Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) schreibt den Regionalverkehr auf nicht-elektrifizierten Strecken in Oberfranken neu aus - das hat auch Folgen für Oberpfälzer Anbindungen. Ab 2023 könnte sich damit auf den Linien etwas ändern, die momentan vor allem von Agilis betrieben werden.
Allerdings: "Aus unserer Sicht handelt es sich bei der Ausschreibung primär um eine Beibehaltung des Status Quo", sagt Lukas Iffländer, stellvertretender Bundesvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn. "In der Oberpfalz dürfte man recht wenig bemerken." Dennoch sieht Iffländer die BEG auf dem richtigen Weg: "Wer über die Oberpfalz hinaus reist, merkt, dass abends und am Wochenende mehr Züge unterwegs sind." Nur auf Basis eines Stundentakts, der auch bis in den Abend geht, könne die Bahn eine Alternative zum Auto bieten.
Verbesserung der Fahrpläne
Die Kriterien der Ausschreibung garantierten den Angaben zufolge auch eine Verbesserung der Fahrpläne und Anbindungen. Taktlücken sollen geschlossen und der Abendverkehr ausgebaut werden. Den Zuschlag will die BEG heuer im Oktober erteilen. Zum künftigen Netz soll auch der bayerische Teil der bisher von der Länderbahn betriebenen grenzüberschreitenden Verbindung Hof-Selb-Plößberg-As/Asch-Cheb/Eger gehören.
Steigerung um acht Prozent
Laut BEG werde der künftige Betreiber rund 5,4 Millionen Zugkilometer pro Jahr an Verkehrsleistungen erbringen - eine Steigerung um rund acht Prozent gegenüber heute. Die BEG führt unter anderem auf der Strecke Bayreuth-Weidenberg den Stundentakt von 5 bis 23 Uhr (samstags ab 6 und sonntags ab 7 Uhr) ein. Zugleich reagiert das Unternehmen mit der Angebotsverbesserung auf die steigende Nachfrage in Oberfranken: Von 2012 bis 2019 hat die Zahl der Fahrgäste im Netz Agilis Nord um sieben Prozent zugenommen, auf zuletzt 6,74 Millionen Fahrgäste pro Jahr.
Ein Schwerpunkt des Ausbaus liege auf der Region Hof. Hier bestellt die BEG mehr Züge, um den geplanten Haltepunkt Hof-Mitte anzubinden. Die grenzüberschreitende Linie Hof-As-Cheb wird zweistündlich vereinigt mit der Linie Hof-Selb-Stadt bis Selb-Plößberg verkehren. In Oberkotzau wird für Selb und Rehau ein zweistündlicher Anschluss zum Regionalexpress nach Marktredwitz und Nürnberg geschaffen.
Für die Strecken Weiden-Bayreuth, Hof-Bad Steben und Münchberg-Helmbrechts macht die BEG die Einführung des Stundentakts allerdings abhängig vom Angebotspreis, den das Unternehmen von den Eisenbahnverkehrsunternehmen erhält. "Aus Antriebssicht ist die Ausschreibung unserer Meinung nach auch nicht besonders ambitioniert", kritisiert Pro-Bahn-Vertreter Iffländer. "Gerade von Hof aus könnte man einige Züge mit Akkutriebzügen fahren lassen."
Die Ausschreibung sieht barrierefreie, klimatisierte Gebrauchtfahrzeuge vor. Kostenloser W-Lan-Empfang muss zur Verfügung gestellt werden. Der künftige Betreiber muss zudem dokumentieren, wie er einen ausreichenden Personalbestand zum Betriebsstart und während der Vertragslaufzeit sicherstellen kann. Zusätzlich fordert die BEG eine Mindestausbildungsquote für Triebfahrzeugführer. Die BEG macht für alle Züge Mindestvorgaben zur Sitzplatzanzahl unter Berücksichtigung stark frequentierter Züge im Berufs- und Schülerverkehr sowie im Freizeitverkehr an Wochenenden.
Gute Karten für Agilis?
Die BEG stellt detaillierte Anforderungen in Sachen Qualität. Das Eisenbahnverkehrsunternehmen, das sich im Vergabeverfahren durchsetzt, erhält dann monatliche und jährliche Zielwerte zur Pünktlichkeit und zur Anschlusssicherung vorgegeben.
Unterschreitet das Unternehmen diese Werte, werden Strafzahlungen fällig. Zu den Kriterien zählen die Sauberkeit der Züge, die Funktionsfähigkeit der Ausstattung und die Fahrgastinformation. "In Summe sieht die Ausschreibung nach ,wahrscheinlich nochmal Agilis' aus", vermutet Iffländer. "Unter Betrachtung der aktuellen Servicequalität ist das für die Fahrgäste sicher eher ein Grund zur Freude." Außerhalb der Spitzenzeiten seien die Fahrzeuge für die zurückgelegten Strecken ausreichend bequem, sehr sauber, und das Personal sei immer freundlich und hilfsbereit.
Geplante Verbesserungen der Bahnanbindung
■ Schließung von Taktlücken■ Zusätzliche Abendverbindungen■ Anbindung der neuen Haltepunkte Hof-Mitte, Coburg-Beiersdorf, Bamberg Süd und Forchheim-Nord
- Schließung von Taktlücken
- Zusätzliche Abendverbindungen
- Anbindung der neuen Haltepunkte Hof-Mitte, Coburg-Beiersdorf, Bamberg Süd und Forchheim-Nord















Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.