Schülerinnen schamlos ausgenutzt

Ein Mann (26) nötigt Schülerinnen ab 14 zu Nacktfotos und -videos per Whatsapp. Er bietet den Mädchen 4000 Euro für Sex.

Das „Beuteschema“ des Angeklagten: Mädchen zwischen 13 und 17 Jahren, die er am Omnibusbahnhof ansprach. Eine 17-Jährige kontaktierte er über die Internetplattform „Lovoo“. Zwei Geschädigte sind Nebenkläger, vertreten durch die Anwälte Tobias Konze und Monika Sehmsdorf. Rechts Staatsanwalt Hans-Jürgen-Schnappauf.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Jetzt steht er vor Gericht: ein Bürschchen mit Brille und Bärtchen. Ein Durchschnittstyp. Die Fußfesseln klimpern über den rote Turnschuhen. Seit Donnerstag muss sich der 26-Jährige vor der 3. Jugendkammer des Landgerichts unter Vorsitz von Richter Reinhold Ströhle unter anderem wegen Vergewaltigung, sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen, Nötigung und Erpressung verantworten.

Mit seiner geschiedenen Frau hat er zwei Kleinkinder. Eine 18-Jährige hat 2018 ein Baby von ihm bekommen. Alles Töchter. Der Richter fragt nach dem Beruf. "Arbeitslos." Einen festen Wohnsitz in Freiheit hat er nicht mehr. Seit Juli 2018 sitzt der 26-jährige Deutsche in Untersuchungshaft. Man musste ihn regelrecht von der Straße holen, um weitere Mädchen vor ihm zu schützen. Schon einmal, von Januar bis 6. Februar 2018, war er in U-Haft genommen worden. Damals gab es den Verdacht, er werbe Minderjährige als Prostituierte an, was sich nicht erhärten ließ. Er wurde entlassen.

Genau eine Woche war der Weidener in Freiheit. Und schon am Valentinstag 2018 suchte er sich mit dem ZOB eine neue Spielwiese. Am Zentralen Omnibusbahnhof treffen sich seit jeher Teenager aus Weiden und dem Umland. "Wir sind dort alle zwischen 13 und 16 Jahre alt", sagte eine Schülerin bei ihrer polizeilichen Vernehmung, die vor Gericht verlesen wurde. "Er kam einfach dazu."

In den folgenden neun Wochen macht er sich an sechs Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren heran. Von allen fordert er hartnäckig Nacktfotos und Sexvideos per Whatsapp. Tatsächlich schicken ihm vier Mädchen Bilder und Filmsequenzen von sich selbst.

Warum? Er manipuliert jede geschickt auf andere Weise. Die eine verliebt sich unsterblich. Die nächste lässt sich mit der Aussicht auf eine Shoppingtour und ein neues Handy locken. Wenn gar nichts geht, droht er seinen Opfern.

Mutter kommt dahinter

Der Spuk fliegt erst auf, als eine Mutter dahinter kommt. Die Geschädigte kommt aus gutem Hause. Die Mama bekommt den Tipp von der besten Freundin der Tochter, die deren neuem Freund misstraut. Die Mutter kassiert das Handy der 15-Jährigen und stößt auf die Chats.

Über Verteidiger Rouven Colbatz räumt der Angeklagte alle Vorwürfe ein. "Das hat alles so stattgefunden." Die Anklage wird um kleinere Fälle entschlackt. Nach einem Verständigungsgespräch stellt das Gericht eine Freiheitsstrafe zwischen 3 Jahren 10 Monaten und 4 Jahren 6 Monaten in Aussicht. Staatsanwalt Hans-Jürgen Schnappauf und die Nebenklagevertreter Tobias Konze und Monika Sehmsdorf lassen sich nach anfänglichem Widerstand darauf ein. Im Gegenzug wird auf die Einvernahme der jungen Mädchen verzichtet: Sie müssen nicht vor Gericht aussagen. Das Urteil soll am Dienstag fallen.

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