen gedeckt.“ Im Nachhinein zeige sich, dass dies die richtige Entscheidung gewesen sei. „Denn die Ware, die über das Bundesgesundheitsministerium kam, war von unterschiedlicher Qualität.“ In Bayern hätten die Praxen sowohl über die KVB Schutzausrüstung erhalten als auch im Auftrag des Freistaats Bayern über das Technische Hilfswerk (THW).

Rechl: Inzwischen gute Versorgungssituation

Politik will Corona mit Forschung in Schach halten

Weiden in der Oberpfalz

Auch Dr. Wolfgang Rechl, Vizepräsident der Landesärztekammer und damit Vertreter von 76 000 bayerischen Ärzten, kennt keinen Fall in der Region: „Allerdings muss mich ein Betroffener zu diesem Thema nicht zwangsläufig informieren“, sagt der Weidener Internist, „da wurde bereits viel vom Bundesgesundheitsministerium und der kassenärztlichen Vereinigung abgefangen.“ Es habe sicher auch in der Oberpfalz Praxen gegeben, die schadhafte Masken erhalten hätten. „Inzwischen haben wir eine gute Versorgungssituation verglichen mit der miserablen Lage zu Beginn der Coronakrise.“

Vor dem Hintergrund des damaligen Maskennotstands findet Rechl den Mangel auch hinnehmbar: „Da waren natürlich einige nicht zertifizierte Masken darunter, aber die sind besser als gar nichts.“ Diese hätten keinen 100-prozentigen Schutz geboten, seien durchlässig für Mikroteilchen, seien aber als erste Maßnahme durchaus sinnvoll gewesen. „Wir sind in Deutschland sehr streng“, sagt Rechl, „ich hätte lieber so eine als mich völlig ungeschützt vor Patienten zu stellen.“

Trumps Sauerei

Seine Praxis sei im Übrigen gut ausgestattet gewesen: „Wir haben am Anfang, als noch nicht alle die Dimension absehen konnten, ausreichend Bestände zu einigermaßen guten Preisen aufgekauft.“ Man habe zwar selbst keine Coronatests durchgeführt, dennoch habe man sich auf die Situation eingestellt: „Wir arbeiteten 6 bis 8 Wochen in Schicht mit einem täglichen Wechsel, damit im Ansteckungsfall Ärzte und Helferinnen nicht zusammenkommen.“ 30 bis 40 Prozent weniger Patienten verzeichnete Rechl in dieser Phase. „Wir hatten praktisch keinen Aufwand im fachärztlichen Bereich, bis auf wenige Notfälle.“ Mitte Mai bis Anfang Juni habe sich die Lage normalisiert.

Die Lehre aus der Krise: „Es wurde uns vor Augen geführt, was für ein Nachteil das ist, wenn ich ganze Produktionsketten, übrigens auch an Arzneimitteln komplett aus der Hand gebe.“ Die Abhängigkeit von internationalen Märkten sei riskant. „Es gibt Medikamente, die werden nur an einzelnen Stellen auf der ganzen Welt hergestellt“, beschreibt Rechl die Lage, „wenn da Fabriken durch einen Brand ausfallen, gibt es weltweit Probleme.“ Die Preistreiberei selbst bei Generika habe man soweit getrieben, dass in Europa kein Hersteller mehr zu finden war. „Nur die ganz neuen, teuren Medikamente wurden noch hier hergestellt.“ Nur dadurch könne ein einzelner Politiker die ganze Welt in Bedrängnis bringen: „Dann kommt einer wie Trump und kauft das bisher vielversprechendste Corona-Medikament Remdesivir zu 90 Prozent auf – eine Sauerei auch gegenüber Dritt-Welt-Ländern, wo es ums Überleben geht.“

Corona-Prognose:

Zweite Welle, Dauerwelle oder Impfstoff

„Die große zweite Welle muss nicht kommen“, vermutet Rechl, „aber das Problem ist nicht weg, wir werden latent in den nächsten zwei Jahren immer wieder kalt erwischt wie mit Tönnies und diesem Partyservice in Starnberg.“ Einiges spreche für einen wellenartigen Verlauf wie bei der Grippe. Nur dass Grippeviren im Gegensatz zu Covid 19 nicht wärmeresistent seien, wie die extreme Ausbreitung im Iran oder in Peru zeige. Dennoch müsse man im Herbst und Winter, wenn die Menschen allgemein anfälliger für Infektionen seien, wieder mit steigenden Zahlen rechnen.

Bleibt die Hoffnung auf den Impfstoff: „Grippeviren mutieren schnell“, sagt Rechl, „das sind immer ein bisschen andere Stämme.“ Man könne aber kalkulieren, wie sich die Viren weiterentwickeln könnten: „Man verändert den Impfstoff im Vorgriff, baut kleinere und größere Veränderungen mit ein.“ Manchmal gelinge das besser, manchmal schlechter. „Man geht im Moment davon aus, dass Covid 19 nicht so schnell mutiert, weil er relativ neu ist – ein jahrelanger Umlauf verstärkt die Mutationsrate.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.