Präsidentschaftswahl - Die USA und die Oberpfalz

Am dritten November wird in den USA gewählt. Werden es vier weitere Jahre unter dem Republikaner Donald Trump? Oder schafft es sein demokratischer Herausforderer, der ehemalige Vizepräsident Joe Biden?

Trump gegen Biden – Wir blicken auf ihre Verbindungen zur Oberpfalz und Bayern. Und da gibt es eine ganze Menge.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Trump gegen Biden – Der Kampf ums Weiße Haus. Die Wählerinnen und Wähler in den USA entscheiden am Dienstag über ihren nächsten Präsidenten. Hintergründe und Fakten über die Wahl 2020 und die beiden Kandidaten.

Unser Ticker zur US-Präsidentschafts-Wahl hält Sie auf dem Laufenden.

Oberpfalz

Der Herausforderer: Joe Biden

Für viele hierzulande ist der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden der Hoffnungsträger. Sollte der 77-jährige Demokrat im Januar als Wahlsieger ins Weiße Haus einziehen wird alles besser, lautet die große Erwartung. Anders als Amtsinhaber Donald Trump kennt Biden zumindest Bayern. Mehrfach besuchte der US-Politiker als Senator, Vizepräsident und Privatmann die Münchener Sicherheitskonferenz, zuletzt im Jahr 2019.

Kurzbiografie

  • Geboren als Joseph Robinette Biden, Jr. am 20. November 1942 in Scranton, Pennsylvania, USA.
  • Er arbeitete ab 1969 als Anwalt in Wilmington (Delaware). Ab 1991 lehrte er Verfassungsrecht an der Widener University School of Law.
  • Am 27. August 1966 heiratete er seine Highschool-Liebe Neilia Hunter.
  • Am 18. Dezember 1972 kamen seine Frau und seine einjährige Tochter Naomi bei einem Verkehrsunfall ums Leben, die beiden Söhne Beau und Hunter überlebten.
  • Bei der Wahl zum US-Senat 1972 siegte er als einer der Jüngsten überhaupt mit 29 Jahren und vertrat ab 1973 bis zum Antritt der Vizepräsidentschaft 2009 den Bundesstaat Delaware im Senat.
  • Vizepräsident der Vereinigten Staaten von 2009 bis 2017 in der Regierung von Barack Obama.

Joe Biden in München

Schon einmal war Joe Biden der Botschafter eines neuen, besseren Verhältnisses zwischen Amerika und Europa. Wenige Wochen nach dem Amtsantritt von Präsident Barack Obama sprach der damalige Vizepräsident am 7. Februar 2009 bei der Münchener Sicherheitskonferenz. Nach der Rede Bidens schwärmte der Leiter der Sicherheitskonferenz und ehemalige deutsche Botschafter in Washington, Wolfgang Ischinger, von einem „politischen Frühlingsbeginn“. Die Auseinandersetzungen mit dem republikanischen Vorgänger Obamas, George W. Bush, ausgelöst durch dessen Irak-Krieg 2003, schienen plötzlich ganz weit weg.

Zum Abschied bekommt der amerikanische Vizepräsident Joe Biden am Flughafen München Blumen. Europaministerin Emilia Müller verabschiedet den Gast nach seinem Besuch der Sicherheitskonferenz 2009.

Jill Biden zu Besuch in Grafenwöhr

Noch ist offen, ob sich Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN) bald rühmen kann, mit Jill Biden eine spätere First Lady zu Gast gehabt zu haben. Auf jeden Fall war die Frau des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden im Februar 2013 als damalige „Second Lady“ in der amerikanischen Garnison am Rande des Truppenübungsplatzes zu Besuch. Während ihr Mann als Barack Obamas Vizepräsident bei der Münchener Sicherheitskonferenz sprach, traf sich Jill Biden mit Soldaten und deren Familien sowie Lehrern. Sie las Kindern aus ihrem Buch „Don’t Forget, God Bless Our Troops“ (Vergiss nicht, Gott segne unsere Truppen) vor. Es erzählt das Leben einer US-Familie aus Sicht eines Kindes, dessen Vater in den Krieg ziehen muss.

Joe Bidens zweite Ehefrau Jill liest den Kindern bei ihrem Besuch in Grafenwöhr aus ihrem Buch vor.

