Der Angeklagte ist nicht mehr der Jüngste. Der Bosnier geht auf die 70 zu. Zum Lesen setzt er zwei Brillen auf. Schwerhörig ist er auch. Dennoch war Stevan A. - laut Anklage - drauf und dran, einen der größten Drogendeals in der Region einzufädeln. Sein Angebot: 10 Kilo reinstes Heroin für 230 000 Euro.
Ein guter Preis, meint "Zuhälter Klaus", mit dem der Bosnier 2015 in einem Weidener Lokal die Details besprach. Dumm nur für den Vermittler, dass "Klaus" nicht aus dem Milieu kommt, sondern aus dem Zollfahndungsamt München. Der 58-Jährige - eine verwegene Erscheinung bis in die Stiefelspitzen - war damals als nicht offen ermittelnder Beamter eingesetzt. Das Heroin hätte - in ein Nobelauto verbaut - aus der Türkei kommen sollen. In einer Weidener Garage sollte die Ware ausgebaut werden. Zur Übergabe der Drogen kam es letztlich nicht.
Seit Donnerstag muss sich der 69-jährige Bosnier (Beruf: "Glücksspieler") dennoch wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln vor dem Landgericht Weiden verantworten. Denn als solcher gilt auch der "Verbalhandel". Staatsanwalt Dr. Marco Heß ist sich sicher, dass die Ware parat stand. In letzter Minute platzte der Deal. Abgehörte Telefonate verraten die Hintergründe: Ein Hintermann meldet aufgeregt, dass es bei Istanbul zu einem Unfall gekommen sei. Der Fahrer sei in Lebensgefahr, man habe ein "großes Problem". Das habe ja wohl eher er hier in Weiden, reagierte der Bosnier aufgebracht: "Die Ware sollte am Donnerstag hier sein." Auf nichts könne man sich mehr verlassen. "Heute gibt es keine Hochzeit. Der Bräutigam ist allein gekommen und kann nicht sagen, wann die Braut kommt." Eine "Katastrophe".
"Nur geblöfft"
Das sei "alles nur geblöfft" gewesen, verteidigt sich der mutmaßliche Drogenhändler heute. Er habe "den großen Kriminellen nur gespielt". Er habe darauf spekuliert, dass die Kunden eine Anzahlung von 20000 Euro machen würden. "Die Droge hätte ich nie geliefert." Auch alle weiteren Ausschmückungen zu seiner Person habe er frei erfunden: "Ich habe erzählt, dass ich für fünf, sechs Morde verantwortlich bin, in Bosnien, Wien, Frankfurt, Milano... Dass ich geraubt habe und tonnenweise Heroin liefern kann. Das war alles gelogen." Und natürlich habe er sofort durchschaut, dass "Klaus" kein echter Krimineller ist, schiebt er noch hinterher.
Wie gerät ein mehrfach vorbestrafter Ganove an einen Scheinkäufer des Zolls? Über eine Vertrauensperson des Zollfahndungsamtes München, sprich: einen Informanten in der Szene. Dieser sagt vor dem Landgericht nicht aus, aber seine "Führerin" beim Zoll. "Rico" habe informiert, dass der Angeklagte auf der Suche nach Abnehmern für große Mengen Heroin sei. Daraufhin habe man Interesse gezeigt und das Treffen mit dem angeblichen Interessenten "Zuhälter Klaus" in Weiden organisiert. Als sich der Deal 2016/2016 zerschlug, habe man zwei Jahre nichts mehr gehört von dem Angeklagten. Er saß in Serbien eine mehrjährige Haftstrafe ab. 2018 habe er sich dann wieder gemeldet und der Vertrauensperson erneut kiloweise Heroin angeboten. Die Initiative sei immer vom Angeklagten ausgegangen, sagt die "Führerin" auf Nachfragen von Verteidiger Thomas Bäumler.
Ein Leben lang Spieler
Zur Vita befragt, gibt der Angeklagte seinen Beruf als "Glücksspieler" an. Er habe als Bauernsohn nur zwei Jahre die Schule besucht, ehe er sich mit 13 Jahren in Zagreb als "Griller" verdingte. Seit Ende der 60er lebe er ausschließlich vom Glücksspiel: "Ich würfle." "Rentiert sich das?", will Vorsitzender Richter Gerhard Heindl wissen. Der Angeklagte: "Ich habe davon gelebt. Aber ich habe auch nichts erreicht." Die Verhandlung wird am Montag fortgesetzt.













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