Mutter verklagt Kindsmörder

Eine Mutter verklagt den Mörder ihres Sohnes. Keine alltägliche Situation, die das Landgericht Weiden beschäftigt.

Die Tat trug sich in einem Mehrfamilienhaus in Vohenstrauß zu.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Fast auf den Tag genau drei Jahre ist es her, dass Manuela K., die Mutter des getöteten Maximilian, das Landgericht Weiden betreten hat. Am 28. Oktober 2016 war der Mörder ihres Kindes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Am Donnerstag kommt sie in Begleitung ihrer Mutter und ihres Anwalts Werner Buckenleib

Auf Oliver H. trifft die 39-Jährige aus Oberbayern am Donnerstag nicht. Obwohl er wollte, ist der verurteilte Täter nicht aus der Haft vorgeführt worden. Die Justizvollzugsanstalt Bayreuth machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Die Zivilkammer unter Vorsitz von Richter Thomas Hys hatte das persönliche Erscheinen nicht angeordnet, daraufhin sah das Gefängnis offenbar auch keinen Anlass, einen Transport nach Weiden zu organisieren.

Sein aktueller Anwalt Matthias Klein aus Karlsruhe (Oliver H. hat schon einige Rechtsanwälte abgelegt) rügte die fehlende Anwesenheit entgegen einer mündlichen Absprache mit der JVA. "Gestern war ich noch in Bayreuth und habe mich mit ihm auf diesen Termin hier vorbereitet." Der Beklagte habe ein Recht auf Gehör. Ob der nötige schriftliche Antrag an die Anstaltsleitung gestellt worden war, war dem Gericht nicht bekannt.

Entscheidung: 7. November

Die Güteverhandlung hatte sich damit von der ersten Minute an erledigt. Zu einer möglichen Vergleichsbereitschaft seines Mandanten wollte sich Anwalt Klein nicht äußern. "Ich hätte mir gewünscht, dass er hier sitzt." Es ist nun Entscheidung von Richter Hys, ob ein weiterer Termin mit Mörder Oliver H. anberaumt wird oder ob er auf Basis der Schriftsätze ein Urteil fällt. Verkündung ist am 7. November, 9 Uhr.

Die Ausgangslage basiert auf dem Strafurteil von 2016, das von der Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Walter Leupold gefällt worden war. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der inzwischen 37-Jährige den ihn anvertrauten Nachbarsbuben so massiv geschlagen hat, dass der Neunjährige verstarb.

Dem waren körperliche und seelische Misshandlungen über einen Zeitraum von acht Wochen vorausgegangen: Essensentzug, Strafarbeiten, Faustschläge, Einschließen. Die Mutter befand sich damals auf Reha und hatte den Sohn ihrem Nachbarn Oliver H. anvertraut, der einen fast gleichaltrigen Sohn hatte. Beide waren in Vohenstrauß etwa zeitgleich in ein Mehrfamilienhaus für Alleinerziehende zugezogen.

Die Mutter fordert nun als Erbin ihres Sohnes für diesen 100 000 Euro, für sich selbst 20 000 Euro Schmerzensgeld. Das ganze Leben der 39-Jährigen sei nach dem Tod des Sohnes aus den Fugen geraten, sagte Anwalt Buckenleib. "Sie ist gesundheitlich erheblich beeinträchtig." Die Frau befinde sich nach wie vor in psychiatrischer Behandlung.

Ganz offensichtlich sieht der Verurteilte seine Tat bis heute nicht ein, auch wenn bisher alle Rechtsmittel gescheitert sind. Der Bundesgerichtshof verwarf die Revision. Auch eine Verfassungsbeschwerde scheiterte. Jetzt will der Inhaftierte ein Wiederaufnahmeverfahren erreichen, wofür aber neue Tatsachen vorliegen müssten.

Telefonat mit Schwester

Auch wollte man am Donnerstag die Glaubhaftigkeit der Mutter anzweifeln, die nach dem Urteil ein Telefonat mit der Schwester des Mörders führte und darin wirre Aussagen machte. "Ich war auch verwirrt", sagt die Klägerin, die damals unter erheblicher medikamentöser Behandlung stand. Nach Ansicht Anwalt Buckenleib wurde die Kindsmutter absichtlich aufs Eis geführt. "Die Kontaktaufnahme ging nicht von ihr aus."

Für Richter Hys war dies ohne nachrangig angesichts des Tatvorwurfs gegen Oliver H., "der schlimmer gar nicht vorstellbar ist". Welcher Betrag sei angemessen? "Das Geld wird Ihren Sohn nicht wieder lebendig machen", meinte er zu Manuela K. "Das Leiden, das Sie erfahren haben, kann man mit Geld nicht aufwiegen.

Bericht zum Prozessbeginn im Oktober 2016

Bericht zum Urteil im Oktober 2016

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