Nach Mord-Anklage: Ortstermin mit Tesla

Ortstermin auf der B 470 bei Weiden: Im Verfahren gegen einen Tesla-Fahrer sind am Freitag Fahrversuche im Original-Fahrzeug durchgeführt worden. Dem Tesla-Fahrer wird vorgeworfen, mit fast 140 km/h auf einen Polizisten zugefahren zu sein.

Das „Corpus delicti“: Mit diesem Tesla „Model S“ soll ein 54-Jähriger 2017 auf einen Polizisten zugefahren sein. Seit über eineinhalb Jahren steht die E-Limousine – angesteckt an eine Steckdose – in einer Fahrzeughalle der Polizei.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Die Anklage lautet auf versuchten Mord. Der Ortstermin ging auf den Kfz-Sachverständigen Professor Hans Bäumler zurück. Mit dabei waren Staatsanwalt Dr. Marco Heß, Verteidiger Dr. Jan Bockemühl und der 54-jährige Beschuldigte aus Weiden. Die Situation wurde nachgestellt. Der Staatsanwalt schlüpfte dabei in die Rolle des Polizisten, der damals für eine Verkehrskontrolle auf der Straße stand, als der Wagen mit hoher Geschwindigkeit auf ihn zukam.

Zumindest ist der Wagen damit mal wieder ausgefahren worden. Seit Juni 2017 ist der Elektroflitzer beschlagnahmt und hängt in einer Fahrzeughalle der Polizei an der Steckdose. Das Gerichtsverfahren steht immer noch aus - aus mehreren Gründen.

Vom gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr zum Mordversuch:

Weiden in der Oberpfalz

Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft den Fall beim Amtsgericht angeklagt, als "gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr". Der Amtsrichter sah aber einen bedingten Tötungsvorsatz. Damit wurde die Anklage im Februar eine Etage höher gereicht, ans Landgericht Weiden (Straferwartung vier Jahre plus), und lautet jetzt auf versuchten Mord. "Es geht um viel", meint Landgerichtssprecher Matthias Bauer, selbst Richter der 1. Strafkammer.

Das Gericht zog daher als weiteren Gutachter Professor Bäumler hinzu. Der Tesla ist ein sehr spezielles Fahrzeug, das ganz neue Möglichkeiten für Beweise birgt. Das Auto speichert Daten nicht nur auf einem Bordcomputer. Es ist zudem bekannt, dass die Tesla-Modelle umfangreiche Messwerte an einen Server des amerikanischen Herstellers übermitteln. Unter anderem sollen im Sekundentakt Pedalpositionen, Geschwindigkeit und Drehzahl erfasst werden.

Es hat einige Monate gedauert, und es war wohl nicht so einfach: Aber jetzt hat Tesla für die Justiz Weiden offenbar Daten zum mutmaßlichen "Tatfahrzeug" herausgerückt. Sie fließen in das Gutachten von Professor Bäumler ein. Sie sind auch Grundlage eines dritten Gutachtens, das der Beschuldigte und seine Verteidigung selbst in Auftrag gegeben hat. Sobald der Bericht des Unfallanalytikers Bäumler vorliegt, entscheidet das Gericht, ob das Verfahren tatsächlich vor dem Landgericht eröffnet wird.

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