Amberg
17.09.2026 - 09:16 Uhr

OTon: Amberg, wie sehr ich dich doch vermissen würde

Eine halbleere Wohnung offenbart: Amberg ist für Redakteur Dominik Hopperdietzel mehr als nur ein vorübergehendes Zuhause. Eine kleine Liebeserklärung.

Die Untere Nabburger Straße in der Amberger Altstadt: Seit mehr als vier Jahren darf Redakteur Dominik Hopperdietzel hier zwischen Dönerläden, Bars, Biergärten und einer gruseligen Parkplatzsituation leben. Archivbild: Wolfgang Steinbacher
Die Untere Nabburger Straße in der Amberger Altstadt: Seit mehr als vier Jahren darf Redakteur Dominik Hopperdietzel hier zwischen Dönerläden, Bars, Biergärten und einer gruseligen Parkplatzsituation leben.

Meine Partnerin und ich haben uns getrennt – also so halb. Sie geht nach München, ich bleibe in Amberg. Nicht, weil unsere Beziehung vorbei wäre. Eine Fortbildung verschlägt sie für ein Jahr in den Süden. Also schraubten wir gemeinsam unsere Möbel auseinander, teilten Schränke und Regale auf und stopften ihren Anteil ins Auto. Als wir abends vor der halbleeren Wohnung standen, kullerten plötzlich die Tränen. Aber nicht, weil nun 200 Kilometer zwischen uns liegen. Sondern wegen Amberg.

Denn in diesem Moment merkten wir, wie sehr wir diese Stadt lieben gelernt hatten. Wir sind vor fünf Jahren hier angekommen, ohne den Plan, für immer zu bleiben. Eigentlich war ich immer der Typ, der in die Großstadt wollte: mehr Menschen, mehr Möglichkeiten, einfach mehr von allem. Heute denke ich anders.

Vielleicht liegt es an all den kleinen Dingen, die Amberg für uns zu einem Zuhause gemacht haben. An der Vils etwa, an der wir abends so oft spazieren gegangen sind. An der OTH, an der ich studiert habe, und auf deren Campus ich selbst Jahre später noch regelmäßig Leute treffe, die ich von damals kenne. Am Cineplex, in dem ich wöchentlich sitze und mir gefühlt jeden neuen Film antue, egal, ob er gut ist oder nicht. Und natürlich an der wunderschönen Altstadt. Es sind genau diese liebgewonnenen Orte und Gewohnheiten, die man erst beim Gedanken ans Wegziehen bemerkt.

Und dann sind da sogar die nervigen Marotten, an die man sich irgendwann gewöhnt hat. Etwa wenn sich nachts aus der Bar gegenüber Geschrei mit Gebrüll abwechselt und man hofft, dass das Geräusch von zersplitterndem Glas nicht die eigene Windschutzscheibe war. Oder sich ein knallvolles Pärchen lauthals streitet und man live bei einer Trennung dabei ist, obwohl man nur schlafen möchte. Oder wenn vom Winkler wieder mal ein Mix aus Sauerbraten-Geruch, bayerischem Gejauchze und Blasmusik durchs Dachfenster weht. Und obwohl ich all das wie die Pest hasse, gehört es mittlerweile einfach dazu.

Meine Partnerin kommt in einem Jahr zurück. Und wenn wir dann wieder gemeinsam durch die Amberger Altstadt spazieren, wird sich vermutlich kaum etwas verändert haben. Zum Glück. Manchmal, da braucht es den Anblick einer halbleeren Wohnung, um zu merken, dass man sein perfektes Zuhause bereits gefunden hat.

Info:

OTon

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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