Solidarisch gegen Kultursterben

Der Kultursommer ist vorbei, bevor er angefangen hat. Nicht jedoch für Zuschauer, die Karten für die abgesagten Konzerte, Festivals oder Theaterabende gekauft haben. Viele hängen mit deren Rückvergütung in der Luft. Es gibt aber Ausnahmen.

Viele Akteure, Sänger, Tänzer und Musiker: LTO-Mammutproduktionen wie Cabaret im vergangenen Jahr sind in Coronazeiten aktuell kaum möglich.
von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil

In der Region ist viel Solidarität mit Veranstaltern wie dem Landestheater Oberpfalz (LTO) zu spüren. Noch bevor eine ähnliche Gesetzesinitiative zum Tragen kommen kann, bietet das Landestheater bereits bei der Absage seines Festivalsommers mehrere Optionen zur Rückabwicklung der Karten, darunter einen eigenen LTO-Gutschein an. „Die Leute haben in der Coronakrise andere Probleme, und da sollten sie sich nicht noch wegen eines Theatertickets ärgern müssen“, hebt Geschäftsführer Wolfgang Meidenbauer hervor.

Die Resonanz ist laut dem LTO-Chef positiv: „Für uns ist das Thema eigentlich schon fast durch. Rund zwei Drittel der Inhaber der 2694 verkauften Tickets haben sich gemeldet. Etwa 60 Prozent haben sich für einen Wertgutschein entschieden, 10 Prozent haben sogar den Ticketpreis gespendet.“ Das liege auch an der engen Verbundenheit der Besucher mit dem LTO. „Viele der Ticketinhaber kommen regelmäßig zu uns und so ist es einfach, den Gutschein einzulösen.“

Diese Unterstützung der Kulturtreibenden beeindruckt auch Miriam Wunsch. Die Teamleiterin Kundenservice beim Verlag Oberpfalz-Medien beobachtet diesen positiven Trend bei vielen der rund 230 betroffenen regionalen Events bei „NT-Ticket.de“. „Generell gibt es hier bei der Rückabwicklung kaum Probleme.“ Der Andrang der Kunden sei besonders zum Beginn der Krise groß gewesen. „Seit der Ticketschalter nun wieder geöffnet wurde, ist der Ansturm aber ausgeblieben“, erzählt Wunsch und reiht sich in den Aufruf zur Solidarität mit Künstlern, Betreibern und Veranstaltern ein. „Wer es sich leisten kann, sollte sich überlegen, sein Ticket zu behalten“, appelliert die Teamleiterin. „Es ist wichtig, Kulturschaffende in der Pandemie zu unterstützen. Sonst sind sie vielleicht danach nicht mehr da.“

Schwieriger gestaltet sich die Kommunikation bei Tickets, die über überregionale Vermittler wie Eventim laufen. Diese verweisen auf die jeweiligen Veranstalter und die bis dato unklare Gesetzeslage (siehe Infobox). „Uns ist bewusst, dass die aktuelle Situation zu viel Unmut bei einzelnen Ticketkäufern führt“, betont der Marktführer in einer Pressemitteilung. Man müsse dennoch das finale Gesetz abwarten.

Coronakrise beendet Freiluftsaison

Leuchtenberg

Ob Gutscheine bei solchen Veranstaltungen anstelle einer Erstattung des Eintrittspreises gut angenommen werden, ist offen. Das Gebot der Stunde lautet in der Branche daher allerorts: Verschieben statt stornieren. So können etwa Rock-im-Park-Fans ab sofort online ihre diesjährigen Festivaltickets auf 2021 übertragen, wie Veranstalter Argo Konzerte nun mitteilte. Die Jubiläumsausgabe des Festivals am Nürnberger Dutzendteich soll vom 11. bis 13. Juni 2021 stattfinden. Auch der Festivalsommer des Landestheaters wird Meidenbauer zufolge in ähnlicher Form um eine Saison verschoben. „Die Verlagsrechte sind geklärt, die angekündigten Neuproduktionen sind für 2021 gesichert. Wer sich etwa auf das ,Weiße Rössl‘ gefreut hat, kann es im nächsten Jahr genießen.“

Die allgemeine Situation sieht der LTO-Chef jedoch mit Bedenken: „Gutscheine sind natürlich kurzfristig ein gutes Instrument, vertagen aber das Problem nur.“ Die Leute gingen ja deswegen im kommenden Jahr nicht öfter ins Theater oder ins Konzert. Die Einnahmen würden so in der Zukunft fehlen. Daher danke er besonders den Unterstützern, die den Ticketpreis gespendet haben. Wie alle Veranstalter baut das Landestheater neben einem baldigen Neustart und innovative Konzepte weiter auf die Unterstützung der Kulturinteressierten.

Hintergrund:

Gutscheine statt Erstattungen

Da Corona-bedingt seit Mitte März nahezu alle Veranstaltungen im Sport-, Kultur- und Freizeitbereich abgesagt wurden, sehen sich Veranstalter und Betreiber mit einer Vielzahl an Erstattungsansprüchen konfrontiert, während ihnen die Einnahmen wegbrechen. Es drohen massive Liquiditätsprobleme oder gar die Insolvenz. Damit die Kulturbetriebe nicht ins Schlingern geraten, hat die Bundesregierung eine Anpassung des Veranstaltungsvertragsrecht beschlossen. Veranstaltern soll es erlaubt sein, Kunden als Ersatz für die abgesagten Veranstaltungen Gutscheine für „eine gleichwertige Veranstaltung“ auszustellen. Kunden sollen aber in Härtefällen eine Erstattung verlangen können – oder wenn sie den Gutschein bis 31. Dezember 2021 nicht einlösen.

Karteninfos:

Alle Infos rund um Veranstaltungen und Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, Telefon: 09621/306-230 oder Telefon: 09661/8729-0 sowie unter www.nt-ticket.de

Aufführungen von "Willkommen bei den Hartmanns" waren die ersten, die das Landestheater Oberpfalz Corona-bedingt absagen musste.

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