Es ist ein heißer Sommertag. Ich stehe an der Supermarktkasse und lege meine Einkäufe auf das Band. Ein Kunde vor mir unterhält sich derweil mit der Kassiererin. Draußen beginnt es zu regnen. Erst nur ein paar Tropfen, dann immer heftiger. Mehrere Wochen hatte es keinen Niederschlag gegeben. Dann fällt er. Dieser eine Satz den ich nicht mehr hören kann. “Das hat die Natur aber wirklich gebraucht”, sagt der Mann zur Kassiererin. Sie stimmt ihm nickend zu.
Ich will gerade eine Packung Müsli aus meinem Einkaufswagen nehmen. Ich halte kurz inne und kann mir ein Augenrollen nicht verkneifen. Nicht schon wieder. Kaum fallen nach einigen trockenen Wochen die ersten Tropfen, ist er da: der wohl unvermeidlichste Satz des deutschen Sommers. Man hört ihn an Supermarktkassen, im Büro oder im Gespräch mit den Großeltern. Und natürlich stimmt er meistens sogar. Pflanzen und Tiere brauchen Wasser, um zu überleben.
Trotzdem kann ich ihn nicht mehr hören. Aber warum eigentlich? Ich werfe das Müsli genervt auf das Band und versuche mir nichts anmerken zu lassen. Vielleicht stört mich gar nicht der Satz selbst, sondern was sich dahinter verbirgt. Die Worte klingen ein wenig so, als wäre mit dem Regen nun alles wieder gut. Als ließen sich wochenlange Trockenheit, ausgedörrte Böden und sinkende Grundwasserstände mit einem kräftigen Schauer abhaken.
Doch das stimmt nicht. Der Klimawandel ist längst keine abstrakte Krise aus Nachrichtensendungen mehr. Er zeigt sich immer stärker vor der eigenen Haustür – auch hier in der Oberpfalz. An Bächen, die kaum noch Wasser führen. An Feldern, die unter der Trockenheit leiden. Und an Wäldern, die in Flammen stehen. Die Feuerwehren waren dieses Jahr tagelang im Einsatz, um Waldbrände in der nördlichen Oberpfalz zu löschen. Hitze, Trockenheit und Wind erschwerten die Arbeiten.
Nachdenklich schiebe ich den Einkaufswagen zu meinem Auto. Es regnet immer noch leicht. Die ersten Sonnenstrahlen bahnen sich bereits wieder den Weg durch die Wolken. Der Mann an der Kasse hatte Recht: Die Natur hat diesen Regen wirklich gebraucht. Womöglich stört mich an diesem Satz gar nicht, dass er so banal ist – sondern dass er inzwischen so erschreckend wahr ist.
OTon
Wir sind junge Mitarbeiter von Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne "OTon" schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.



















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