Joe Biden und die Kirche

Religion spielt in der amerikanischen Politik eine große Rolle. Das gilt auch den demokratischen Präsidentschaftbewerber Joe Biden. Er ist Katholik und besucht regelmäßig den Gottesdienst. So auch bei seinem ersten Besuch als Barack Obamas Vizepräsident im Februar 2009 bei der Münchener Sicherheitskonferenz. Am Sonntagvormittag nahm der damals 66-Jährige an der Messe in der katholischen Heilig-Geist-Kirche am Viktualienmarkt teil. „Ich habe mich sehr wohl bei Ihnen gefühlt. Die Messe in dieser schönen, alten Kirche hat mir gut gefallen. Beten Sie für mich!“, habe sich Biden danach bei Domdekan Lorenz Wolf und Pfarrer Thomas Amann bedankt. In seiner Autobiografie „Promises to keep“ schreibt er, die Messe sei die Zeit, in der er „ganz allein bei Gott“ sei. „Meine Vorstellung von der eigenen Persönlichkeit, von Familie, Gemeinschaft und von der ganzen Welt kommt unmittelbar aus meinem Glauben.“ Und: Biden erzählt gerne, dass er bei Nonnen das Schreiben und Lesen gelernt habe. Nach diesem Wochenende verabschiedetet die spätere Vorsitzende des Katholischen Frauenbundes in Bayern, Emilia Müller (CSU) aus Nittenau (Kreis Schwandorf), Biden am Flughafen. Die Oberpfälzerin war damals bayerische Europaministerin.

Joe Biden (links) beim Gottesdienst in der Münchener Innenstadtgemeinde Heilig Geist.

US-Präsident Donald Trump und Herausforderer Joe Biden haben sich in ihrer ersten TV-Debatte mit persönlichen Angriffen überzogen und chaotische Wortgefechte geliefert.

Der Amtsinhaber: Donald Trump

Über seine deutschen Wurzeln hat US-Präsident Donald Trump selten etwas gesagt. „Ich habe Deutsches in meinem Blut“, bemerkte er immerhin 2019 am Rande des G-7-Gipfels in Biarritz. Trump lässt keine Gelegenheit aus, Deutschland, die deutsche Politik und besonders Angela Merkel zu attackieren. Das bekommt auch die Oberpfalz zu spüren, Stichwort: Truppenabzug. Gleichwohl hat der Amtsinhaber Verbindungen in die Region.

Kurzbiografie

  • Geboren als Donald John Trump am 14. Juni 1946 in Queens, New York City, New York.
  • Viertes von fünf Kindern des New Yorker Immobilienunternehmers Fred C. Trump. Dessen Eltern, Friedrich Trump und Elisabeth Christ, waren aus Kallstadt in der Pfalz eingewandert.
  • Studium der Wirtschaftswissenschaften, Abschluss 1968.
  • 1971 übernahm er die Leitung der Firma seines Vaters und stieg in den folgenden Jahren zum Multimilliardär auf.
  • 1977 heiratete Trump das tschechoslowakische Model Ivana Zelnícková Winklmayr, aus der Ehe stammen die Söhne Donald Jr. und Eric sowie Tochter Ivanka. Von 1993 bis 1999 war Trump mit der Schauspielerin Marla Maples verheiratet, mit der er die Tochter Tiffany hat. 2005 heiratete er das slowenische Model Melania Knauss; 2006 wurde der gemeinsame Sohn Barron geboren
  • Seit Januar 2017 45. Präsident der Vereinigten Staaten.

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Donald Trump während des Besuchs auf dem Stützpunkt der US-Luftwaffe in Ramstein.

Trumps deutsche Wurzeln

Bei ihrem Besuch im Weißen Haus brachte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) US-Präsident Donald Trump einen Kupferstich aus dem Jahr 1705 mit – mit einer Karte der Pfalz, auf der Winzerort Kallstadt zu sehen ist. Von dort war 1885 Trumps Großvater Friedrich in die USA ausgewandert. Den Ort besuchte der US-Präsident bislang nicht, ebenso wenig wie Berlin, obwohl er zwei Mal in seiner Amtszeit in Deutschland war. Zum G20-Gipfel 2017 in Hamburg und am 27. September 2018 in der US-Luftwaffenbasis Ramstein (RheinlandPfalz), wo er US-Soldaten traf. Darüber, dass Trump nicht ins rund 60

Kilometer entfernte Kallstadt weiterreiste grämt sich dort kaum jemand. „Ach, es gibt immer Zeiten, da wird es lästiger, da kommen die Fragen nach Donald Trump dann häufiger“, sagt Thomas Jaworek (CDU), Bürgermeister der 1200-Seelen Gemeinde der dpa.

