Kommentar zum EU-Gipfel

In Deutschland herrscht eine düstere Stimmung - nicht nur durch das Aus der Nationalmannschaft bei der WM. Aber es gibt Wege aus der Finsternis, kommentiert Frank Werner.

Der französische Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Ankunft zum EU Gipfel.

"Denk' ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht. Ich kann nicht mehr die Augen schließen, und meine heißen Tränen fließen." Heinrich Heine schrieb diese Zeilen 1844 in seinem Pariser Exil. Der Dichter in Sorge um seine Heimat. Mehr als 150 Jahre später liegt genau solch eine deprimierende Stimmung über diesem Land, für die das Ausscheiden der Nationalmannschaft bei der WM symbolisch steht.

2006 das Sommermärchen, "Schland" liegt sich in den Armen, ein ganzes Volk wird weltweit beachtet für seine Lockerheit, seine Weltoffenheit. Nichts davon scheint übriggeblieben zu sein. Die WM in Russland und auch schon die Wochen davor stehen für Depression, Frustration, Resignation. Auf und neben dem Platz.

Die Spaltung der Gesellschaft schreitet ungebremst voran. Jogi Löws Team hat es nicht geschafft, wenigstens für einen Moment für einen Zusammenhalt zu sorgen. Der Ball liegt jetzt wieder bei Angela Merkel. Der Fokus der Öffentlichkeit ist weg von Russland, zurück in Berlin und Brüssel.

Die Vorzeichen für einen Erfolg der Kanzlerin beim EU-Gipfel stehen denkbar schlecht. Horst Seehofer versucht die Dauergrätsche, schwänzt sogar Merkels Regierungserklärung zur Asylkrise. Populisten wie Orban, Salvini, Kaczynski, Babis und Kurz übernehmen die Meinungsführerschaft in Europa.

Wollen wir das wirklich? Eine Rückkehr in die Dunkelheit? Der Grenzen? Des Nationalismus? Es ist nicht zu spät. Schmettern wir den Demagogen lieber Friedrich Schillers Ode "An die Freude" entgegen: "Alle Menschen werden Brüder, wo dein sanfter Flügel weilt."

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