Oberpfälzer Software-Schmiede verknüpft Maschinen von Weltkonzernen

Eine kleine Weidener Software-Schmiede auf Augenhöhe mit Branchengrößen wie Schaeffler Technologies oder dem Börsenstar TeamViewer: Unter zehn Wettbewerbern um den „Industrie 4.0 Innovation Award 2020“ findet sich die Traeger GmbH.

Firmengründer Alois Träger mit Sohn Fabian sowie Software-Experten Dominik Scharnagl (von links) vertrauen in die bewährte Marktreife ihres „digitalen Adapters“ namens Codabix.
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Alois Träger freut sich euphorisch: Eine hochkarätig besetzte Jury – darunter die „Päpste“ für Automation und Künstliche Intelligenz (KI) in Deutschland – wählte die Traeger Industry Components GmbH unter die Top-10-Kandidaten des „Industrie 4.0 Innovation Award 2020“ unter der Regie des Verlags VDE. Seit Jahrzehnten befasst sich der 1992 als Ein-Mann-Firma gegründete Software-Spezialist mit industrieller Automation, dem industriellen Internet der Dinge, genannt Industrial Internet of Things: lange vor dem Hype um Industrie 4.0.

Die heute fünf Software-Entwickler und Elektro-Ingenieure tüfteln an Lösungen, „alles digital zu verknüpfen, was man sich vorstellen kann“, sagt Alois Träger. Der 59-Jährige entwickelte mit seinen Mitarbeitern eine Art digitalen Adapter als universelle Daten-Schnittstelle. Sie kann praktisch alle Maschinen, gleich welchen Alters, Typs und Herkunft, miteinander digital verknüpfen.

Software-Experte Dominik Scharnagl spricht vom „Überschreiten von Daten-Grenzen“. Er erklärt die Oberpfälzer Software „Codabix“ mit einem Daten-Drehkreuz, das die verschiedenen Daten-Übertragungswege mit ihren unterschiedlichen Geschwindigkeiten koppelt und standardisiert. Scharnagl: „Codabix tauscht quasi die Fahrwerke der Daten während ihrer Übertragung und ist kompatibel mit allen erdenklichen Maschinen, Datenbanken oder Clouds.“

Die Daten-Erfassung erfolgt dabei Ereignis-gesteuert. „Dies spart Kapazitäten und Ressourcen“, betont Scharnagl. Die Software aus Weiden lasse sich im laufenden Betrieb – ohne Unterbrechung der Produktionsprozesse – installieren und eigne sich auch für Firmen, „die erst am Einstieg in die Industrie 4.0 stehen“.

Über eintausend Mal verkaufte die Firma Traeger Industry Components ihren digitalen Adapter in alle Welt. Audi und Infineon arbeiten ebenso damit wie etwa Continental in den USA. Die Mindestanforderung an die Hardware ist gering, so genügt bereits ein kleiner Industrie-PC, der etwa 50 Euro kostet. Der Preis für die „Einstiegslizenz“ liegt bei rund 400 Euro. „Nach oben hin sind fast keine Grenzen gesetzt, da Codabix Hunderte von Maschinen oder Datenbanken verbinden kann,“ sagt Firmengründer Alois Träger. „Wir wissen, wie gerade alte Maschinen ticken und kennen die Mechanismen in der Industrie.“

Die Oberpfälzer machen es möglich, dass Maschinen unterschiedlichen Typs und Alters, ob von Siemens, Mitsubishi, Bosch, AEG oder Beckhoff, miteinander kommunizieren und „sprechen“. Und erkennen, ob diese oder jene Maschine wieder ausfällt oder ein Ersatzteil braucht. Enorme Marktchancen erwartet sich die Traeger Industry Components von der Künstlichen Intelligenz. Träger: „Die KI lebt von Daten. Da bilden wir die Brücke.“

Bis 30. Oktober läuft noch die Online-Abstimmung für den Wettbewerb „Industrie 4.0 Innovation Award 2020“. Die Homepage der Firma Traeger (traeger.de) ist für das Voting gerüstet.

Noch ein innovatives Unternehmen aus Weiden

Weiden in der Oberpfalz
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