Das 2. US-Kavallerieregiment in Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach). Trump droht mit dem Abzug des Verbands.

Trump und der US-Truppenabzug

Schon im Wahlkampf 2016 hat Donald Trump die Nato für überholt erklärt und die Europäer, und insbesondere die Deutschen aufgefordert, sich selbst

zu verteidigen. In der Region um die US-Truppenübungsplätze Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN) und Hohenfels (Kreis Neumarkt) haben sich viele vor einem Truppenabzug gefeit gesehen. Schließlich loben hochrangige Militärs die Übungsplätze als einmalig und als „Kronjuwelen“. Die Bombe schlug Ende Juli

ein: US-Verteidigungsminister Mark T. Esper verkündet, dass der von Trump angeordnete Abzug der USTruppen aus Deutschland die Oberpfalz besonders hart trifft. Von rund 13 000 sollen in den nächsten Jahren die Hälfte gehen. Das 2. US-Kavallerieregiment aus Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach) soll zurück in die USA, weitere Verbände nach Italien oder Belgien. In Vilseck stünde nach der Umsetzung die US-Kaserne leer, in Grafenwöhr gäbe es viel Platz. In der Region hoffen viele Politiker auf eine Abwahl Trumps. Die Planungen im Pentagon für den Abzug laufen jedenfalls, im Kongress gab es bereits eine erste Anhörung dazu.

Die US-Gedenktafel in Flossenbürg, unter anderem unterschrieben von Donald Trump und Vizepräsident Mike Pence.

Trumps Unterschrift in Flossenbürg

Ob US-Präsident Donald Trump je von Flossenbürg gehört hat ist nicht überliefert. Dennoch prangt seine Unterschrift in der KZ-Gedenkstätte auf einer Erinnerungstafel. Das ist der Verehrung der Evangelikalen in den USA für den evangelischen Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer geschuldet

– und dem früheren US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell. Dieser beruft sich regelmäßig auf Sätze des Theologen, der vor 75 Jahren in Flossenbürg hingerichtet wurde. Die Tafel erhebt die Gedenkstätte zum amerikanischen Kulturerbe und erinnert an die 30 000 Todesopfer und an Bonhoeffer. Unterschrieben haben neben Trump auch Vizepräsident Mike Pence, Botschafter Grenell und Paul Packer, Präsident der Kommission zur Bewahrung amerikanischen Kulturerbes im Ausland.

So wird in den USA gewählt:

Die Grafik erklärt das komplexe Verfahren der US-Präsidentschaftswahl: Wozu sind eigentlich Vorwahlen da, was passiert auf den Nominierungsparteitagen? Welche Funktion haben Wahlfrauen- und Männer?

Der Wahlkampf in den USA: Welche Bundesstaaten laut Umfrage aus heutiger Sicht sicher/wahrscheinlich an Trump oder Biden gehen und welche Staaten als unentschieden (Swing State) gelten, zeigt diese Grafik.

Bei den vergangenen Präsidentenwahlen stand der Sieger meist noch in der Wahlnacht fest, dieses Mal könnte es deutlich länger dauern. Experten gehen davon aus, dass wegen der Pandemie wesentlich mehr Menschen per Briefwahl abstimmen werden. Daher könnte sich die Auszählung in manchen Bundesstaaten womöglich um einige Tage verzögern. Wann in welchem Bundesstaat mit der Auszählung begonnen werden darf, zeigt diese Webgrafik.

Chronologie einer Präsidentschaft. Vier Jahre Trump im Überblick:

Seit Donald Trump am 20. Januar 2017 als 45. US-Präsident vereidigt wurde, blickt die ganz Welt auf ihn und seine Politik. Die wichtigsten Momente der bisherigen Präsidentschaft fasst die interaktive Chronologie zusammen.

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